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Arm in Arm. Hollande, Gauck und Robert Hébras, ein Überlebender des Massakers. Die Hinterbliebenen in Oradour hatten Jahrzehntelang jeden offiziellen Kontakt zu Deutschland abgelehnt.
Arm in Arm. Hollande, Gauck und Robert Hébras, ein Überlebender des Massakers. Die Hinterbliebenen in Oradour hatten Jahrzehntelang jeden offiziellen Kontakt zu Deutschland abgelehnt.(Foto: dpa)
Mittwoch, 04. September 2013

Geste der Versöhnung im französischen Oradour: Gauck besucht das Dorf der SS-Schande

Mit einer starken Geste der Aussöhnung beginnt Bundespräsident Gauck seinen Besuch in dem zentralfranzösischen Dorf Oradour-sur-Glane, in dem SS-Soldaten im Jahr 1944 ein Massaker an hunderten Zivilisten verübten. Vor der niedergebrannten Dorfkirche gedenkt Gauck Hand in Hand mit Staatschef Hollande der Opfer.

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Bundespräsident Joachim Gauck hat Frankreich für den Geist der Zusammenarbeit nach den deutschen Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg gewürdigt. Er danke "im Namen aller Deutschen dafür, dass Sie uns mit diesem Willen zur Versöhnung gegenübertreten", sagte Gauck im französischen Oradour-sur-Glane vor Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Massakers. In dem kleinen Ort hatten Soldaten der Waffen-SS 1944 mehr als 600 Franzosen ermordet.

"Dieser Ort und seine Bewohner wurden in einem barbarischen, in einem zum Himmel schreienden Verbrechen vernichtet", sagte Gauck. So großherzig die Geste der Versöhnung auch sei, "so kann sie mich doch auch nicht von dem tiefen Entsetzen befreien angesichts der großen Schuld, die Deutsche an diesem Ort auf sich geladen haben". Gauck versprach: "Wir werden Oradour und die anderen europäischen Orte des Grauens und der Barbarei nicht vergessen."

Hollande und Gauck stützen Hébras in der Ruine der ausgebrannten Kirche von Oradour.
Hollande und Gauck stützen Hébras in der Ruine der ausgebrannten Kirche von Oradour.(Foto: REUTERS)

Gauck war gemeinsam mit Frankreichs Präsident François Hollande ins mittelfranzösische Oradour gekommen. Mit einer Geste der Versöhnung gedachten die Präsidenten der Gräueltaten. Hand in Hand ließen sich Gauck und Hollande das Massaker schildern.

Gauck ist der erste deutsche Spitzenpolitiker, der das Dorf besucht. Die Hinterbliebenen in Oradour hatten Jahrzehntelang jeden offiziellen Kontakt zu Deutschland abgelehnt.

Offenbar eine willkürliche Strafaktion

Insgesamt waren an jenem schrecklichen Sommertag 642 unschuldige Kinder, Frauen und Männer gestorben. Ein ganzes Dorf wurde in wenigen Stunden ausgelöscht. Seitdem steht in Oradour die Zeit still. Die Überreste des zerstörten Dorfes sind als einzigartiges Mahnmal erhalten. Nichts wurde verändert. Zwischen den Ruinen stehen rostende Autowracks, angelehnte Fahrräder und verkohlte Kinderwagen. Im ausgebrannten Kirchenraum liegt immer noch die Glocke, die zu einer unförmigen Metallmasse geschmolzen ist.

Die Gründe für den Massenmord wurden nie ganz geklärt, vermutlich war es eine willkürliche Strafaktion, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Kurz zuvor waren die Alliierten in der Normandie gelandet und der Widerstand gegen die deutschen Besatzer wuchs.

Gaucks Besuch wird auf französischer Seite in einer Linie gesehen mit der Versöhnungsgeste von Verdun, zu der sich 1984 der damalige Präsident François Mitterrand und Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl trafen.

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Quelle: n-tv.de