Politik

Lohn der Bescheidenheit "Geist des Miteinanders"

Bundespräsident Horst Köhler hat die Unternehmen zu einer höheren Erfolgsbeteiligung ihrer Mitarbeiter aufgerufen. Die Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften habe am Arbeitsmarkt zu klaren Fortschritten geführt, sagte Köhler der "Bild am Sonntag". In diesem neuen Geist des Miteinanders sollten die Arbeitnehmer nun aber auch stärker am Erfolg beteiligt werden.

Dabei warb Köhler unter anderem für Lohnerhöhungen. "Zurückhaltung darf nicht ausgenutzt werden", mahnte er. "Sie muss sich erkennbar lohnen. Je früher das geht, desto besser." Dies stärke das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft "und das sollten die Beschäftigten auch im Geldbeutel spüren".

Der Bundespräsident schlug zudem Gewinnbeteiligungen und Arbeitnehmer-Anteile am Produktivvermögen vor, "wenn dabei das Risiko richtig gestreut ist". Belegschaften und Geschäftsführungen müssten sich als Team verstehen. "Das ist die moderne Zeit", sagte er. "Die Möglichkeiten der Sozialpartnerschaft sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft."

Auch Renten steigen weiter

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) warnte angesichts immer düsterer Konjunkturaussichten vor Schwarzmalerei. "Die Bundesregierung handelt entschieden und ohne in Panik zu verfallen. Hektische Reaktionen auf finstere Prognosen helfen nicht weiter", sagte Scholz der dpa in Berlin. Den gut 20 Millionen Rentnern kündigte der Minister eine deutliche Anhebung ihrer Altersgelder an: "Genaue Zahlen kann ich noch nicht sagen. Aber es wird im nächsten Jahr eine bessere Rentenerhöhung geben als in den letzten Jahren." Die jüngste Rentenanpassung zur Jahresmitte 2008 brachte 1,1 Prozent mehr Geld.

Gewerkschaften für Lohnerhöhungen

Auch die Gewerkschaften fordern für die Lohnrunde 2009 nach einer Analyse ihres Wirtschaftsinstituts WSI zwischen fünf und zehn Prozent mehr Geld. "Krise hin und her. Das führt nicht dazu, dass sich überall tarifpolitische Bescheidenheit breitmacht", sagte Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Die Gewerkschaften machten mit Verweis auf gute Firmengewinne bis zum Herbst 2008 einen Nachholbedarf geltend. Außerdem würden kräftige Lohnsteigerungen den Konsum stärken. "Wenn milliardenschwere Konjunkturpakete geschnürt werden, wäre ein Rückwärtsgang in der Tarifpolitik ausgesprochen kontraproduktiv", unterstrich Bispinck.

Der Tarifexperte räumte ein, dass Forderungen nach kräftigen Lohnsteigerungen angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise nur sehr schwer durchsetzbar seien. Vieles spreche schon jetzt für konfliktreiche Verhandlungen. Der Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie von 4,2 Prozent liefere die Vorlage für die Lohnrunde 2009.

Quelle: ntv.de