Politik

Kim Jong Un "Großer Erbe" wird neuer Führer

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Vorn der Vater, hinten der Sohn.

(Foto: dpa)

Viel ist nicht bekannt über den Thronfolger im stalinistischen Nordkorea. Er soll ebenso skrupellos sein wie sein Vater und ist angeblich in der Schweiz zur Schule gegangen. Dass er so schnell zum Nachfolger ausgerufen wurde, deutet daraufhin, dass ein Machtkampf zunächst abgewendet wurde.

Seit Jahren hat sich Kim Jong Un auf diese Aufgabe vorbereitet, nun ist es soweit: Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, Nordkoreas langjährigem Machthaber Kim Jong Il, wurde der junge Mann offiziell zum neuen Herrscher des autoritär regierten Landes ausgerufen. "An der Spitze der koreanischen Revolution steht nun Kim Jong Un", erklärte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA, die ihn als "großen Erben" und "herausragenden Führer von Partei, Armee und Volk" bezeichnete.

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Bei Werksbesichtigungen seines Vaters war Kim Jong Un auch schon dabei.

(Foto: REUTERS)

Kim Jong Un, der 1983 oder 1984 geboren sein soll, war in der einzigen kommunistischen Dynastie der Welt seit Jahren von seinem schwer kranken Vater zum Nachfolger aufgebaut worden. Nachdem dieser offiziellen Angaben zufolge am Samstag im Alter von 69 Jahren auf einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt verstarb, übernimmt er nun planmäßig die Führung des bitter armen Landes, das wegen seiner aggressiven Außenpolitik und seines umstrittenen Atomprogramms seit Jahren international isoliert ist.

"Abbild seines Vaters"

Über das Leben Kim Jong Uns ist nur wenig bekannt. Bis im September 2010 Fotos von ihm an der Seite seines Vaters veröffentlicht wurden, gab es nicht einmal ein Bild des jungen Mannes. Gesichert ist jedoch, dass er der jüngste von drei Söhnen Kim Jong Ils ist. Seine Mutter ist die japanisch-stämmige Tänzerin Ko Jong Hi, die 2004 an Brustkrebs gestorben sein soll. Kim Jong Ils ehemaliger Sushi-Koch Kenji Fujimoto beschreibt ihn als "Abbild seines Vaters, vom Gesicht über die Statur bis zu seiner Persönlichkeit".

Dass er zum Nachfolger erkoren wurde, hat er vor allem seinen Brüdern zu verdanken: Der Älteste, Kim Jong Nam, soll in Ungnade gefallen sein, als er 2001 mit einem gefälschten Pass versuchte, das Disneyland in Tokio zu besuchen. Den mittleren Sohn Kim Jong Chul soll sein Vater als zu "feminin" und zu schwach abgelehnt haben.

Ein schüchterner Van-Damme-Fan

Außer in Nordkorea gibt es nur in der Schweiz eine Handvoll Menschen, die mit Kim Jong Un schon einmal zu tun hatten - sie glauben es jedenfalls. Im Juni 2010 gelangte ein Klassenfoto einer Privatschule bei Bern von 1999 an die Öffentlichkeit, das den damals 16-Jährigen zeigen soll. Er soll dort von 1996 bis 2001 unter falschem Namen zur Schule gegangen sein. Daher soll er neben Englisch auch Deutsch sprechen können. Medienberichten zufolge spielte er gerne Basketball und zeichnete Comics; Klassenkameraden erinnerten sich an einen schüchternen Jungen mit einer Vorliebe fürs Skifahren und den Hollywood-Actionhelden Jean-Claude Van Damme.

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Der "junge Kapitän" applaudiert seinem Vater.

(Foto: AP)

Nach Presseberichten besuchte Kim Jong Un anschließend die nach seinem Großvater Kim Il Sung benannte Militärakademie in Pjöngjang. Nachdem sein Vater im August einen Schlaganfall erlitt, ging es für Kim Jong Un rasch empor: Im September 2010 wurde er General, bekam wichtige Parteiämter und wurde vom Propagandaapparat, der einen beispiellosen Personenkult um die Herrscherfamilie pflegt, als "junger Kapitän" tituliert. Zudem soll er die Führung der Geheimpolizei übernommen haben.

Beobachter sehen die Tatsache, dass die Übernahme der Macht durch Kim Jong Un zwei Tage nach dem Tod seines Vaters bekannt gegeben wurde, als Zeichen, dass es zunächst keinen Machtkampf geben wird. Die wichtigsten Mitglieder der Führung hätten sich offenbar hinter Kim Jong Un gestellt, sagte der Nordkorea-Experte Paik Hak-Soon in Seoul.

Nach Ansicht des südkoreanischen Militärexperten Baek Seung Joo wird es vorerst keinen Richtungswechsel geben. "Es wird nicht erwartet, dass Kim Jong Un eine drastische Änderung der Politik vornimmt, solange er seine Macht festigt. Er wird eine Machtteilung oder eine strategische Allianz mit wichtigen Militärführern suchen", sagte Baek. Auch Paik geht davon aus, dass der neue Machthaber im angespannten Verhältnis mit Südkorea und im Streit um das Atomprogramm Provokationen deshalb vorerst meiden wird.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa