Die Weltöffentlichkeit ist alarmiert. Vor der Küste Somalias machen Piraten immer wieder Jagd auf Schiffe.Bild 1 von 47 Um die Seeräuber zu stoppen, entsendet die EU und die USA Kriegsschiffe, Aufklärungsflugzeuge und Elitesoldaten an das Horn von Afrika. Die EU will so die wichtigen Seerouten vom Suezkanal in Richtung des Persischen Golfes und Ostasien schützen.Bild 2 von 47 Der Kampf gegen die Piraten fällt eigentlich in den Zuständigkeitsbereich des somalischen Staates. Die chaotischen Zustände in dem ostafrikanischen Land machen es jedoch unmöglich, die Piraterie wirkungsvoll zu unterbinden.Bild 3 von 47 Armut, Hunger und ständiger Aufruhr bestimmen das Leben in diesem Staat, der eigentlich keiner mehr ist - ein idealer Nährboden für die zunehmende Kriminalität zu Lande und zu Wasser.Bild 4 von 47 Somalia befindet sich am Horn von Afrika. In dem ostafrikanischen Land leben rund 8,7 Millionen Einwohner.Bild 5 von 47 Immer wieder wird Somalia von schweren Naturkatastrophen getroffen. Auf Überschwemmungen ...Bild 6 von 47 ... folgen katastrophale Dürren. Die Menschen leiden unter den schweren Lebensbedingungen, etwa 70 Prozent sind unterernährt.Bild 7 von 47 Bewaffnete Milizen ringen um die Macht in dem zerrütteten Land. Die amtierende Regierung kann weder die Sicherheit der eigenen Bürger noch die der Handelsschiffe garantieren.Bild 8 von 47 Die Auflösung der staatlichen Strukturen und die herrschende Gesetzlosigkeit machen viele Regionen zu einem idealen Standort für Piraten. In Puntland werden die lokalen Machthaber sogar beschuldigt, mit den Seeräubern gemeinsame Sache zu machen.Bild 9 von 47 Somalia gilt als so genannter "Failed State". Eine Erhebung der Fachzeitschrift "Foreign Policy" führt Somalia auf dem Index der gescheiterten Staaten auf Platz 1. Ein Jahr zuvor belegte das Land Platz 3.Bild 10 von 47 Insgesamt wurde die Lage in 177 Staaten beleuchtet. Für die Analyse wurden zwölf soziale, ökonomische und politische Indikatoren untersucht.Bild 11 von 47 Zu den sozialen Faktoren gehören: starkes Bevölkerungswachstum, große Flüchtlingsbewegungen, die zum Teil schwere humanitäre Krisen nach sich ziehen, und Racheabsichten verfeindeter Gruppen.Bild 12 von 47 Als ökonomische Indikatoren gelten: die ungleiche Verteilung des ökonomischen Wachstums und der Teilhabe daran vor allem entlang ethnischer Gruppenzugehörigkeiten sowie der starke oder ständige Verlust an Wirtschaftskraft.Bild 13 von 47 Politische Indikatoren sind eine zunehmende Kriminalisierung und die darauf folgende Delegitimierung des Staates, der fortschreitende Verfall öffentlicher Dienstleistungen und Verwaltungsstrukturen sowie die Aufhebung oder willkürliche Auslegung von Rechtsnormen.Bild 14 von 47 Der Sicherheitsapparat wird zum Staat im Staate, die Eliten zersplittern, andere Staaten oder auswärtige politische Akteure intervenieren.Bild 15 von 47 Was macht Somalia zu einem gescheiterten Staat ? Der deutsche Soziologe Max Weber gab 1919 eine bis heute gültige Definition des Begriffes "Staat": ...Bild 16 von 47 ... "Der Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes das Monopol auf legitime physische Gewaltsamkeit mit Erfolg für sich beansprucht."Bild 17 von 47 Somalia befindet sich seit 1991, als Rebellen den damaligen Präsidenten Siad Barre stürzten, faktisch in einem Zustand der Anarchie.Bild 18 von 47 Nach dem Sturz Barres verstrickten sich die verschiedenen Stämme in einen Bürgerkrieg um seine Nachfolge. Die staatliche Ordnung zerfiel völlig.Bild 19 von 47 Im Jahr 1992 unternahmen die Vereinten Nationen einen Versuch, die Ordnung wiederherzustellen.Bild 20 von 47 Die UN-Missionen UNOSOM und UNOSOM II schlugen jedoch fehl. Unter dem militärischen Druck der Warlords zogen sich die Truppen 1995 endgültig zurück.Bild 21 von 47 Nach schier endlosen Kämpfen gab es 2004 zwar eine Übereinkunft zwischen Warlords und bürgerlichen Politikern, eine Übergangsregierung zu bilden. Die so geschaffene Regierung konnte die Zentralgewalt jedoch nie an sich bringen.Bild 22 von 47 Premierminister Nur Hassan Hussein verfügt nicht über die Mittel, das Monopol der staatlichen Gewaltsamkeit durchzusetzen. Somalia bleibt ein zerrissenes Land.Bild 23 von 47 Im Norden sind sowohl Somaliland als auch Puntland quasi autonom. Im Süden üben Warlords und islamistische Milizen die Herrschaft aus.Bild 24 von 47 2007 brachen erneut schwere Kämpfe aus, vor allem in der Hauptstadt Mogadischu.Bild 25 von 47 Das führte zu einer Massenflucht. Innerhalb weniger Monate flohen Hunderttausende aus Mogadischu, insgesamt wird die Zahl der Flüchtlinge auf über eine Million geschätzt.Bild 26 von 47 Die islamistischen Milizen rücken aus dem von ihnen kontrollierten Süden immer weiter auf die Hauptstadt Mogadischu vor..Bild 27 von 47 Die Übergangsregierung hat den Milizen keine ebenbürtigen Kräfte entgegenzusetzen. Nur durch die Unterstützung Äthiopiens kann sie Teile des Landes halten. Auch Friedenstruppen der Afrikanischen Union sind vor Ort.Bild 28 von 47 Die Auseinandersetzungen werden mit brutaler Härte geführt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beklagt auf beiden Seiten Kriegsverbrechen. Für die Menschen in Somalia gibt es keinerlei Schutz vor den Wirren der Kämpfe. Es gibt keine effektive Polizei ...Bild 29 von 47 ... und auch eine zentrale Gerichtsbarkeit existiert nicht. Stattdessen übernehmen lokale traditionelle Körperschaften oder islamische Gerichte die Rechtsprechung.Bild 30 von 47 Die Infrastruktur in Somalia ist wegen fehlender staatlicher Investitionen in einem katastrophalen Zustand.Bild 31 von 47 Es gibt kaum fließend Wasser, selbst in den Städten müssen die Menschen weite Wege auf sich nehmen, um sich mit Wasser zu versorgen.Bild 32 von 47 Gesicherte wirtschaftliche Zahlen sind aufgrund der chaotischen Verhältnisse kaum zu erheben. Grundlage der rudimentär entwickelten Wirtschaft ist die Viehhaltung. Ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.Bild 33 von 47 Die Trockenheit des Jahres 2007 führte jedoch zur schlechtesten Ernte seit 13 Jahren.Bild 34 von 47 Einzig Wechselgeschäfte und die Kommunikationsbranche sind wegen der wachsenden somalischen Diaspora relativ gut entwickelt. Ein Großteil der Somalier überlebt nur aufgrund regelmäßiger Zahlungen durch Verwandte aus dem Ausland.Bild 35 von 47 Die Vereinten Nationen warnen vor einer "humanitären Katastrophe" in Somalia. Besonders die Flüchtlinge befinden sich in einer elenden Lage.Bild 36 von 47 Somalia weist eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten der ganzen Welt auf. Ein Zehntel aller Kinder erreicht nicht einmal das Alter von fünf Jahren.Bild 37 von 47 Viele Somali sind abhängig von humanitärer Hilfe aus dem Ausland.Bild 38 von 47 Doch die Hilfeleistungen nach Somalia sind völlig unzureichend. Nur etwa 200 Millionen Dollar flossen im Jahr 2007 in das Land.Bild 39 von 47 Nicht immer erreicht die Hilfe überhaupt ihren Bestimmungsort. Auch Schiffe mit Hilfsleistungen sind vor den Piraten nicht sicher.Bild 40 von 47 Für die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen gelten scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Trotzdem sterben immer wieder Helfer im Einsatz. Hier besucht UN-Koordinator Laroche in einer schusssicheren Weste ein Flüchtlingslager.Bild 41 von 47 Die faire Verteilung der Hilfsgüter wird zusätzlich durch die grassierende Korruption behindert.Bild 42 von 47 2008 belegt Somalia den schlechtesten Wert auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International. Der Teufelskreis aus Armut, versagendem Rechtssystem und Bestechung verschlimmert die Not der Somali.Bild 43 von 47 „In den ärmsten Ländern kann das Ausmaß von Korruption den Ausschlag über Leben oder Tod geben, wenn es um Geld für sauberes Trinkwasser oder Krankenhäuser geht", sagt Huguette Labelle, die Vorsitzende von Transparency International.Bild 44 von 47 Solange es faktisch keinen funktionierenden somalischen Staat gibt, besteht keine Aussicht auf eine Verbesserung der Lage.Bild 45 von 47 Dies sieht auch der UN-Sondergesandte für Somalia, Ahmedou Ould-Abdallah, ähnlich. Er rief Regierungschef Hassan Hussein und Präsident Yusuf Ahmed (im Bild) erneut auf, an der Beendigung der Gewalt zu arbeiten.Bild 46 von 47 Erst dann kann endgültig die Piraterie vor Somalias Küste wirksam bekämpft werden.Bild 47 von 47