Politik

Neuer Lebensmittelskandal Schimmelgift in Fleisch und Milch

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Hoffentlich gut verdünnt: Gift in der Milch, Gefährdung trotzdem "unwahrscheinlich".

(Foto: picture alliance / dpa)

Fast im Wochentakt kommen Skandale um falsch deklarierte oder gar giftige Lebensmittel ans Licht. Dieses Mal sind Fleischkonsumenten und Milchtrinker betroffen: Hochgiftiges Tierfutter wurde auf mehr als 3500 Höfen an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert.

Deutschlandweit sind tausende Tonnen von verseuchtem Mais im Tierfutter gelandet. Der größte Teil des mit einem krebserregenden Schimmelpilz vergifteten Futters gelangte an mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen, wie das Agrarministerium in Hannover mitteilte. Es ist binnen weniger Wochen der dritte Lebensmittelskandal in Deutschland.

"Gefährdung unwahrscheinlich"

Schimmelpilz-Gift in serbischer Milch

Pilz-Gift in Milch bewegt schon seit Tagen die Menschen in Serbien. In der Milch mehrerer Marken hat ein unabhängiges Labor vergangene Woche erhöhte Aflatoxin-Werte festgestellt. Sie stammen von einem Schimmelpilz, der Mais befällt. Der Pilz hatte sich im Sommer 2012 in Serbien verbreitet, wie der serbische Agrarexperte Vladimir Pekic der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Die Regierung ließ zunächst die betroffenen Milch-Marken aus den Supermarktregalen nehmen. Am Donnerstag erhöhte sie dann die erlaubte Aflatoxin-Menge pro Liter Milch um das Zehnfache - von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm.

" Die Verfütterung belasteter Futtermittel an Tiere kann zu einem Risiko für die Sicherheit der erzeugten Lebensmittel führen", so das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Nach einer "ersten vorläufigen Einschätzung" sei eine Belastung beim Fleisch "oberhalb der geltenden Höchstgrenze" allerdings nicht zu erwarten.

"Schon geringe Höchstmengenüberschreitungen in Futtermitteln, die an Milchkühe verfüttert werden, können jedoch zu Höchstmengenüberschreitungen in der erzeugten Rohmilch führen", so das Ministerium, das zugleich erklärt, eine Gefährdung der Verbraucher könne "als unwahrscheinlich angenommen" werden, da die Rohmilch eines Hofes mit der Milch weiterer Erzeuger vermischt werde.

Futter kommt aus Serbien

Geringere Mengen des Futters mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 seien nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gegangen, teilte das niedersächsische Ministerium mit. In NRW gibt es nach Angaben der Behörden bereits 14 Verdachtsfälle. Insgesamt kamen 45.000 Tonnen verseuchten Maises aus Serbien. Davon kamen 10.000 Tonnen über niedersächsische Futtermittelhersteller in Umlauf.

Vor zwei Wochen war in Rindfleischprodukten europaweit Pferdefleisch entdeckt worden. Kurz darauf war bekanntgeworden, dass Millionen Eier als Freiland- und Bio-Eier verkauft worden sein sollen, obwohl die Produzenten die entsprechenden Richtlinien nicht einhielten.

Vieles noch unklar

Der Mais mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 wurde allein in Niedersachsen von 13 Herstellern zu Futter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet, so das Ministerium. Der zulässige Höchstwert von 0,02 Milligramm pro Kilo sei um mehr als das Zehnfache überschritten worden.

Die Behörden seien dabei, alle Lieferketten zu rekonstruieren und die nötigen Kontrollen anzugehen, sagte Landwirtschafts-Staatssekretär Udo Paschedag. Vieles sei ungeklärt. "Wann die letzte Fütterung war, können wir noch nicht sagen", sagte Paschedag.

Die 45.000 Tonnen Mais seien über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden. 10.000 Tonnen wurden in Brake, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen gelagert. Diese Bestände dürfen nicht mehr ausgeliefert werden.

Die Milch aller mit dem belasteten Futter belieferten Höfe soll dem Ministerium zufolge kontrolliert werden. Noch an diesem Freitag werde damit begonnen. Bislang sei nicht bekannt, ob die Milch in den Tanks der Molkereien zu hohe Giftmengen enthält. Dort werde die Milch, bevor sie zu handelsüblicher Konsummilch verarbeitet werde, gesammelt. Die Molkereien kontrollierten monatlich die sogenannten Stapeltanks.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa

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