Politik

Blutige Kämpfe im Jemen In Sanaa ruhen die Waffen

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Die jemenitischen Stammeskämpfer al-Ahmars stellten für die Truppen des Präsidenten ein unüberwindbares Hinderniss dar.

dpa

In Jemens Hauptstadt Sanaa beendet ein Waffenstillstand vorerst die blutigen Gefechte zwischen Regierungstruppen und Stammeskämpfern Derweil übernehmen Islamisten die Kontrolle in der Provinzhauptstadt Sindschibar - laut Opposition unter Mithilfe von Präsident Saleh.

Nach tagelangen schweren Kämpfen ist in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ein Waffenstillstand in Kraft getreten. Dabei kehrte vor allem im Wohnviertel Hasaba, in dem sich Regierungstruppen und aufständische Stammeskämpfer blutige Gefechte geliefert hatten, verhältnismäßige Ruhe ein. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira zogen sich die Milizen des Stammesführers Sadik al-Ahmar wieder aus den Regierungsgebäuden zurück, die sie im Laufe der Kämpfe erobert hatten.

Den Truppen des umstrittenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh hatten erfolglos versucht, die Residenz Al-Ahmars in Hasaba zu stürmen und den die Opposition unterstützenden Scheich außer Gefecht zu setzen. Bei den Kämpfen inmitten des Stadtgebietes sollen mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen sein, unter ihnen Soldaten, Stammeskämpfer und unbeteiligte Zivilisten.

Islamisten übernehmen Kontrolle

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Präsident Saleh wird von der Opposition beschuldigt, Sindschibar den Islamisten absichtlich überlassen zu haben.

(Foto: dpa)

Islamistische Milizen brachten indes die südliche Provinzhauptstadt Sindschibar unter ihre Kontrolle. Sie übernahmen den Sitz der Provinzregierung, das Polizeikommando und alle anderen zentralen Einrichtungen, berichtete Al-Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen. Zunächst war nicht klar, ob die Militanten dem örtlichen Al-Kaida-Ableger angehörten.

Das Oppositionsbündnis JMP behauptete jedenfalls in einer Erklärung, Saleh habe die Stadt den Islamisten bewusst in die Hände gespielt. Mit dem angeblichen Vormarsch des Al-Kaida-Ablegers wolle er dem Westen suggerieren, dass sein Verbleib an der Macht unerlässlich sei. Die Extremisten hätten Regierungsgebäude geplündert. Gegen sie kämpften nur noch einzelne Soldaten sowie Stammesvertreter.

Nicht nur jemenitische Oppositionelle, sondern auch Diplomaten haben Präsident Saleh vorgeworfen, die Bedrohung durch Al-Kaida in dem instabilen Land am Golf von Aden für sich nutzen zu wollen. Der Jemen grenzt an den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien und an eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Ölhandel.

Entwicklungshelfer vermisst

Seit Mitte Februar fordern Hunderttausende Jemeniten bei Straßendemonstrationen den Rücktritt des Langzeitpräsidenten Saleh. Immer wieder eröffneten Sicherheitskräfte und bewaffnete Saleh-Anhänger das Feuer auf die Protestierenden. Viele Menschen wurden getötet und verletzt. Vermittlungsbemühungen mit dem Ziel, Saleh zum Verzicht auf die Macht zu bewegen, sind bisher gescheitert.

Derweil werden im Jemen drei französische Entwicklungshelfer vermisst, bestätigte das französische Außenministerium. Die zwei Männer und eine Frau waren am Samstag in der östlichen Provinz Hadramaut unterwegs gewesen, sind aber nicht an ihrem Ziel angekommen. Sie sind für die Hilfsorganisation Triangle Génération Humanitaire tätig, die somalischen Flüchtlingen hilft. Ob es sich tatsächlich um eine Entführung handle, sei aber noch unklar.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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