Politik

Fahndung nach Walschützer Interpol sucht Paul Watson

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Screenshot der Interpol-Seite.

(Foto: n-tv.de)

Im Mai wird der Walschützer Paul Watson bei der Einreise nach Deutschland festgenommen, Ende Juli flieht er. Nun schreibt Interpol ihn zur Fahndung aus. Offiziell sucht die Polizeibehörde für Costa Rica nach Watson. Der Aktivist befürchtet jedoch, dass es eigentlich darum geht, ihn nach Japan zu schaffen. Dann würde er "nie mehr freikommen".

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat den aus Deutschland geflohenen Tierschützer Paul Watson zur Fahndung ausgeschrieben. Auf Antrag von Costa Rica forderte Interpol die Mitgliedstaaten auf, festzustellen, ob sie Watson festnehmen können, damit das mittelamerikanische Land dann die Auslieferung beantragen kann. Watson befürchtet allerdings, dass er tatsächlich an Japan ausgeliefert werden soll.

Interpol lässt Watson im Rahmen einer sogenannten "Red Notice" suchen. Die Polizeibehörde betont auf ihrer Internetseite, dass es sich dabei nicht um einen internationalen Haftbefehl handele. Jeder der 190 Mitgliedsstaaten von Interpol müsse mit Blick auf seine nationalen Gesetze selbst entscheiden, ob Watson festgenommen werden solle.

Festnahme im Mai, Flucht im Juli

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Pamela Anderson kam eigens nach Frankfurt, um Paul Watson zu unterstützen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Watson war am 13. Mai bei der Einreise nach Deutschland auf dem Frankfurter Flughafen überraschend festgenommen worden. Er wurde später zwar gegen eine Kaution von 250.000 Euro auf freien Fuß gesetzt, durfte Deutschland aber bis nicht verlassen und musste sich regelmäßig auf einem Frankfurter Polizeirevier melden. Unterstützung erhielt der Aktivist unter anderem von dem Grünen-Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit sowie von der Schauspielerin Pamela Anderson, die ihn im Juni in Frankfurt traf.

Grundlage der Festnahme war ein internationaler Haftbefehl aus Costa Rica. Später wurde bekannt, dass auch aus Japan ein Auslieferungsantrag vorlag. Ende Juli, kurz vor der Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt über eine Auslieferung nach Costa Rica setzte Watson sich aus Deutschland ab.

Costa Rica wirft Watson vor, in den Schiffsverkehr eingegriffen zu haben: 2002 soll er die Crew eines Schiffes vor der Küste von Guatemala bedroht haben. Nach Angaben von Sea Shepherd hatten die Aktivisten gegen das sogenannte Shark-Finning des costa-ricanischen Schiffs protestiert, bei dem lebenden Haien die Flossen abgetrennt werden. Dabei seien weder Menschen verletzt worden noch Sachschaden entstanden. Auch Japan wirft Watson Behinderung des Schiffsverkehrs vor. Dabei geht es um einen Fall aus dem Jahr 2010.

"Deutschland hat sich mit Japan verschworen"

Derzeit befindet sich Watson "an einem Ort auf diesem Planeten, an dem ich mich wohl fühle", wie er in einer "Nachricht an seine Unterstützer" schreibt, "ein sicherer Ort, der weit entfernt ist von den intriganten Ländern, die die Augen vor der Ausbeutung der Ozeane verschließen". Den deutschen Behörden wirft Watson darin vor, mit Japan über seine Auslieferung verhandelt zu haben. Nach seiner Darstellung beruhte seine Festnahme in Frankfurt nicht auf einer Interpol-Mitteilung, sondern auf einem einfachen Auslieferungsantrag von Costa Rica.

"Die deutsche Regierung hat mich sehr enttäuscht", so Watson. Für ihn sei offensichtlich, "dass sich die deutsche Regierung mit Japan und Costa Rica verschworen hat, um mich festzuhalten, damit ich den Japanern übergeben werden könnte". Und weiter: "Es ging hier nie wirklich um Costa Rica. Es ging die ganze Zeit um Japan." Er zeigte sich überzeugt, dass eine Inhaftierung in Japan "mit absoluter Sicherheit" dazu geführt hätte, "dass ich nie mehr freigekommen wäre".

Quelle: ntv.de, hvo/AFP/dpa