Politik

Brisanter IAEA-Bericht "Iran arbeitete an Atomwaffen"

31760216.jpg524494535829903765.jpg

Ahmadinedschad beim Besuch einer Ausstellung für Laser-Technologie in Teheran (Archivbild).

(Foto: dpa)

Die IAEA ist "ernsthaft besorgt" über das iranische Atomprogramm und hat "glaubwürdige" Informationen, wonach Teheran möglicherweise an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet. Das geht aus dem mit Spannung erwarteten Bericht der UN-Behörde zum iranischen Atomprogramm hervor.

Der Iran hat nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien zumindest bis zum vergangenen Jahr an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet. Der Behörde liege eine Reihe von Hinweisen vor, dass die Islamische Republik bis 2010 verschiedene Projekte und Experimente zur Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes durchführte, heißt es im neuesten Iran-Bericht der IAEA.

Das Papier enthält die bisher eindeutigsten Aussagen der IAEA zur Existenz eines Atomwaffenprogramms des Iran. "Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat", erklärt IAEA-Chef Yukia Amano darin. Dem Bericht zufolge könnte ein Teil der Arbeiten andauern.

Israel hat zunächst nicht offiziell auf den IAEA-Bericht reagiert. Mark Regev, ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, sagte, es werde keine "automatische Reaktion" geben. Israel müsse den Bericht erst studieren.

Der Bericht war diesmal mit besonderer Spannung erwartet worden. In israelischen Medienberichten war über einen möglichen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen spekuliert worden, sollte es neue Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm geben. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte sich am Dienstag aber bemüht, Sorgen vor einem unmittelbar bevorstehenden Krieg mit dem Iran zu zerstreuen. "Krieg ist kein Picknick", sagte Barak dem israelischen Rundfunk. "Wir wollen aber keinen Krieg. Wir wollen ein Picknick." Israel habe sich noch nicht für einen militärischen Einsatz entschieden.

Israel hofft auf harte Sanktionen

Barak äußerte sich vor der Veröffentlichung des IAEA-Berichts. "Ich denke, dass es ein sehr schlimmer Bericht wird, und uns überrascht das nicht, wir kennen die Fakten", sagte er. "Der Iran strebt auf raffinierte Weise weiter nach nuklearen Waffen und führt die Welt an der Nase herum, dies ist die Quintessenz des Berichts."

Dies sei eine Gelegenheit, "tödliche internationale Sanktionen" gegen den Iran zu verhängen. Er meine damit etwa, dass man die Verbindungen zu der iranischen Zentralbank abbricht und die Ein- und Ausfuhr von Erdöl unterbindet. Er habe jedoch ernsthafte Zweifel daran, dass die internationale Gemeinschaft solche harten Sanktionen verhängen werde. "Ich bin nicht optimistisch, aber ich hoffe trotzdem, dass es geschehen wird."

Tatsächlich sind härtere Sanktionen der Vereinten Nationen, die sich zum Beispiel gegen Irans Öl- und Gasindustrie richten könnten, nicht zu erwarten. Grund ist die ablehnende Haltung der Vetomächte Russland und China. Es sind aber Strafmaßnahmen der USA und der EU denkbar.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP