Politik

Erfolgreiche Internet-Kampagne Irans Ayatollah weit vorn

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Chamenei zeigt sich fortschrittlich, zumindest bei den Neuen Medien.

(Foto: dpa)

Das Ergebnis einer israelischen Studie dürfte so manchen überraschen: So zeigt sich das "Oberhaupt der Islamischen Revolution" im Internet äußerst progressiv. Seine Webseite lockt täglich zahlreiche Besucher aus aller Welt an und Google sieht einen "hoch qualitativen Inhalt". Dagegen interessieren sich deutlich weniger für die Seiten der meisten europäischen Politiker, schlecht steht es um Kanzlerin Merkel.

Das "geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution", Seine Exzellenz Ayatollah Sayed Ali Chamenei, ist im Internet der populärste nahöstliche Politiker. Das ergab zumindest eine Studie der israelischen "Profile Group", spezialisiert auf Internet-Kampagnen. Die "Qualität" der Homepages nahöstlicher Politiker wurde anhand der Besucherzahlen und Verlinkungen gemessen. Weil der iranische Ayatollah auf der Seite Grand Ayatollah Sayyid Ali Chamenei sehr aktiv ist, lockt er viele Treffer der Suchmaschinen an. Die Homepage liegt in vielen Sprachen vor, darunter auf Deutsch, Swahili, und Hausa. Die Seiten enthalten hasserfüllte Sprüche wie "Die USA sind der Großterrorist der Welt" oder: "Die Feinde, insbesondere die USA und ihre Handlanger und das zionistische Regime, sollten wissen, dass ... jeder Übergriff und sogar schon eine Bedrohung mit voller Macht so erwidert wird, dass die Aggressoren von innen heraus dem Zerfall anheimfallen." Gleichwohl errechnet der Algorithmus der Suchmaschine Google bei Chamenai einen "hoch qualitativen Inhalt". Dekel Shurur, Leiter der "Profile-Group", erklärt, dass da gezielt ständig neue oder abgewandelte Texte eingestellt würden, was die Trefferzahl automatisch erhöht.

Im Vergleich dazu liegt die Webseite des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu nur auf Hebräisch, Englisch und Russisch vor und wird nur von Israelis besucht. Netanjahus Twitter ist veraltet. Die letzte Meldung verkündet die "bevorstehende Freilassung des Soldaten Gilad Schalit". Das ist schon vor über einem Monat passiert. Seine Fangemeinde bei Linkedin hat ganze 200 Mitglieder und sein Kanal bei Youtube wurde seit April 2010 nicht mehr aktualisiert. Bei Facebook hat Netanjahu 150.000 "Freunde", weniger als fast jeder andere nahöstliche Politiker. Der britische Premier David Cameroon hat übrigens ebenso viele Anhänger, doch Bundeskanzlerin Merkel kann mit 116.000 Fans nicht einmal Netanjahu das Wasser reichen, während Österreichs Kanzler Werner Faymann mit 4909 noch weniger "Freunde" hat, als das nahöstliche Schlusslicht, Präsident Mahmoud Abbas, mit 7.800 Fans. Die Webseite Abbas erhält in Nahost die schlechtesten Noten, obgleich sie ständig mit Neuigkeiten gefüttert wird.

Rania, Königin von Jordanien, spricht mit Jugendlichen über Fußball. Fußball? Ja, sie gehört zu den Mitbegründern der 1Goal-Kampagne, einer Intiative, die zusammen mit der FIFA Schülern in Afrika und im Mittleren Osten eine bessere Ausbildung ermöglichen möchte.

Rania, Königin von Jordanien, hält Schritt mit der Zeit.

(Foto: AP)

Das Königreich Jordanien schlägt nicht nur Netanjahu mit der attraktiven Königin Rania. Auf ihrer Seite erweist sich die Gattin des Königs Abdullah als erfolgreiche Webnutzerin mit 1,7 Millionen Anhängern bei Twitter und über 800.000 Fans bei Facebook unter "Queenrania". Bei Youtube wurden ihre Videos schon 1,6 Millionen mal angeschaut. König Abdullah hat 240.000 Freunde bei Facebook, 100.000 mehr als der israelische Premier.

Völlig abwesend ist der syrische Präsident Baschar Assad. Er hat nicht einmal eine eigene Webseite. Spärliche persönliche Daten über ihn findet man bei der syrischen Baath-Partei. Deren englische Version ist allerdings noch als "Baustelle" ausgeschildert.

Schlechte Werte für Europäer

Auf Anfrage hatte Dekel Sharur auch die Werte europäischer Politiker geprüft. Russlands Präsident Medwedew hingegen genießt bei Internetsurfern aus aller Welt höchste Popularität, mit ähnlichen Werten wie Irans Ayatollah Chamenai.

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Hat ihr Handy im Griff, das Internet noch nicht ganz so: Angela Merkel.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit großem Abstand folgen die britische Queen, Nicolas Sarkozy und David Cameroon, für den sich nur Briten interessieren. Schlecht steht es um Angela Merkel. Ihre Seite wird nur von Deutschen angesteuert. Auch im Vergleich mit nahöstlichen Führern schneidet Merkel schlecht ab, ist aber populärer als Netanjahu und Abbas. Bei Facebook hat Merkel 116.000 Fans, Sarkozy 406.000 und die britische Queen immerhin 507.000. Diese drei Europäer erreichen aber nicht einmal zusammen genommen die Werte des jordanischen Königspaares.

Die nahöstlichen Führer müssen sich laut Dekel Sharur infolge des "arabischen Frühlings" intensiver mit den Sozialnetzen im Internet auseinander setzen "um relevant zu bleiben". Die europäischen Regierungen glauben offenbar, mit traditionellen Medien wie CNN und BBC ihre Ansichten in der Welt verbreiten zu können und vernachlässigen deshalb das Internet.

Obama "gefällt"

Die weltweit populärste aller Politiker-Homepages ist die von US-Präsident Barack Obama. 24 Millionen Surfern "gefällt" dies offenbar.

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Obama hat Millionen Internet-Freunde.

Sharur war Journalist und hat sich auf Internetkampagnen für amerikanische und europäische Firmen spezialisiert. Dabei ermittelt und analysiert er unter anderem Webseiten und deren Zugriffe. "Zu meinem Erstaunen hat noch niemand diese Methode angewandt, um die Popularität von Politikern im weltweiten Netz zu ermitteln", so Sharur.

Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm.

Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.

Quelle: n-tv.de