Politik

Überzeugendes "Ja" Iren wollen neues Abtreibungsrecht

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Ein Plakat des "Yes"-Lagers mit dem Bild der 31-jährigen Savita Halappanavar, der trotz Komplikationen eine Abtreibung verweigert wurde und die an den Folgen ihrer Schwangerschaft starb.

(Foto: dpa)

Kehrtwende im erzkatholischen Irland: Laut einer ersten Prognose spricht sich eine komfortable Mehrheit der Iren für eine Erneuerung der strengen Abtreibungsgesetze aus. Insbesondere bei jungen Frauen ist die Zustimmung überwältigend.

Bei dem Referendum über ein Ende des strengen Abtreibungsverbots in Irland zeichnet sich eine große Mehrheit für eine Lockerung des strikten Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen ab. Dies ergab eine Nachwahlbefragung von 4000 Wählern im Auftrag der Zeitung "Irish Times". Demnach stimmten 69,4 Prozent der Befragten für eine Aufhebung des Abtreibungsverbots, 30,6 Prozent votierten dagegen.

Der Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos/MRBI zufolge stimmten 70 Prozent der Frauen für eine Lockerung, 30 Prozent sprachen sich dagegen aus. Bei den Männern stimmten demnach 65 Prozent mit "Ja" und 35 Prozent mit "Nein". Bei älteren Wählern überwog demnach die Ablehnung: Eine Mehrheit der Wähler über 65 Jahre stimmte gegen die Liberalisierung. Bei den 18- bis 24-Jährigen dagegen überwog dem Institut zufolge das "Ja" mit 84 Prozent.

Fast 3,2 Millionen Bürger waren aufgerufen, über den achten Zusatzartikel der Verfassung zu entscheiden, der Schwangerschaftsabbrüche strikt untersagt. Die Auszählung der Stimmen beginnt erst am Samstagmorgen, mit einem offiziellen Ergebnis wird nicht vor Samstagnachmittag gerechnet. In Umfragen hatten die Befürworter einer Lockerung zuletzt vorne gelegen, viele Stimmberechtigte waren aber noch unentschlossen. Sollte das Ergebnis der Nachwahlbefragung bestätigt werden, kann das Parlament neue Regeln für Schwangerschaftsabbrüche festlegen.

Verfassungszusatz fällt weg

Im katholisch geprägten Irland gilt bisher eines der strengsten Abtreibungsverbote in der Europäischen Union. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung ist in Irland ein Schwangerschaftsabbruch untersagt. Seit 2013 sind Abtreibungen erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Tausende irischer Frauen reisen dennoch jährlich nach Großbritannien und andere Länder, um Abtreibungen vornehmen zu lassen.

Die Regierung hat angekündigt, im Falle eines Siegs des Ja-Lagers Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zum sechsten Monat erlaubt sein. Grundlage für das strikte Verbot war ein Verfassungszusatz von 1983. Demnach waren ungeborene Kinder genauso in ihrem Recht auf Leben geschützt wie ihre Mütter. Dieser Artikel fällt nun weg.

Im irischen Parlament gibt es eine Mehrheit für das Ende des Abtreibungsverbots. Auch Ministerpräsident Leo Varadkar ist dafür. Die Kampagne wurde sehr emotional geführt. Anders als vor dem Referendum 1983 hielt sich die katholische Kirche diesmal jedoch zurück - mehrere Skandale um Kindesmissbrauch hatten den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution zuletzt schwinden lassen.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP/dpa

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