Politik

Raketenbeschuss aus Gaza Israel nimmt Luftangriffe wieder auf

Drei Tage schweigen im Gazastreifen und in Israel die Waffen. Doch die Feuerpause wird nicht verlängert. Etliche palästinensische Raketen schlagen in Israel ein. Premier Netanjahu kündigt eine harte Reaktion an. Tausende Menschen fliehen bereits.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine "kraftvolle" Reaktion auf den erneuten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen angeordnet. Die Streitkräfte seien angewiesen worden, hart auf den Bruch der Waffenruhe durch die Hamas zu reagieren, erklärte ein Regierungsvertreter. Die Armee beschoss nach eigenen Angaben mehrere "Terror-Ziele" im Gazastreifen.

Tausende Palästinenser verließen östlich der Stadt Gaza aus Angst vor neuen Luftschlägen ihre Häuser, in die sie aufgrund der Feuerpause zurückgekehrt waren. Nach palästinensischen Angaben wurde im Gazastreifen ein zehnjähriges Kind getötet. Sieben weitere Personen wurden verletzt.

Zuvor waren, nach dem Ende einer dreitägigen Waffenruhe, nach israelischen Armeeangaben mehrere Raketen auf Israel abgefeuert worden. Eine davon sei über Aschkelon abgefangen worden, weitere hätten offenes Gelände getroffen, hieß es. Auch vor Ablauf der Feuerpause sollen Raketen aus dem Gazastreifen im Süden Israels eingeschlagen sein. "Die Terroristen haben die Waffenruhe gebrochen", hieß es. Die Hamas bestreitet dies. Ein Sprecher schrieb in einer Mitteilung, die israelischen Berichten sollten nur "Verwirrung stiften".

Die radikalislamische Hamas hatte verkündet, dass sie die bis Freitagmorgen verabredete Feuerpause nicht verlängern werde. Das teilten zwei ranghohe Vertreter der Organisation in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mit, wo indirekte Verhandlungen mit Israel über eine dauerhafte Waffenruhe liefen. "Wir lehnen es ab, die Waffenruhe zu verlängern, das ist eine endgültige Entscheidung, Israel hat nichts vorgeschlagen", sagte ein Hamas-Mitglied. Israel habe nicht eingewilligt, die Blockade des Gazastreifens zu beenden. Ein führendes Mitglied der Gruppe Islamischer Dschihad bestätigte die Entscheidung.

Allerdings will die Hamas weiter indirekt mit Israel verhandeln. Es sei noch keine Einigung auf eine weitere Feuerpause erzielt worden, sagte ein Hamas-Sprecher. "Aber die Verhandlungen gehen weiter." Israel setzte die Verhandlungen dagegen aus. Ein israelischer Regierungsbeamter sagte: "Israel führt keine Verhandlungen unter Feuer."

Israel zu Waffenruhe bereit

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Eine palästinensische Fahne weht in einem zerstörten Haus in Schudschaijja, einem Stadtteil von Gaza Stadt, der besonders heftig von israelischen Luftangriffen betroffen war.

(Foto: AP)

Zuvor hatte der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas damit gedroht, im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen in Kairo die Angriffe auf Israel wieder aufzunehmen. "Wir rufen die palästinensische Delegation auf, keinen Waffenstillstand zu akzeptieren, falls die Forderungen unseres Volkes nicht erfüllt werden", sagte ein Sprecher der Essedin-al-Kassam-Brigaden in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung.

Zu den Forderungen gehören ein Ende der Blockade des Gazastreifens und die Freilassung von Gefangenen. Israel hatte sich am Mittwochabend zu einer bedingungslosen Verlängerung der Waffenruhe bereit erklärt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beklagte derweil eine verzerrte Wahrnehmung des Gazakonflikts in Deutschland und anderen europäischen Ländern. "Ich weiß, was viele Menschen in Deutschland sagen. Da gibt es viele, viele Tote in Gaza, aber sie sehen nicht die 3500 Raketen, die auf israelisches Gebiet gefeuert werden und Zivilisten töteten", sagte der Premier dem ZDF.

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Ein israelischer Soldat schläft an der Grenze zum Gazastreifen. Vor drei Tagen hatten die Truppen den Küstenstreifen geräumt.

(Foto: REUTERS)

In einem Gespräch mit dem US-Sender Fox News betonte der Regierungschef, die Angriffe Israels richteten sich nicht gegen die Bevölkerung im Gazastreifen. "Wir wollen den Leuten im Gazastreifen helfen, die unter der Tyrannei (der Hamas) leiden".

Bei den vierwöchigen Kämpfen im Gazastreifen waren fast 1900 Palästinenser - der Großteil davon Zivilisten - getötet worden. Hinzu kamen fast 10.000 Verletzte. Auf israelischer Seite starben 67 Menschen, darunter drei Zivilisten, mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, wies erneut auf den massiv wachsenden Antisemitismus im Zuge der Gaza-Krise hin. "Das sind die schlimmsten Zeiten seit der Nazi-Ära", sagte er der dem "Guardian". "Auf den Straßen hört man Dinge wie "die Juden sollten vergast werden", "die Juden sollten verbrannt werden" - das hat es in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben." Dies sei keine Kritik an der israelischen Politik, sondern purer Hass gegen Juden. Das sei aber nicht allein ein deutsches Phänomen.

Ehemaliger Sprecher hingerichtet

Unterdessen wurde der ehemalige Hamas-Sprecher Aiman Taha nach palästinensischen Medienberichten wegen Spionage und Korruption von seiner eigenen Organisation hingerichtet. Taha, der für die Hamas immer wieder wichtige Missionen in Ägypten übernommen hatte, war im Februar dieses Jahres verhaftet worden. Damals waren nur Korruptionsvorwürfe erhoben worden. Taha war ein Sohn des Hamas-Mitbegründers Mohammed Taha.

Tahas Leiche sei am Donnerstag in das Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza gebracht worden, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Wie die palästinensische Tageszeitung "Al-Quds" schrieb, war er drei Tage zuvor von einem Hinrichtungskommando der Hamas erschossen worden. Er sei wegen Korruption und "Spionage für ein arabisches Land" zum Tod verurteilt worden.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete dagegen, die Hamas habe bekanntgegeben, Taha sei am Donnerstag tot in Gaza gefunden worden, nachdem seine Wohnung bombardiert worden sei.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa