Politik

Wie geht es nach Trump weiter? Jetzt droht den Republikanern die Spaltung

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Sein Schatten wird bleiben.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Republikaner haben sich US-Präsident Trump bis hin zur Selbstverleugnung hingegeben. Doch der Sturm auf das Kapitol war ein Wendepunkt. Viele wollen Trump nun loswerden. Spaltet sich die Partei jetzt?

Wenn US-Präsident Donald Trump am 20. Januar aus dem Amt scheidet, atmen nicht nur die Demokraten auf - auch ein paar Republikaner dürften erleichtert sein. Hinter der Fassade der Trump-Huldigungen verbarg sich immer viel Opportunismus und Taktiererei. Trump war nun einmal an der republikanischen Basis beliebt wie kein anderer, also spielten viele Republikaner mit. Dass der Mann im Weißen Haus den Aufgaben nicht gewachsen war, wussten die meisten. Doch man redete sich die Lage schön, sagte: So ist er eben. Oder: Lasst Trump Trump sein. So schlimm wird es schon nicht werden. Bis es gar nicht mehr ging. Bis zum 6. Januar.

Dieser Tag, an dem Trump-Fans das Kapitol stürmten, war ein Wendepunkt im Verhältnis der Republikaner zu Trump. Dass der nicht früher erreicht war, nicht einmal nach der Wahlniederlage am 3. November und Trumps Betrugsphantasien, ist zu recht vielfach beklagt worden. Aber viele Republikaner dachten sich eben: Jetzt noch drei Monate still halten, dann ist es vorbei. Mit der Randale im Allerheiligsten der Demokratie war endgültig klar, dass das Wunschdenken war.

Reihenweise gehen Republikaner nun doch auf Distanz, darunter prominente Senatoren wie Mitch McConnell und Lindsey Graham, Vizepräsident Mike Pence und mehrere Minister. Bei der Abstimmung über das Amtsenthebungsverfahren stimmten sogar einige Republikaner mit den Demokraten - unvorstellbar bei der ersten Abstimmung dieser Art Ende 2019. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Trump bei seinen Fans noch immer große Zustimmung genießt. Laut einer Yougov-Umfrage fanden 45 Prozent der republikanischen Wähler den Sturm auf das Kapitol nachvollziehbar. Nur 28 Prozent fanden, dass Trump Schuld daran ist.

Trump wird noch Macht haben

Es gibt nun also zwei große Gruppen: diejenigen, die Trump loswerden wollen, und diejenigen, die ihn immer noch großartig finden. Deckungsgleich waren Trumpisten und traditionelle Republikaner noch nie. Nun zerren sie jedoch so sehr an der Partei, dass es diese zerreißen könnte. Eine Spaltung droht vor allem dann, wenn Trump weiter darauf besteht, die Partei zu führen.

Auch wenn Trump sich ins Abseits stellte, ein Machtfaktor kann er allemal bleiben. Er könnte die Republikaner selbst dann noch in Schach halten, wenn er nach dem Impeachment-Verfahren von weiteren Wahlen ausgeschlossen werden sollte. Denn für seine Fans bleibt sein Wort Gesetz. Dadurch kann er Einfluss darauf nehmen, wer für die Partei bei Wahlen antreten soll. Bekommt ein Kandidat nicht von ihm den Daumen nach oben, wird dieser auf die Stimmen der Trump-Fans verzichten müssen.

Die große Frage dabei ist, wie viele Fans Trump künftig noch haben wird. Selbst nach dem Kapitolsturm erntet er zwar viel Zustimmung, doch es ist etwas in Bewegung geraten. Kongressabgeordnete kennen ihre Wähler. Wenn sie sich von Trump abwenden, heißt das auch, dass sie glauben, auch ohne seinen Segen Wahlen gewinnen zu können. Außerdem verliert er mit der Präsidentschaft die größtmögliche Bühne und mit seinem Twitter-Konto sein "Megafon". Dass er sich künftig zahlreicher Klagen und Ermittlungsverfahren erwehren muss, wird ihm auch nicht helfen.

Seine Wähler werden bleiben

Doch so oder so wird da, wenn auch regional unterschiedlich, eine große Trump-Fraktion in der Wählerschaft bleiben. Wenn Trump politisch aktiv bleibt, weiter "die Flammen des Hasses anfacht", wie der künftige Präsident Joe Biden sagt, dann werden die Republikaner ständig gezwungen sein, Stellung zu beziehen. Für Trump gibt es nur schwarz und weiß - wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. So könnte er einen Keil in die Partei treiben: auf der einen Seite die hörigen Gefolgsleute, auf der anderen die traditionelleren Konservativen und Republikaner, die keine Lust auf Diktatur und Personenkult haben.

Zieht Trump sich zurück, gäbe es dagegen eine Chance, eine Spaltung zu verhindern. Es gäbe Zeit für Abkühlung, man könnte gemeinsam Opposition gegen die Demokraten machen, das verbindet. Die Wunden könnten heilen. Neue Köpfe bekämen eine Chance.

Die Partei von früher werden die Republikaner trotzdem nicht werden. Das populistische und nationalistische Element wird bleiben. Es könnte eine Art "Trumpismus ohne Trump" geben, also möglichst ohne Hass, Inkompetenz und Lügen - und mit Härte gegen China und Iran, "America First" und restriktiver Einwanderungspolitik. Doch es ist offen, ob das gelingt. Ein Tweet von Senator Lindsey Graham von 2016, als Trump noch nicht der Kandidat war, klingt plötzlich wieder aktuell. Er schrieb: "Wenn wir Trump nominieren, werden wir zerstört werden … und wir werden es verdient haben."

Quelle: ntv.de