Politik

Zwischenruf Keine Freunde, nur Interessen

merkelphone3.jpg

Die Stimmung zwischen Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama sah schon einmal rosiger aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwischen Staaten gibt es keine Freundschaft, sondern nur Interessen. Diesen Satz scheint nun auch Bundeskanzlerin Merkel zu begreifen. Präsident Obama behandelt sie wie eine Statthalterin von seinen Gnaden. Wer sich's gefallen lässt, ist selber schuld.

Das Wort, mit dem die Bespitzelung der Bundeskanzlerin durch den US- Geheimdienst beschrieben werden könnte, ist noch nicht erfunden. Doch nicht allein die Regierungschefin eines Freundes und Verbündeten wird von Behörden des angeblich mächtigsten Mannes der Welt überwacht. Auch mehrere Staatschefs von Mexiko, die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und möglicherweise auch ihr französischer Kollege François Hollande waren, respektive sind, Opfer der Institutionen einer Administration geworden, für die nichts, aber auch nichts anderes gilt als das eigene Interesse. Das Völkerrecht wird, wenn's in den Kram passt, mit Füßen getreten. Einmal mehr bewahrheitet sich das machiavellische Wort von Charles de Gaulle, dass es zwischen Staaten keine Freundschaft, sondern nur Interessen gibt.

Der nahezu weltweit als Hoffnungsträger gehandelte Friedensnobelpreisträger Barack Obama agiert wie ein gehetztes Tier. Er und die Seinen misstrauen allem und jedem und wehren sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Wer hätte das gedacht: Ein Land, das aus eigener Kraft die Fesseln der Kolonialherrschaft abgestreift hat, dem die Große Revolution der Franzosen eine Kopie ihrer Freiheitsstatue schenkte und das die Welt vom Faschismus befreien half. Eine welke Supermacht, die am finanziellen Tropf der chinesischen Kommunisten hängt.

Doch während sich andere internationale Spitzenpolitiker umgehend gegen das Abhören Made in U.S.A. verwahrten, hielt die Bundeskanzlerin still. Dabei hätte ihr im Wahlkampf ein keckes Wort in Richtung Washington doch gut zu Gesicht gestanden. Stattdessen Lachnummern wie der Demutsbesuch von Innenminister Hans-Peter Friedrich in der US-Hauptstadt und die Basta!-Erklärung von Kanzleramtschef Ronald Pofalla daheim. Deutschland hat sich behandeln lassen wie ein Satrap. Auf die nächste gegenseitige Freundschaftsbezeugung darf man gespannt sein.

Bleskin 2.jpg

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Manfred Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: ntv.de