Politik

Auf rote Blumen gebettet Kim Jong Il in Glassarg aufgebahrt

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Der Diktator liegt in seiner Lieblingsuniform im Sarg.

(Foto: AP)

Nordkoreas verstorbener Machthaber Kim Jong Il liegt nun in einem gläsernen Sarg in der Hauptstadt Pjöngjang. Die Regierungen Nicaraguas und Kubas bedauern Kims Tod zutiefst. Kuba ordnet eine dreitägige Staatstrauer an. Auch Südkorea übermittelt dem Norden sein Beileid - und hofft zugleich auf eine Kooperation. Die IAEA möchte wieder Inspektoren in das Land schicken.

Nordkoreas verstorbener ist in einem Glassarg in Pjöngjang aufgebahrt. Das Staatsfernsehen zeigte Standbilder des langjährigen Diktators, der in seiner khakifarbenen Uniform im Kumsusan-Palast zu sehen ist. Um den Sarg herum versammelte sich sein Sohn und Nachfolger Kim Jung Un mit Parteifunktionären. Im Kumsusan-Palast ist auch schon Staatsgründer Kim Il-sung in einem Glassarg zu sehen, den Körper mit der Flagge der Partei der Arbeit Koreas bedeckt. Im Nordkorea wehen die Fahnen auf Halbmast.

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Nordkorea verordnet Staatstrauer.

(Foto: dpa)

Die südkoreanische Regierung sprach indes dem nordkoreanischen Volk nach dem plötzlichen ihr Beileid aus. "Die Regierung übermittelt dem nordkoreanischen Volk ihr Beileid", sagte der Minister für Wiedervereinigung, Yu Woo Ik. Er hoffe, dass Nordkorea so schnell wie möglich zur Stabilität zurückfinde, "damit der Norden und der Süden im Einsatz für Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel kooperieren können", fügte er hinzu.

Den Angaben des Ministers zufolge wird keine offizielle Regierungsdelegation aus Seoul zur Beisetzung des verstorbenen Staatschef entsandt. Einzig die Familien des früheren und mittlerweile verstorbenen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und des ehemaligen Hyundai-Chefs Chung Mong Hun würden zu dem Begräbnis reisen, das am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden soll. Kim Dae Jung hatte 2000 mit Kim Jong Il den ersten Nord-Süd-Gipfel abgehalten. Hyundai wiederum steht für Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Die Regierungen Nicaraguas und Kubas bedauerten Kims Tod zutiefst. "Wir beten für die Kontinuität des Prozesses, den das nordkoreanische Volk erlebt", erklärte Regierungssprecherin und Präsidentengattin Rosario Murillo im Namen von Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega. Dieser Prozess sei gekennzeichnet durch "den Aufbau von mehr Frieden und mehr Wohlstand für alle Familien" Nordkoreas, hieß es weiter. Der einstige Revolutionsführer und Chef der Sandinistischen Front (FSLN) Ortega pflegte bereits während seiner ersten Regierung in den 1980er Jahren enge Kontakte zu Kim Jong Ils Vater Kim Il Sung.

In Kuba ordnete die sozialistische Führung wegen des Todes von Kim Jong Il eine dreitägige Staatstrauer an. An öffentlichen und militärischen Gebäuden würden Flaggen in dieser Zeit auf halbmast gesetzt, hieß es.

Nordkorea ruft Einheiten zurück

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Eine Militärparade in Pjöngjang im Oktober letzten Jahres.

(Foto: dpa)

Die nordkoreanische Armee rief unterdessen mehrere Einheiten von jährlichen Winterübungen wieder in die Kasernen zurück. Einige nordkoreanische Einheiten seien inmitten ihrer Übungen zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Militärkreise. "Alle militärischen Einheiten haben zudem die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt."

Es gebe jedoch bislang keine ungewöhnlichen Bewegungen oder Anzeichen von Provokationen auf der Seite Nordkoreas, hieß es. Die meisten nordkoreanischen Stützpunkte entlang der Grenze zu Südkorea hätten nach Kims Tod die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Ähnliche Sicherheitsmaßnahmen habe das kommunistische Nachbarland auch nach dem Tod von Kims Vater und früheren Staatschef, Kim Il Sung, im Juli 1994 getroffen.

Nordkoreas Staatsmedien hatten am Montag mit zweitägiger Verspätung den Tod Kim Jong Ils vermeldet. Kim, der seit Langem als gesundheitlich angeschlagen gegolten hatte, war danach am Samstag während einer Bahnreise an Herzversagen gestorben. Er war nach offiziellen Angaben 69 Jahre alt. Die Streitkräfte und die Bevölkerung hätten ihre Treue zum jüngsten Sohn Kims, Nordkorea bleibt unberechenbar , geschworen, hatte es geheißen. Kim Jong Il hatte seinen Sohn in den vergangenen Jahre schrittweise auf die Nachfolge in dritter Generation vorbereitet. Der Sohn soll Ende Zwanzig sein.

Obama berät sich mit Noda

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Bilder aus einer anderen Welt: Bauern in Nordkorea.

(Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama und der japanische Regierungschef Yoshihiko Noda haben indes die Lage in Asien nach dem Tod Kims erörtert. Das berichtete die japanische Agentur Kyodo. Japan hatte am Vortag unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Kim den Sicherheitsrat einberufen. Regierungschef Noda wies am Montag das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

Die US-Regierung hat sich zunächst zurückhaltend zur Entwicklung in Nordkorea nach dem Tod von Staatsführer Kim Jong Il geäußert. Es sei zu früh, Kim Jong Un einzuschätzen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Er bekräftigte, dass die USA auch den künftigen Machthaber nicht an seinen Worten, sondern an seinen Taten messen werde. Das schließe auch die Frage eines Abbaus von Nuklearwaffen Nordkoreas ein. "Wir hoffen, dass die neue nordkoreanische Führung die Maßnahmen ergreifen wird, die für Frieden, Wohlstand und eine bessere Zukunft der Nordkoreaner erforderlich sind, unter anderem durch Erfüllung der Zusagen für atomare Abrüstung", erklärte Carney.

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Kim Jong Un wurde bereits zum Nachfolger erklärt.

(Foto: REUTERS)

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, in Nordkorea müsse es einen "stabilen und friedlichen Übergang" geben. Washington wünsche "verbesserte Beziehungen" zum nordkoreanischen Volk, fügte sie nach einer Unterredung mit dem japanischen Außenminister Koichiro Gemba hinzu. Am Montag habe es Kontakte zu anderen an den Sechser-Gesprächen zum nordkoreanischen Atomprogramm beteiligten Ländern gegeben. Nordkorea hatte die Gespräche mit den USA, Südkorea, Russland, Japan und China im April 2009 abgebrochen.

Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) will offenbar nun wieder Inspektoren in das Land entsenden. Der erneute Einsatz von UN-Kontrolleuren in der Atomanlage von Yonbyong sei eine wichtige Vorraussetzung für die atomare Abrüstung der koreanischen Halbinsel, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Der Tod des Diktators Kim vergrößerte die Sorgen um die Stabilität der Region. In den Jahren 2006 und 2009 schockierte das Land die Weltgemeinschaft mit zwei Atomtests. Bis heute ist unklar, ob das Militär im Besitz einer einsatzfähigen Kernwaffe ist.

Schärfere Repressalien befürchtet

Menschenrechtsorganisationen rechnen derweil mit einer Verschärfung der Repressionen gegen die Bevölkerung in dem kommunistischen Staat. Die Vorbereitung der Machtübergabe an Kims Sohn Kim Jong Un könne Anlass zu "hunderten Hinrichtungen" geben, sagte der Verantwortliche für Asien und den Pazifikraum bei Amnesty International, Sam Zarifi. Nach Amnesty-Informationen würden Kim Jong Un und seine Unterstützer versuchen, ihre neue Macht durch eine verstärkte Unterdrückung jeglicher Versuche von Opposition zu festigen, sagte Zarifi.

Der Vorsitzende der Organisation Human Rights Watch, Ken Roth, erinnerte an die brutalen Methoden des verstorbenen Machthabers. "Kim Jong Il wird in Erinnerung bleiben als brutaler Überwacher einer systematischen und massiven Unterdrückung, auch durch seinen Willen, sein Volk verhungern zu lassen." Die nordkoreanische Führung sei verantwortlich für Millionen Tote, sagte Roth. Die Menschen seien durch Hungersnöte, in Arbeitslagern oder durch Massenexekutionen getötet worden. Kim Jong Il habe sein Volk "die Hölle auf Erden" spüren lassen.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP/rts/dpa

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