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Junge Flüchtlinge oft depressiv Kinder berichten von Abschiebung

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Viele Kinder im Kosovo leben "am Rande der Gesellschaft" heißt es in der Studie von Unicef.

(Foto: REUTERS)

Für viele Flüchtlingskinder ist es "das schlimmste Erlebnis ihres Lebens" - die Abschiebung. Laut einer Studie von Unicef quälen 44 Prozent von ihnen Depressionen. Jedes dritte Kind leidet unter postraumatischen Belastungsstörungen.

Etliche EU-Staaten schieben immer wieder Flüchtlingskinder ab und nehmen dabei in Kauf, dass die jungen Menschen schwere Traumata erleben. Das ist das Ergebnis der Studie "Stilles Leid" vom UN-Kinderhilfswerk Unicef. Laut dem Bericht achtet auch die Bundesrepublik bei Abschiebungen "das Kindeswohl und die seelische Gesundheit von Kindern nicht ausreichend".

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Ein Schulbesuch ist im Kosovo nicht selbstverständlich für Kinder.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Für die Studie befragten Psychologen, Ärzte und Sozialwissenschaftler im Jahr 2010 insgesamt 164 Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern. Es handelte sich um Familien, die aus Deutschland und Österreich in das Kosovo abgeschoben wurden. Das Ergebnis: Die Hälfte der Kinder beschrieb ihre Abschiebung als "das schlimmste Erlebnis ihres Lebens". 44 Prozent litt unter Depressionen, knapp jeder dritte Minderjährige kämpfte mit posttraumatischen Belastungsstörungen und benötigte dringend psychiatrische Hilfe.

Als besonders traumatisch beschrieben die befragten Kinder und Jugendliche die meist nächtlichen Abschiebungen und die Angst davor . "Sie kamen nachts um ein oder zwei Uhr und klopften an die Tür", erzählte etwa ein Mädchen. "Das war die ständige Angst, die ich immer im Schlaf hatte".

Die meisten der Kinder erwarten laut dem Bericht ärmlichste Bedingungen in ihrer Heimt, ein Leben am Rand der Gesellschaft. Ein Schulbesuch etwa ist danach ein Luxus, den nur rund 30 Prozent der Minderjährigen genießen.

5000 bis 6000 Kinder abgeschoben

Angesichts der Ergebnisse der Studie sagte UNICEF-Vorstand Tom Koenigs: "Kein Kind darf zurückgeführt werden, wenn seine gute körperliche und seelische Entwicklung nicht sichergestellt ist".

In Deutschland suchten Anfang der 90-Jahre Millionen von Flüchtlingen Unterschlupf, die den Zehntausende gedenken Massaker und der Gewalt des Ex-Präsidenten Reaktionen auf Milosevics Tod entkommen wollten. Angesichts der dramatischen Lage auf dem Balkan duldete Deutschland sie Jahre lang. Doch nach dem Nato-Einsatz in der Region Ende der 90er-Jahre schob die Bundesrepublik Tausende Flüchtlinge wieder ab. Laut dem Unicef-Bericht waren darunter zwischen 5000 und 6000 Kinder – die Mehrzahl von ihnen kam in Deutschland zur Welt.

Quelle: n-tv.de, ieh/AFP

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