Politik

Holland protestiert gegen "duitse Tol" Klamauk-Video veralbert Maut-Pläne

Ausländer sollen bald für deutsche Straßen zahlen. Ein holländischer Auto-Club dreht den Spieß um: In einem Video müssen deutsche Urlauber in Holland blechen. Auch ernsthaft will sich das Land bald gegen die Diskriminierung wehren.

Was kostet ein Fischbrötchen in Holland? Nicht mehr als 2,30 Euro, sollte man meinen. Wenn man Holländer ist, stimmt das auch. Für Deutsche steigt der Preis auf 12,30 Euro - denn die müssen zehn Euro "Fisch-und-Snacks-Steuer" bezahlen.

Das klingt wie ein Scherz. Ist es auch. Der holländische Autoclub ANWB hat verdutzte deutsche Urlauber mit versteckter Kamera gefilmt, um gegen die Maut-Pläne von Verkehrsminister Alexander Dobrindt zu protestieren. Der will ab 2016 Ausländer für deutsche Straßen blechen lassen, Deutsche aber nicht. In dem Video macht der ANWB das Gegenexperiment: Wie reagieren deutsche Urlauber, wenn sie selbst gemolken werden - Holländer aber nicht?

Auch beim Parken rücken die Kontrolleure den Deutschen zu Leibe: "Hallo, Sie müssen Parkplatzsteuer extra zahlen". Zehn Euro Ulk-Gebühr sollen die Urlauber abdrücken. "Ausländer müssen mehr zahlen? Warum soll ich denn mehr zahlen als Holländer?", echauffiert sich ein deutscher Autofahrer. "Das sind die Regeln", erwidert der Kassierer. "Das ist Diskriminierung!", bricht die Empörung aus dem Urlauber heraus.

Und so geht es weiter. Ein Beamter kassiert deutsche Maut-Muffel sogar fürs Laufen auf der Strandpromenade ab – "und auch für das rote Shirt": "Ah, Sie sind deutsch? Es kostet zehn Euro, um von da nach hier zu wandern". Für eine Gruppe junger Mädchen kommt es knüppeldick: "500 Meter, sie sind zu fünft, das macht dann 48 Euro".

Holland bläst zum Angriff auf deutsche Maut

Mehr als 13.000 Mal ist das Video bereits geklickt worden. Der Klamauk könnte bald ernste Konsequenzen haben. Denn der ANBW wirbt mit dem Video für eine Online-Petition gegen die deutsche Maut, die dem EU-Parlament vorgelegt werden soll. Und auch Hollands Politiker machen schon Front gegen Dobrindts Maut-Pläne.

"Die Gebühr hat besonderes nachteilige Folgen für niederländische Autofahrer, vor allem im Grenzgebiet", sagte die niederländische Ministerin für Infrastruktur und Umwelt, Melanie Schultz van Haegen. Sie ist enttäuscht, dass Verkehrsminister Dobrindt nicht auf die bereits vor Wochen geäußerten niederländischen Bedenken Rücksicht genommen habe.

Die Ministerin will nun EU-Verkehrskommissar Siim Kallas prüfen lassen, ob die Maut-Pläne mit EU-Recht vereinbar sind. Und auch Nordrhein-Westfalens rot-grüne Landesregierung warnt vor Folgen der Maut für den Grenzverkehr mit Nachbarländern. "Als nächstes werden die Niederlande und Belgien Pläne für ihre Maut schmieden", sagte Verkehrsminister Michael Groschek (SPD).

Quelle: ntv.de

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