Politik

Obama und Merkel reisen nicht Letzte Ehre für Kaczynski

APTOPIX_Poland_President_Plane_Crash_FOS117.jpg1292599137486502409.jpg

(Foto: AP)

Die Bevölkerung Polens verabschiedet sich von ihrem Präsidenten Lech Kaczynski. Heute erweisen ihm etwa 80 Regierungschefs und Staatsoberhäupter bei einem umstrittenen Begräbnis auf dem Krakauer Wawel die Ehre - falls es die Vulkanaschewolke zulässt.

Das polnische Volk hat sich ein letztes Mal vor seinem Präsidenten Lech Kaczynski verneigt. Hunderttausende Menschen strömten ins Warschauer Zentrum, um der 96 Toten des Flugzeugabsturzes vor einer Woche in Russland zu gedenken. Premierminister Donald Tusk nannte das Unglück die größte Tragödie der polnischen Nachkriegsgeschichte.

Am Sonntag wollen zahlreiche ausländische Spitzenpolitiker und Staatsoberhäupter den Opfern die letzte Ehre erweisen. Allerdings macht die gefährliche Aschewolke eines isländischen Vulkans weite Teile des europäischen Luftraums unpassierbar. Die Flughäfen in Polen waren am Samstag geschlossen. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel sagten ihre Teilnahme aus Sicherheitsgründen ab.

Obama wollte unbedingt anreisen, der US-Präsident gab seine Pläne nach Angaben des polnischen Außenamtssprechers vom Abend aber ebenfalls auf. Bundeskanzlerin Merkel schlug sich per Auto und Bus quer durch Europa. Am Abend musste auch die Kanzlerin ihre Teilnahme an der Trauerfeier für Kaczynski absagen. Deutschland wird bei der Trauerfeier durch Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vertreten. Beide werden nach Angaben von Sprechern nach Krakau reisen. Beide werden möglicherweise per Hubschrauber fliegen.

"Es ist unmöglich, den Tod zu akzeptieren"

Bei den Feierlichkeiten standen Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw und Marta, die Tochter des verunglückten Präsidentenpaares, gefasst vor einer Bühne, auf der ein Altar aufgebaut war. Zu Beginn des Gottesdienstes wurden die Namen aller 96 Opfer der Katastrophe verlesen. Polen hatte bei dem Absturz Spitzenpolitiker, hohe Offiziere und führende Geistliche verloren.

Poland_President_Plane_Crash_FOS130.jpg6090404593680813184.jpg

Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw und Marta, die Tochter des verunglückten Präsidentenpaares.

(Foto: AP)

Die Spitzen des polnischen Staates rangen um Worte des Trostes für ihre Landsleute. Premierminister Donald Tusk nannte den Absturz der Präsidentenmaschine als die größte Tragödie der polnischen Nachkriegsgeschichte. "Es ist unmöglich, den Tod zu akzeptieren."

Parlamentschef Bronislaw Komorowski, das amtierende Staatsoberhaupt, appellierte an die Polen, in diesen schweren Stunden zusammenzustehen. "Nur selten gibt es Augenblicke in der Geschichte einer Nation, in denen wir wissen und fühlen, dass wir wirklich zusammenstehen", sagte er. "Die Katastrophe bei Smolensk war ein solcher Augenblick."

Sirenen erinnern an Absturz

Die Menschen strömten seit dem frühen Morgen durch die Straßen Warschaus zum Pilsudski-Platz. Viele der Trauernden trugen Blumen und die rot-weiße Nationalflagge, hielten Plakate mit einem Foto Kaczynskis in die Höhe. Ein Meer von Blumen umsäumte die Bühne. Hinter dem Altar, auf einer großen schwarzen Leinwand hingen die Fotos aller 96 Verunglückten. Bereits am Morgen, 8.56 Uhr, ertönten zwei Minuten lang die Glocken und Alarmsirenen in Polen - genau zu der Zeit, als die Maschine westlich von Moskau abgestürzt war.

2010-04-17T140238Z_01_WAR149_RTRMDNP_3_POLAND.JPG6141797830023184165.jpg

Portraits erinnern an die Opfer des Absturzes.

(Foto: REUTERS)

Noch immer sind nicht alle Todesopfer identifiziert. Die Untersuchungen am Unglücksort sind nahezu abgeschlossen. Die Präsidentenmaschine mit Kaczynski, seiner Frau Maria und 94 ranghohen Politikern, Militärs und Beamten an Bord war beim Landeanflug in Smolensk abgestürzt und in Flammen aufgegangen.

Die Delegation war auf dem Weg zu Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Hinrichtungen in Katyn. Der sowjetische Geheimdienst hatte damals 22.000 polnische Offiziere und andere Mitglieder der Führungselite rund um Katyn liquidiert.

Staatsbegräbnis in Krakau

Am späten Nachmittag wurden die Särge des Präsidentenpaares in die Johannes-Kathedrale in der Warschauer Altstadt gebracht. Beerdigt aber werden beide auf dem Burgberg Wawel in Krakau. Es ist eines der bedeutendsten nationalen Symbole Polens.

2qh33404.jpg6109773957459768641.jpg

(Foto: dpa)

Wie der Athener Hügel der Akropolis für Griechenland war der Wawel einst politisches und religiöses Zentrum des polnischen Reiches. Der Ort ist als letzte Ruhestätte für Kaczynski umstritten. Kritiker finden, dass der Präsident nicht neben Königen und Nationalhelden beerdigt werden sollte.

Zu dem Staatsakt für Kaczynski haben sich etwa 80 Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt angekündigt. Allerdings führte das Flugverbot über weiten Teilen Europas zu zahlreichen Absagen. Der Luftraum über Polen ist seit Freitag vollständig gesperrt.

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen