Politik
Gaddafis Statue als "Sieg über den Westen" steht jetzt als "Denkmal der Befreiung von der Gaddafi-Diktatur" in Misrata.
Gaddafis Statue als "Sieg über den Westen" steht jetzt als "Denkmal der Befreiung von der Gaddafi-Diktatur" in Misrata.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 23. Oktober 2011

Nach 42 Jahren Gaddafi-Herrschaft: Libyen erklärt sich für befreit

Drei Tage nach dem gewaltsamen Tod des ehemaligen libyschen Machthabers Gaddafi erklärt sich das Land von dessen Herrschaft befreit. Zehntausende versammeln sich zu dem Festakt im Zentrum der Stadt Bengasi, wo der Aufstand gegen Gaddafi vor acht Monaten seinen Anfang genommen hatte.

Auf den Straßen rund um den Festplatz in Bengasi wird gefeiert.
Auf den Straßen rund um den Festplatz in Bengasi wird gefeiert.(Foto: AP)

Drei Tage nach dem Tod von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi hat der Übergangsrat Libyen für befreit erklärt. Während eines Festaktes mit zehntausenden Menschen in Bengasi verkündete der Ratsvorsitzende, Mustafa Abdul Dschalil, offiziell den Sieg über das Gaddafi-Regime. Dschalil rief seine Landsleute zu Einheit, Versöhnung, Geduld und Toleranz auf. Außerdem versprach er Rechtsstaatlichkeit sowie die Einhaltung von Menschenrechten. Die Basis für das neue Libyen soll die islamische Rechtsprechung sein.

"Ihr seid frei, Libyer", rief der Vize-Chef des Übergangsrates, Abdulhafis Ghoga, in die begeisterte Menge. Der Ratsvorsitzende Dschalil dankte dann auch der NATO sowie der Europäischen Union für die Hilfe bei der Befreiung.

Scharia wird Grundlage für neue Gesetzgebung

Wie erwartet, kündigte Dschalil eine stärkere islamische Orientierung Libyens in der Zukunft an. "Bei uns ist das islamische Recht - die Scharia - die Grundlage der Rechtsordnung. Ein Gesetz, das dem islamischen Recht widerspricht, ist null und nichtig."

Diese Frau war mit ihrem Kind von Sirte nach Bengasi geflohen.
Diese Frau war mit ihrem Kind von Sirte nach Bengasi geflohen.(Foto: AP)

In diesem Sinne werde auch das geltende libysche Eherecht abgeschafft, dass die Zahl der Frauen für einen Muslim begrenze. Man werde auch islamische Banken gründen, die keine Zinsen verlangen, versprach Dschalil. Die Armee werde künftig nur noch zur Verteidigung des Landes eingesetzt. Angesichts der Differenzen zwischen Stämmen, politischen Gruppierungen, Milizen und Landesteilen warnte Dschalil vor einer Spaltung des Landes. "Wir sind alle Brüder geworden, was wir lange Zeit nicht waren."

Auf dem Festplatz in Bengasi, wo der Aufstand gegen Gaddafi vor acht Monaten begonnen hatte, schwenkten begeisterte Menschen Fahnen. Viele tanzten auf den Straßen, wie auf Fernsehbildern zu erkennen war.

Nun soll binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden. Diese solle dann bis Juni 2012 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung vorbereiten, kündigte Dschalil an. Dieses Gremium soll dann eine Verfassung ausarbeiten, auf deren Grundlage innerhalb eines Jahres ein Parlament und ein Präsident gewählt werden.

Gaddafis Sohn will weiterkämpfen

Sie wollen noch einen Blick auf den Körper des getöteten Diktators werfen.
Sie wollen noch einen Blick auf den Körper des getöteten Diktators werfen.(Foto: REUTERS)

Noch vor den Feiern wurde der Streit um die Leiche des Ex-Diktators vorerst beigelegt. Die Leichen Gaddafis und seines Sohnes Mutassim sollen nun an Angehörige übergeben werden, statt wie ursprünglich geplant an einem unbekannten Ort vergraben zu werden.

Der letzte noch in Libyen untergetauchte Gaddafi-Sohn will den Kampf fortsetzen. In einer kurzen Audiobotschaft beschimpfte Saif al-Islam außerdem die NATO, die zum Sturz des Regimes beigetragen hatte. "Geht zur Hölle, ihr Ratten und NATO", zitierte der arabische Nachrichtensender Al-Arabija den Lieblingssohn Gaddafis. Auch dessen Vater hatte die früheren Oppositionstruppen und heutigen neuen Machthaber in Libyen regelmäßig als Ratten verunglimpft. Der 39-Jährige versprach, den Widerstand gegen die neuen Machthaber in Libyen fortzusetzen.

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Quelle: n-tv.de