Politik

Opposition fordert UmschuldungMehrheit für Portugal sicher

12.05.2011, 10:09 Uhr

Im Bundestag zeichnet sich eine breite Mehrheit für die Portugal-Hilfen ab. Beim Gefeilsche um weitere Milliarden für Griechenland und den neuen Rettungsschirm ESM aber wirft die Opposition Kanzlerin Merkel ein Versteckspiel vor. Auch Koalitionspolitiker sind unzufrieden.

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Portugal hängt am Tropf der EU. (Foto: dpa)

Die Bundesregierung kann sich bei den abschließenden

Verhandlungen über die Milliarden-Hilfen für Portugal auf eine breite

Rückendeckung des Bundestages stützen. Die schwarz-gelbe Koalition sowie SPD

und Grüne tragen das geplante 78-Milliarden-Euro-Hilfspaket für das ärmste

westeuropäische Land mit. Die Linke lehnt das Paket wegen der von Lissabon

geforderten Sparauflagen ab.

Zu weiteren Milliarden-Hilfen für das krisengeplagte Griechenland

hielt sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der Bundestags-Debatte weiter

bedeckt. Zunächst müssten Bewertungen des Athener Reformprogramms durch

EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationalen Währungsfonds

(IWF) abgewartet werden. Bei Finanzhilfen seien aber Gegenleistungen nötig. Bei

weiteren Schritten sei insbesondere Griechenland gefordert, betonte Schäuble.

Ohne klare Konditionen würden keine Maßnahmen beschlossen.

Opposition "Marshall-Plan"

Die Opposition warf der Regierung Verneblungstaktik und

mangelnde Einbindung des Parlaments vor. SPD, Linke und Grüne forderten bei der

Lösung der wachsenden Schuldenprobleme in den Euro-Krisenländern eine

Einbindung der privaten Geldgeber wie Banken und Versicherer. An einer

Umschuldung führe keine Weg vorbei. Auch sei eine Art "Marshall-Plan"

für Krisenländer nötig. Kritik an weiteren Hilfen für Athen und am neuen

Rettungsschirm ESM kommt auch aus der Koalition. Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

muss hier um die schwarz-gelbe Mehrheit kämpfen.

Schäuble sagte, EU-Kommission, EZB und IWF hätten das

portugiesische Reformprogramm und die geplanten Strukturreformen für die

Wirtschaft als tragfähig eingeschätzt. Neben der geschäftsführenden Regierung

würden sich auch die großen Opposition sparteien Portugals zu den

Verpflichtungen bekennen. "Wir sollten den portugiesischen Bürgern diese

Chance nicht verwehren."

Portugal strebe ehrgeizige, aber auch machbare Maßnahmen an.

Auf dieser Grundlage sei es vertretbar und richtig, Finanzhilfen von bis zu 78

Milliarden Euro zu gewähren und Portugal den Weg zurück an die Finanzmärkte in

einer angemessenen Zeit zu ermöglichen, sagte Schäuble. Portugal erhält nach

Griechenland und Irland als drittes Euro-Land internationale Hilfen. 52

Milliarden Euro steuern die europäischen Partner bei, 26 Milliarden Euro der

IWF.

Am späten Mittwochabend hatte der Haushaltsausschuss des

Bundestages die Notkredite für Portugal bewilligt und "Einvernehmen"

festgestellt. Die Finanzminister der Euro-Gruppe entscheiden am Montag in

Brüssel über das Hilfspaket. Dafür ist Einstimmigkeit erforderlich. Eine Zusage

Finnlands ist inzwischen so gut wie sicher. Die endgültige Entscheidung

Helsinkis soll an diesem Freitag fallen.

SPD und Grüne wollen ESM-Vertrag sehen

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der Bundesregierung

vor, die nötigen Details zu Milliarden-Hilfen für kriselnde Euro-Länder zu

verheimlichen. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Die

Bundesregierung müsse den Vertragsentwurf zum ESM vorlegen. "Das ist das

Mindeste." Weitere Griechenland-Hilfen seien unausweichlich.

FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke mahnte, es dürfe keine

Hilfen ohne konkrete Bedingungen und Auflagen geben. Er forderte wie

Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) eine stärkere Beteiligung des

Parlaments bei Nothilfen aus dem künftigen Euro-Rettungsschirm ESM.

Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, sprach von zu

harten und unsozialen Sparauflagen für Portugal. Zugleich drohten geringere

Steuereinnahmen. "Dieser Teufelskreis kann nicht funktionieren."heißen darf", sagte Steinmeier.

Quelle: dpa