Politik
Am 25. Januar 2011 begann der ägyptische Aufstand.
Am 25. Januar 2011 begann der ägyptische Aufstand.(Foto: dpa)
Dienstag, 24. Januar 2012

Ägypten vor Revolutionsjubiläum: Militär beendet Ausnahmezustand

Seit 1981 gilt der Ausnahmezustand in Ägypten. Die Notstandsgesetze abzuschaffen, ist seit Beginn des Aufstands eines der großen Anliegen der Revolutionsbewegung. Und genau diese Forderung wird nun, an einem symbolträchtigen Tag, erfüllt.

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Zum ersten Jahrestag der Revolution in Ägypten soll der seit mehr als drei Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand aufgehoben werden. Die Notstandsgesetze, die für "Gewaltverbrechen" aber weiter gelten sollen, würden außer Kraft gesetzt, sagte der Chef des Militärrates, Hussein Tantawi. Am 25. Januar jährt sich der Beginn der Revolution, die am 11. Februar zum Sturz von Staatschef Husni Mubarak führte.

Die Notstandsgesetze würden landesweit aufgehoben, kündigte Tantawi in einer Fernsehansprache an. Für nicht näher definierte "Gewaltverbrechen" sollten sie aber weiter Anwendung finden. Im vergangenen Jahr hatte der Oberste Militärrat die Gesetze noch auf Streiks, Eingriffe in den Verkehr und die Verbreitung falscher Informationen ausgedehnt.

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Ägypten wird seit dem Sturz Mubaraks vom Obersten Militärrat regiert. Dieser hatte an dem Ausnahmezustand festgehalten, der 1981 nach der Ermordung des damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat eingeführt worden war. Die Aufhebung der Notstandsgesetze, die willkürliche Festnahmen und Militärprozesse ermöglichen, war eine der Forderungen der Bewegung, die mit ihren Massenprotesten den langjährigen Staatschef Mubarak zu Fall brachte. Auch zahlreiche westliche Länder, darunter die USA, hatten die Aufhebung des Ausnahmezustands verlangt.

Militärrat will Macht abgeben

Ursprünglich hatte der Militärrat versprochen, die Gesetze vor den Parlamentswahlen abzuschaffen. Nach den Wahlen, die seit November in mehreren Etappen abgehalten worden waren, war am Montag das neue Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammengekommen. Islamistische Parteien stellen zusammen fast drei Viertel der Abgeordneten. Den offiziellen Ergebnissen zufolge gewannen die Muslimbrüder rund 47 Prozent der Stimmen und sind mit 235 Sitzen im Parlament vertreten. Auf die salafistische Nur-Partei entfielen 121 Sitze. Insgesamt zählt das Abgeordnetenhaus 508 Mandate.

Vor dem Abgeordnetenhaus in Kairo hatten hunderte Demonstranten von den Parlamentariern verlangt, die Ziele der Revolution umzusetzen. Bei einem Protestzug durch die ägyptische Hauptstadt demonstrierten sie außerdem gegen den Militärrat, die Militärverfahren und für soziale Gerechtigkeit.

Ende Januar beginnen die Wahlen zur Schura, dem ägyptischen Oberhaus. Beide Parlamentskammern sollen dann gemeinsam eine verfassunggebende Versammlung einrichten. Bis Ende Juni sollen Präsidentschaftswahlen abgehalten werden, dann will der Militärrat seine Macht an eine Zivilregierung abgeben.

Quelle: n-tv.de