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Rassistischer Mord erschüttert USA Nachtwächter erschießt Teenager

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Er wurde nur 17 Jahre alt, Trayvon Martin.

picture alliance / dpa

50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung regiert ein Schwarzer die Vereinigten Staaten. Frei von Rassismus sind die USA deswegen aber noch lange nicht. Das führt den Amerikanern die traurige Geschichte des 17-Jährigen Trayvon Martin vor Augen.

Bilder von Trayvon Martin flimmern auf den Fernsehern der US-Amerikaner, sie prangen auf den Titelblättern der Zeitungen. Martin, ein schwarzer Junge mit sanften Augen und einem schüchternen Lächeln ist auf den Fotos fast noch ein Kind. Die Bilder berühren die Amerikaner. Bei einem Abendspaziergang in Sanford fiel der 17-Jährige einem "Nachbarschaftswächter" in die Hände. Minuten später war er tot. Der 28-Jährige, selbsternannte Wächter streckte den unbewaffneten Jungen mit einem Schuss in die Brust nieder - angeblich aus Notwehr.

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George Zimmerman rief die Polizei an, als er sein Opfer verfolgte. Er sagte: "Diese Arschlöcher kommen immer davon."

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Lange nicht mehr hat ein Kriminalfall Amerika derart aufgewühlt. Es ist nicht nur der Tod des Jungen, der unter die Haut geht. Es ist die Tatsache, dass der Schütze drei Wochen nach der Tat noch immer auf freiem Fuß ist und dass sich die Polizei ohne langes Federlesen seiner Notwehr-Behauptung anschließt. Denn die weckt böse Erinnerungen. Längst ist aus dem Verbrechen ein Fall "Weiß gegen Schwarz" geworden.

"Es fühlt sich an wie ein Echo aus einer anderen Ära, als rassistische Ungerechtigkeit Schlagzeilen machte", schreibt die "Washington Post". Ausführlich lässt das Blatt Afro-Amerikaner zu Wort kommen, die ebenfalls von Übergriffen von Weißen auf Angehörige berichten.

"Post-Rassismus", nennen Experten das Phänomen. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung und ungeachtet eines schwarzen Präsidenten erscheint das Weiße werden häufiger begnadigt

Hobby-Polizist widersetzt sich Polizei

Akribisch versuchen US-Medien die Umstände der Tat nachzuzeichnen. "Der Kerl scheint nichts Gutes im Schilde zu führen...", soll der Hobby-Polizist in einem Anruf bei der Polizei gesagt haben. "Diese Arschlöcher kommen immer davon." Allein weil der Junge einen Kapuzenpullover trug, soll der 28-Jährige Verdacht geschöpft haben. Dabei soll die Polizei ihm ausdrücklich geraten haben, den Jungen nicht zu verfolgen. Er solle nicht eingreifen.

Auch das Opfer griff in den entscheidenden Minuten vor seinem Tod zum Handy. Aufgeregt habe er seiner Freundin berichtet, dass er verfolgt werde. "Lauf schneller", soll sie ihm geraten haben.

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In New York gingen Bürger mit Kapuzen auf dem Kopf demonstrieren. Trayvon Martin erschien dem "Nachtwächter" auch verdächtig, weil er eine Kapuze trug.

Experten betonen, auch die besonderen Gesetze Floridas hätten zu der Tat beigetragen. "Stand Your Ground" heißt die umstrittene Regelung, zu Deutsch etwa "Weiche nicht zurück". Es gibt Bürgern in Florida ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung. Sie sind nicht mehr gehalten, zurückzuweichen und eine Eskalation zu vermeiden.

"Ein gefährliches Gesetz", kritisiert die "New York Times", das es Waffenbesitzern leicht mache, zu töten und das Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch zu nehmen. Das Blatt moniert, vor allem die mächtige Waffenlobby habe sich für das Gesetz stark gemacht.

Eine weitere Besonderheit des Falls: Über Wochen blieb er lediglich eine lokale Angelegenheit, die das übrige Land kalt ließ. Erst als sich die großen TV-Sender darum kümmerten und als sich Blogger sowie soziale Netzwerke einschalteten, entbrannte die Debatte.

Jetzt ist auch Washington erwacht: Justizministerium und FBI haben sich eingeschaltet. Einer der offenen Fragen lautet nach wie vor: Warum trug der selbsternannte Wachmann überhaupt eine Waffe bei sich? Die lokale Polizei gerät immer mehr unter Druck. Der Stadtrat von Sanford forderte den örtlichen Polizeichef Bill Lee US-Medien zufolge zum Rücktritt auf. Auch der Vorsitzende der einflussreichen afroamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP, Ben Jealous, verlangte den Rücktritt des Polizeichefs, der wegen seines Umgangs mit dem Fall in der Kritik steht. Zuletzt zog Lee die Konsequenzen und gab sein Amt auf. Seine Rolle als Leiter der Polizeistation sei zu  einer "Ablenkung" für die Ermittlungen geworden, sagte er.

Auch der Druck auf den Schützen Zimmermann wächst weiter an. Eine sogenannte Grand Jury soll in Florida am 10. April klären, ob die Beweise ausreichen, um Anklage gegen ihn zu erheben. "Ich teile das Bedürfnis der Familie und der örtlichen Bevölkerung, die Fakten rund um den tragischen Tod von Trayvon Martin akkurat zu sammeln und zu bewerten", erklärte Staatsanwalt Norman Wolfinger.

Während die Eltern Zimmermanns betonen, ihr Sohn sei kein Rassist, er habe auch schwarze Freunde, äußert sich die Mutter des Opfers mit tränenerstickter Stimme im Fernsehen: "Mein Sohn hat keine Verbrechen begangen. Er hat den Tod nicht verdient."

Quelle: n-tv.de, Peer Meinert, dpa/AFP

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