Politik

Medizin in Nordkorea Ohne Geld droht der Tod

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Das Land versteht sich auf Massenpropaganda - aber nicht auf Massenversorgung.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der nordkoreanische Beton-Kommunismus führt zu menschenunwürdigen Zuständen in der medizinischen Versorgung. Wer gesund bleiben will, muss Schmiergeld zahlen. Doch das fehlt meistens. Wer nicht zahlen kann, der muss eine Operation auch ohne Narkose durchstehen.

Die Zustände im Gesundheitssystem in Nordkorea sind nach Angaben von Amnesty International (AI) absolut katastrophal. Ärzte führen Amputationen und größere Operationen auch ohne Narkose aus, wie es in einem von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichten Bericht heißt. Insgesamt hätten immer mehr Menschen in dem kommunistischen Land trotz Epidemien und weit verbreiteter Mangelernährung keinen Zugang mehr zu einer angemessenen ärztlichen Grundversorgung.

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Alleinherrscher Kim wird wahrscheinlich bestens versorgt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In dem Report über das "bröckelnde" Gesundheitssystem Nordkoreas wirft AI dem Regime in Pjöngjang eine "verfehlte oder kontraproduktive" Gesundheitspolitik vor. Der Zustand des Gesundheitswesens sei alarmierend. Offiziell sei die Versorgung kostenlos, aber in der Praxis müssten die Patienten zahlen, wenn sie sich behandeln lassen wollten.

Aus Mangel an Betäubungsmitteln sei ihr vor neun Jahren der Blinddarm ohne Narkose entfernt worden, berichtete eine 56-jährige Nordkoreanerin aus Musan in der Provinz Nord-Hamgyong. Die Operation habe über eine Stunde gedauert. "Ich schrie so laut vor Schmerzen - ich dachte, ich würde sterben." Anderen Zeugen beschreiben Kliniken, in denen Injektionsnadeln nicht mehr sterilisiert werden und gebrauchte Bettwäsche nicht gewaschen wird.

"Nordkorea ist es nicht gelungen, den grundlegenden Gesundheits- und Existenzbedarf der Bevölkerung zu sichern", stellt die stellvertretende Leiterin das AI-Büros für die Region Asien-Pazifik, Catherine Baber, fest. Dies sei vor allem für Menschen der Fall, die sich wegen ihrer Armut keine medizinische Versorgung leisten könnten.

Zeugen hätten erzählt, dass die Bürger schon seit den 90er Jahren für alle Gesundheitsdienste bezahlen müssten. Um beraten zu werden, würden Patienten Ärzte mit Zigaretten, Alkohol oder Lebensmittel bestechen. Ohne Geld würde niemand mehr ins Krankenhaus gehen, wurde eine 20 Jahre alte Nordkoreanerin zitiert. "Wenn du kein Geld hast, stirbst du."

Schlechte Ernährung

Die Mangelernährung habe Epidemien und Krankheiten ausgelöst, die unter anderem auf schlechte Ernährung zurückgingen. Dazu gehörten beispielsweise Tuberkulose und Blutarmut. AI führte Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, wonach Nordkorea für die Gesundheit der Bürger weniger als einen Dollar pro Person im Jahr und damit weniger als alle anderen Länder der Welt ausgegeben habe.

Fast zwei Jahrzehnte nach der schweren Hungersnot in Nordkorea sei die "Ernährungsunsicherheit weiter eine ernsthafte Sorge für Millionen von Nordkoreanern", sagte die AI-Expertin Norma Kang Muico. Die Lage habe sich durch die Zurückhaltung der Regierung, um Hilfe zu bitten, verschärft. Die verspätete Antwort auf die Nahrungskrise habe sich in bedeutendem Maße auf die Gesundheit der Menschen ausgewirkt.

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AI-Expertin Norma Kang Muico.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ohne direkten Zugang nach Nordkorea zu haben, hatte AI nach eigenen Angaben mehr als 40 Nordkoreaner interviewt, die zwischen 2004 und 2009 aus ihrer weitgehend isolierten Heimat geflohen waren. Auch seien Fachleute im Gesundheitswesen befragt worden, die mit Nordkorea zusammenarbeiteten.

AI forderte von Nordkorea, für eine gleichwertige Verteilung von Einrichtungen, Gütern und Diensten im Gesundheitswesen zu sorgen und mit den Spendenorganisationen enger zusammenzuarbeiten. Zugleich appellierte AI an die Weltgemeinschaft, mehr humanitäre Hilfe für das Land zu leisten und diese nicht an politische Bedingungen zu knüpfen.

Quelle: ntv.de, dpa