Politik
Samstag, 13. Juni 2009

CIA fahndet nach Bin Laden: Pakistan weitet Offensive aus

Die pakistanische Armee weitet nach US-Angaben ihre Offensive gegen die Taliban aus. So sei eine Operation in Südwaziristan an der Grenze zu Pakistan geplant. Die USA erhoffen sich davon auch eine neue Spur bei der Suche nach Al-Kaida-Chef Bin Laden.

Nach den Anschlägen auf Taliban-Kritiker hat die pakistanische Armee eine Hochburg der radikal-islamischen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan angegriffen. "Als Reaktion auf den Selbstmordanschlag wurden zwei Terroristenlager unter Beschuss genommen", teilte die Armee mit. Die Zahl der Opfer sei unbekannt. Nach Angaben von Geheimdienstvertretern in der Region wurden sieben Extremisten getötet und fünf weitere verletzt. Einen Tag zuvor war in Lahore ein prominenter Geistlicher getötet worden, der die Selbstmordattentate der Taliban wiederholt verurteilt hatte.

Auch Stammeskrieger nehmen an den Kämpfen teil.
Auch Stammeskrieger nehmen an den Kämpfen teil.(Foto: REUTERS)

US-Regierungsvertretern zufolge bereitet Pakistan offenbar eine größere Offensive in dem Gebiet in Süd-Waziristan vor, in dem die Taliban-Hochburg liegt. Die Region wird von Baitullah Mehsud beherrscht, der für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht wird, darunter das Attentat auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto im Dezember 2007. Die wachsende Gewalt hat Ängste geschürt, die Extremisten könnten die Oberhand in dem mit Atomwaffen ausgerüsteten Staat gewinnen. Die USA erhoffen sich von der Aktion demnach Unterstützung in ihrem Kampf gegen die Taliban und andere Aufständische in Afghanistan.

Südwaziristan wird nach einigen gescheiterten pakistanischen Militäroperationen von den Taliban kontrolliert und ist die Hochburg der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die sich zu dem tödlichen Anschlag auf ein Luxushotel in der Stadt Peshawar bekannt hatten. Die pakistanische Armee wolle die Region nun isolieren und einkreisen, erklärten die US-Vertreter weiter. Damit könne letztlich auch die Terrororganisation Al Kaida in Afghanistan unter Druck gesetzt werden.

Bin Laden in Pakistan?

Der US-Geheimdienst CIA glaubt derweil nach wie vor, dass sich der Al-Kaida-Terroristenführer Osama bin Laden in Pakistan versteckt hält. Die Aussicht, den Al-Kaida-Chef auszuschalten, könnte sich im Zuge der pakistanischen Offensive gegen die Taliban-Rebellen im Land verbessern, zitierten US-Medien CIA-Direktor Leon Panetta weiter.

Bei einem Anschlag wurde der Taliban-Kritiker Maulana Sarfraz Naeemi getötet.
Bei einem Anschlag wurde der Taliban-Kritiker Maulana Sarfraz Naeemi getötet.(Foto: REUTERS)

"Eine unserer Hoffnungen ist, dass wir durch den Einsatz des pakistanischen Militärs zusammen mit unseren Operationen eine bessere Chance haben, ihn zu fassen." Das Aufspüren Bin Ladens sei weiterhin eine der höchsten Prioritäten der CIA, betonte Panetta. Al Kaida bleibe die "ernsteste Bedrohung" für die Sicherheit Amerikas. "Ihre Führer, besonders jene, die sich in Pakistan befinden, schmieden weiter Komplotte gegen uns."

Die pakistanische Armee hatte in den Stammesgebieten von Waziristan zwischen 2004 und 2008 mehrere Niederlagen erlitten. Die jüngsten Militäroperationen dort waren mit Vereinbarungen beendet worden, die den Taliban die Kontrolle überließen. Diesmal sind die Aussichten für Islamabad nach US-Einschätzung aber besser: Die Militäroperation werde größer sein als alle vorherigen, die öffentliche Meinung in Pakistan sei inzwischen auf Seiten der Regierung und die Armee habe ihre Taktik geändert, erläuterten die US-Verteidigungsverantwortlichen. Bereits im April hatte die pakistanische Armee auch auf Druck der USA eine Offensive im Swat-Tal gegen die Taliban begonnen.

"Kampf ums Überleben"

Unterdessen schwor der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einer Rede an die Nation sein Land auf einen fortgesetzten Krieg gegen die Taliban ein und sprach von "einem Kampf ums Überleben". "Wir führen einen Krieg für unsere Souveränität. Wir werden diesen Krieg bis zum Ende führen und wir werden ihn um jeden Preis gewinnen", sagte Zardari in einer Fernsehansprache. Die Taliban seien die Feinde aller unschuldigen Menschen, sie wollten die Bevölkerung terrorisieren und die Kontrolle im Land übernehmen.

Die Rede Zardaris kam wenige Stunden nach einem Selbstmordanschlag auf eine religiöse Schule in der ostpakistanischen Metropole Lahore und einem zeitgleichen Angriff auf eine Moschee in der Nordwest- Grenzprovinz, wo auch das umkämpfte Swat-Tal liegt. Dabei starben insgesamt mindestens 14 Menschen. Unter den Opfern in Lahore war auch ein als scharfer Kritiker der Taliban bekannter Geistlicher. Er war einer der wenigen Kleriker, die die andauernde Militäroffensive gegen die Aufständischen im Swat-Tal und Umgebung unterstützen.

Laut Armee sind bislang mehr als 1400 Militante und mehr als 120 Soldaten bei der Operation getötet worden. Die Regierung hatte die Operation Ende April begonnen, nachdem die Taliban sich nicht an ein Friedensabkommen gehalten und dies stattdessen dazu benutzt hatten, noch weitere Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Zuletzt standen sie damals rund 100 Kilometer vor der Hauptstadt Islamabad.

Quelle: n-tv.de