Politik
Wladimir Putin und Prinz Charles bei einer Begegnung um Juni 2003 in London
Wladimir Putin und Prinz Charles bei einer Begegnung um Juni 2003 in London(Foto: Reuters)
Donnerstag, 22. Mai 2014

Prinz Charles' Hitler-Vergleich: Putin ist gar nicht amüsiert

Wie der Vater, so der Sohn? Zumindest hinsichtlich unvorsichtiger Äußerungen scheint Prinz Charles ganz nach seinem Vaters Philip zu kommen: Ein Hitler-Vergleich bezogen auf Wladimir Putin löst in Russland höchste Empörung aus.

Das russische Außenministerium hat mit großer Empörung auf den von Prinz Charles angeblich angestellten Vergleich von Russlands Präsident Wladimir Putin und NS-Diktator Adolf Hitler reagiert. "Wir sind nicht besorgt, wir sind empört", sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums in Moskau. Er forderte eine offizielle Erklärung von Großbritannien. "Wenn diese Worte wirklich so gefallen sind, dann machen sie dem künftigen britischen Monarchen keine Ehre", sagte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch der Agentur Interfax zufolge in Moskau. "Wir schauen jetzt, welche offizielle Reaktion uns die britischen Behörden auf unsere Anfrage geben", sagte der Sprecher.

Charles hatte bei seinem Besuch in Kanada in einem Migrations-Museum in der Stadt Halifax mit der 78 Jahre alten Marienne Ferguson gesprochen, die vor den Nazis aus Danzig nach Kanada geflohen war und einen Teil ihrer Familie im Holocaust verloren hatte. Der 65 Jahre alte Thronfolger soll zu der Frau in Bezug auf die Ukraine-Krise gesagt haben: "Und jetzt tut Putin so ziemlich dasselbe wie Hitler." Gegenüber der BBC hatte die 78-Jährige bestätigt, dass der Hitler-Vergleich gefallen sei. Sie erinnerte sich aber nicht mehr exakt an den Worlaut.

"Kein Kommentar"

Das Zitat brauchte nur Sekunden, um den Weg über den Großen Teich nach London zurückzulegen. Und dort stürzten sich erwartungsgemäß die Medien auf den Ausspruch. Clarence House, das Londoner Büro von Charles, musste hundertmal des gleiche sagen: "Kein Kommentar". Das war auch gar nicht nötig. Das Kommentieren übernahmen andere. Sogar Rechtspopulist Nigel Farage meinte, dem Thronfolger gute Ratschläge geben zu müssen. Die Fernsehsender zerrten einen "Experten" nach dem anderen vor die Kameras, um die Bedeutung des Gesagten interpretieren zu lassen.

Während sich Premierminister David Cameron zunächst bedeckt hielt, sprang sein Vize Nick Clegg dem 65 Jahre alten Charles zur Seite. Er gehöre nicht zu denen, die Meinungsäußerungen von Mitgliedern der königlichen Familie für ein No-Go halten, sagte er. Der Labour-Parlamentsabgeordnete Mike Gapes vertrat die völlig gegensätzliche Auffassung. Er empfahl dem Thronfolger, er möge abdanken und sich als Politiker zur Wahl stellen, wenn er sich politische Anmerkungen nicht verkneifen könne. "Die Monarchie soll gesehen werden, aber nicht gehört", sagte er. Mit anderen Worten: Der künftige König soll in politischen Angelegenheiten gefälligst den Mund halten.

Treffen zum "D-Day"

Der Ärger ist zumindest zum Teil verständlich. Großbritannien ist als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat in die internationalen Bemühungen zur Beilegung der Ukraine-Krise direkt eingebunden. Die Bemerkung von Charles dürfte den Diplomaten rund um die Downing Street durchaus Schluckbeschwerden gemacht haben. Zumal Charles und seine Mutter, Queen Elizabeth II., schon in zwei Wochen dem russischen Präsidenten unter die Augen treten müssen. Dann wird in der Normandie des 70. Jahrestages der Landung der Alliierten gedacht - dessen, was die Briten als D-Day bezeichnen.

Die Debatte zeigt auch, dass sich die Briten auf eine neue Debatte zur Rolle ihres Königshauses einstellen dürfen. Charles hatte in der Vergangenheit immer wieder mit politischer Einmischung für Furore gesorgt. Die Tageszeitung "The Guardian" klagt seit Jahren und inzwischen vor dem höchsten britischen Gericht auf die Herausgabe seiner berüchtigten und nach seiner Handschrift benannten "Black-Spider"-Briefe, in denen er Handlungsempfehlungen für Regierungsmitglieder gegeben haben soll. Allerdings ging es dabei bisher eher um Umweltthemen oder Architektur, nicht um komplizierte internationale Beziehungen.

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Quelle: n-tv.de