Politik

Panne bei Jubelveranstaltung Putins Rede zur Krim-Annexion plötzlich unterbrochen

Ein Stadion in Moskau voller Fahnen, jubelnde Russen und überall das Z-Symbol: Im Strickrollkragen tritt der russische Präsident Putin auf die Bühne, um das achte Jubiläum der Krim-Annexion zu feiern. Doch plötzlich bricht die Übertragung ab. Ein Serverfehler, heißt es im Kreml.

Zum achten Jahrestag der russischen Krim-Annexion hat Kremlchef Wladimir Putin die "militärische Spezial-Operation" in der Ukraine als "heldenhaften" Einsatz der russischen Armee gelobt. Es würden alle Pläne umgesetzt, sagte Putin im Moskauer Luschniki-Stadion vor Zehntausenden jubelnden Russen mit Blick auf den Krieg in dem Nachbarland. Wenige Minuten nach Beginn der Ansprache, die Putin im Strick-Rollkragenpullover hielt, wurde die Übertragung im Staatsfernsehen ohne Angabe von Gründen abgebrochen. Mitten im Satz endete die Übertragung der Rede und das Fernsehen zeigte aufgezeichnete Bilder. Es war zunächst unklar, was passiert war.

Statt der Putin-Rede waren Videoschnipsel zu sehen: Im Stadion schwenkten die Menschen die russischen Staatsflaggen und Fahnen mit dem Buchstaben Z, der als Symbol für die "militärische Spezial-Operation" steht. Die Menschen riefen: "Für Russland. Für den Sieg." Über der Bühne, auf der Putin auftrat, stand: "Für eine Welt ohne Nazismus". Erst mehrere Minuten später wurde Putin erneut eingeblendet - seine Rede wurde noch einmal von Anfang an wiederholt, diesmal ohne Unterbrechung bis zum Ende. Der Kremlchef betonte dabei, in der Ukraine würden alle Pläne umgesetzt.

Die russischen Staatsmedien sind streng kontrolliert, derartige Vorfälle höchst ungewöhnlich. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte die rätselhafte Unterbrechung mit einem technischen Serverfehler, wie die Nachrichtenagentur Ria Novosti meldete. Der Moskau-Korrespondent von ntv, Rainer Munz, vermutete, dass die Suche nach den Verantwortlichen wohl schon begonnen habe. In den sozialen Netzwerken kursierten Filme, die zeigen sollen, dass Staatsangestellte und Studenten gewaltsam zu der Kundgebung gefahren wurden. Anlass der Veranstaltung war der achte Jahrestag der Einverleibung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim am 18. März 2014. Der Kreml sieht das Gebiet als Teil Russlands. International ist das nicht anerkannt.

Medienberichten zufolge bezifferte die Moskauer Polizei die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 200.000. Demnach sollen etwa 95.000 Bürger im Stadion gewesen sein. Mehr als 100.000 sollen sich während der Rede und um das Stadion versammelt haben. Ein Video, das von "Ukraine World" über Twitter verbreitet wurde, zeigt die Menschenmenge vor dem Gebäude. Das RTL/ntv-Verifizierungsteam hält das Video für authentisch. Der Kommentar der ukrainischen Journalisten zielt ironisch auf die auch in Deutschland gerne geteilte Ansicht, der Krieg gegen die Ukraine sei Putins Krieg und keiner des russischen Volkes.

Ukraine-Krieg läuft nicht nach Plan

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Anders als in seiner Jubelrede behauptet, verläuft die "militärische Spezialoperation" in der Ukraine für den Kreml allerdings nicht nach Plan. Putin habe einen der ranghöchsten russischen Militärs, General Roman Gawrilow, verhaften lassen, berichtet unter anderem die britische Zeitung "The Telegraph" unter Berufung auf einen britischen Minister.

In der Duma, dem russischen Parlament, wurde der Bericht allerdings dementiert. Demnach ist Gawrilow lediglich zurückgetreten. Am Vormittag tagte Russlands nationaler Sicherheitsrat in Moskau, um die Lage in der Ukraine zu besprechen. "Bei dem Treffen wurde die aktuelle internationale Situation besprochen und der Meinungsaustausch über die laufende Spezial-Operation der russischen Streitkräfte in der Ukraine fortgesetzt", sagte Peskow laut Interfax.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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