Politik

Erfolg an libyscher Ostfront Rebellen: Brega ist eingenommen

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Ein Mann betrauert in Bengasi einen gefallenen Kämpfer der Rebellen.

(Foto: AP)

Es könnte ein wichtiger Erfolg für die libyschen Rebellen sein: Nach eigenen Angaben nehmen sie die libysche Hafenstadt Brega ein. Die Soldaten Gaddafis hätten sich zurückgezogen, heißt es. Allerdings sei noch mit Scharfschützen zu rechnen. Die NATO zerstört derweil eine Radaranlage in Tripolis.

Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben sich nach Rebellenangaben weitgehend aus der umkämpften Ölstadt Brega zurückgezogen. Die meisten Gaddafi-Milizen hätten die östliche Hafenstadt verlassen und etwa 100 Kilometer weiter westlich in der Stadt Ras Lanuf Stellung bezogen, sagte ein Sprecher der Rebellen per Telefon. Allerdings sollen sich bis zu 200 Getreue Gaddafis in der Hafenstadt verschanzt haben.

Wegen der vielen Minen, die Gaddafis Truppen an Straßen und Gebäuden hinterlassen hätten, werde es aber noch eine Weile dauern, bis die Aufständischen die Stadt mit ihrer wichtigen Ölinfrastruktur vollständig unter Kontrolle hätten. Über Monate war Brega hart umkämpft und mehrmals von Armee und Rebellen eingenommen worden. Sollten sich die Angaben bewahrheiten, wäre dies ein wichtiger Erfolg für die Aufständischen.

Nach Angaben des Rebellensprechers hat sich die Kampflinie nun weiter nach Westen verlagert. "Die meisten unserer Truppen sind jetzt an Brega vorbeigezogen und unterwegs nach Bischr und Ugaila", sagte Rebellensprecher Schamsiddin Abdulmolah. Dort werde es zu den nächsten Zusammenstößen kommen. Bei Kämpfen am Wochenende seien zwölf Rebellen getötet und knapp 300 verletzt worden.

NATO zerstört Radaranlage

Kampfflugzeuge der NATO zerstörten unterdessen eine Radaranlage auf dem größten Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis. Die Radarantenne habe ursprünglich zur Kontrolle von zivilen Flugzeugen gedient, sei jedoch nun von Gaddafis Truppen zum Aufspüren von NATO-Flugzeugen genutzt worden, teilte die Militärallianz in Brüssel mit. Zudem seien mit Hilfe der Radaranlage die Einsätze der Gaddafi-Truppen koordiniert worden.

Russland kritisierte unterdessen die Entscheidung der USA und weiterer Staaten, die Rebellen-Führung als legitime Vertretung des nordafrikanischen Volkes anzuerkennen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, mit einem solchen Schritt verlasse man eine neutrale Position und nehme Partei für eine Bürgerkriegsseite ein. Russland lehne dies ab und werde weiterhin Kontakt zu beiden Seiten pflegen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte beim Treffen der Libyen-Kontaktgruppe am Freitag in Istanbul erklärt, bis es eine Übergangsregierung gebe, werde der Rebellenrat mit Sitz im ostlibyschen Bengasi als rechtmäßige Regierung akzeptiert. Mit der Anerkennung könnten die Aufständischen an Milliardensummen gelangen, die im Ausland eingefroren sind.

Zuma widerspricht Cameron

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(Foto: dpa)

Differenzen über die Zukunft Libyens gibt es auch zwischen EU und Afrikanischer Union (AU). Der Rücktritt Gaddafis könne nach Ansicht der afrikanischen Staaten nur ein Ergebnis von Verhandlungen zwischen den libyschen Parteien sein, sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma in Pretoria nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister David Cameron. Erst müsse Gaddafi gehen, dann könnten die Verhandlungen über die Zukunft Libyens beginnen, betonte dagegen Cameron.

Übereinstimmung zwischen Europa und Afrika bestehe darin, dass die Kampfhandlungen in Libyen möglichst umgehend eingestellt werden müssten und dass am Ende ein demokratisches Libyen stehen müsse. "Wir wollen beide eine Zukunft Libyens ohne Gaddafi", sagte Cameron. Ein Waffenstillstand in dem nordafrikanischen Staat sei jederzeit möglich, "wenn Gaddafi die Angriffe auf sein eigenes Volk beendet".

Zuma sagte, Gaddafi werde nach seinem Eindruck einer Lösung des Konflikts nicht im Wege stehen. Allerdings wolle ein Mann nach 42 Jahren an der Macht wissen, unter welchen Bedingungen er gehe. "Wie muss er gehen. Wohin muss er gehen? Warum muss er gehen? Das muss auf den Tisch und das libysche Volk muss entscheiden", sagte Zuma. Der Präsident hatte in den vergangenen Monaten im Auftrag der AU zweimal vergeblich versucht, in Libyen zu vermitteln.

Quelle: ntv.de, AFP/rts/dpa

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