Politik

Mangel macht erfinderisch Rundum-Paket für Landärzte

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Nur wenige Ärzte zieht es aufs Land.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Versorgungsgesetz will Gesundheitsminister Daniel Bahr den drohenden Ärztemangel bekämpfen und eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung sichern. Das Gesetz soll unter anderem mehr Ärzte aufs Land locken.

Weil die niedergelassenen Mediziner im Schnitt älter als 50 Jahre sind und in den nächsten zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen, droht in manchen Gebieten ein massiver Ärztemangel. Viele Jungmediziner wandern zudem nach dem Studium in andere Berufsbereiche ab. Daher gibt es bereits trotz einer nie dagewesenen Anzahl an Ärzten in vielen ländlichen Regionen zu wenige Mediziner. In Städten hingegen herrscht meist ein Überangebot.

Anreize für Ärzte auf dem Land

Mediziner in unterversorgten Gebieten sollen nicht mehr ab einer bestimmten Zahl von Patienten ein geringeres Honorar erhalten. Vor allem für Landärzte, die sehr viele Patienten behandeln, ist die Deckelung ein Nachteil.

Für besondere medizinische Leistungen in unterversorgten Gebieten sollen Preiszuschläge gezahlt werden können.

Die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erhält die Möglichkeit, Niederlassungen zu fördern.

Damit Notdienste den einzelnen Arzt nicht so häufig treffen, sollen die KVen mit den Krankenhäusern kooperieren.

Die Residenzpflicht wird aufgehoben: Ärzte müssen nicht mehr dort leben, wo sie ihre Praxis haben. Sie können künftig etwa in der Stadt wohnen, aber auf dem Land tätig sein.

Im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen sich Ärztinnen bis zu zwölf Monate lang wegen einer Entbindung vertreten lassen können. Um sich mehr um die Erziehung eines Kindes zu kümmern, bekommen Ärzte die Möglichkeit, bis zu 36 Monate einen Assistenten zu beschäftigen.

Ärzte in ländlichen Gegenden sollen stärker durch Telemedizin entlastet werden und Leistungen an anderes medizinisches Personal delegieren können.

Neue Planung für Arztsitze

Die Verteilung der Ärzte soll sich genauer am Bedarf und den Besonderheiten vor Ort orientieren.

Die Länder sollen weitgehend mitreden können, wo Ärzte fehlen und wie der Mangel beseitigt werden soll. Anders als bisher können sie demnächst selbst Lücken in der Versorgung schließen, wenn Kassen und Ärzte sich nicht einigen können.

Besetzung von Arztpraxen

Für freiwerdende Arztpraxen in überversorgten Gebieten erhalten die Kassenärztlichen Vereinigungen ein Vorkaufsrecht - sofern sich kein Kind, Ehegatte, Lebenspartner oder ein bisheriger Partner der Praxis um die Nachbesetzung bewirbt.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen bekommen in überversorgten Gebieten zusätzliche Möglichkeiten, um den freiwilligen Verzicht auf eine Zulassung zu fördern.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen mehr Möglichkeiten erhalten, eigene Versorgungseinrichtungen zu betreiben - etwa Gemeinschaftspraxen oder Ärztezentren. Auch Städte, Gemeinden und Landkreise dürfen mit Zustimmung der KV in Ausnahmefällen eigene Einrichtungen führen.

Bei der Nachbesetzung von Arztpraxen soll stärker berücksichtigt werden, ob ein Bewerber zuvor für einen bestimmten Zeitraum in einem unterversorgten Gebiet tätig war.

Aus unterversorgten Gebieten dürfen Praxen nur abgezogen werden, wenn keine Versorgungsaspekte dagegen sprechen.

Kosten

Die Zuschläge für Mediziner, die sich in unterversorgten Gebieten niederlassen, werden nach Schätzungen Bahrs rund 200 Millionen Euro zulasten der Krankenkassen betragen. Dem stehen bislang nicht bezifferte Einsparungen gegenüber, weil unnötige Einweisungen in Krankenhäuser oder Krankentransporte vermieden werden sollen. Zudem können die Zahnärzte ein Plus von 120 Millionen Euro erwarten, weil die Berechnung ihrer Honorare umgestellt wird.

Abwimmelpraxis wird geahndet

Das Gesetz reagiert auch auf die Erfahrungen nach der Pleite der City BKK, deren Versicherte teils von anderen Kassen abgewimmelt wurden. Künftig drohen einer gesetzlichen Kasse, die eine Mitgliedschaft ablehnt, verhindert oder erschwert ein Zwangsgeld bis zu 50.000 Euro. Vorstände sollen für solche Fälle zudem persönlich haften.

Quelle: n-tv.de, rts

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