Politik

Für eine starke Artillerie Haubitzen im Kampf gegen Russland

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Mit Haubitzen unterschiedlicher Art sollen die ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen Russland unterstützt werden.

(Foto: Collage, Fotos dpa)

Mehrere Länder haben angekündigt, die Artillerie der ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen den russischen Angreifer mit Haubitzen unterstützen zu wollen. Aber was macht die Artillerie und was können die unterschiedlichen Haubitzen im Krieg ausrichten?

Die Waffenlieferungen an die Ukraine gehen weiter. Neben Panzern und Drohnen sollen vor allem Artilleriegeschütze die Streitkräfte im Kampf gegen den russischen Angreifer stärken. Doch wozu dient die Artillerie überhaupt, um welche Waffen handelt es sich und was können sie?

Prinzipiell ist die Artillerie dazu da, feindliche Bodenziele mit großkalibrigen Geschützen aus der Distanz zu bekämpfen. Es handelt sich hierbei also um ein indirektes Feuer, das vor allem die Bewegungsfähigkeit des Gegners minimieren soll. Ein weiteres Ziel der Artillerie ist es, die eigenen Kampfverbände zu unterstützen und zu schützen, indem durch das Feuer das Vordringen des Gegners verhindert wird. Wichtig ist auch die Bekämpfung von Führungs-, Kommunikations- und Aufklärungszielen, deren Vernichtung die Befehls- und Informationsstrukturen des Gegners empfindlich stören kann.

Um nicht selbst zum Ziel des sogenannten "Konterbatteriefeuers" zu werden, ist es in den heutzutage sehr schnell durchgeführten Kampfhandlungen enorm wichtig, sofort nach Schussabgabe die Stellung zu wechseln. All das sollte mit den an die Ukraine gelieferten Waffensystemen dann auch möglich sein.

Haubitze vom Typ Caesar

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Das System CAESAR aus Frankreich soll durch seinen flexiblen Einsatz punkten.

(Foto: Wikipedia, CC BY-SA 1.0)

Frankreich hat zum Beispiel angekündigt, das System Caesar zur Verfügung zu stellen. Die Abkürzung steht für "Camion équipé d'un système d'artillerie", was in der direkten Übersetzung so viel wie "mit einem Artilleriesystem ausgestatteter Lastwagen" bedeutet. Konkret handelt es sich bei Caesar um eine in Frankreich hergestellte ungepanzerte Haubitze mit einem Kaliber von 155 Millimetern, die in der Exportversion der Firma Nexter und Lohr Industrie auf einem Unimog U 2450 6x6 montiert ist. Die französischen Streitkräfte nutzen als Unterbau den Renault Sherpa 5 oder Sherpa 10.

Die Fahrzeuge selbst sind ungepanzert, lediglich gegen leichte Splitter geschützt. Der Vorteil von Caesar ist der schnelle Auf- und Abbau des Geschützes, der mit knapp einer Minute bemessen wird. An Bord des Fahrzeuges befinden sich 18 Geschosse. Die 2016 vorgestellte Version Caesar 8x8 kann sogar 30 Geschosse transportieren und die Haubitze ist mit einer vollautomatischen Ladevorrichtung versehen. Allerdings ist auch die auf den Tatra 815 aufgeflanschte F3-Haubitze eine Weiterentwicklung und mit einer 52er Kaliberlänge deutlich länger als das Original. Je nach Geschoss-Typ können Distanzen zwischen 30 und 50 Kilometern überwunden werden.

Haubitze vom Typ M-777

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Der große Vorteil der Haubitze M-777 ist ihre Treffergenauigkeit.

(Foto: dpa)

Aus Kanada sollen die ukrainischen Truppen mehrere Artillerie-Geschütze vom Typ M-777 bekommen. Anders als bei Caesar handelt es sich hier nicht um eine selbst fahrende, sondern um eine gezogene Haubitze, die aber ebenfalls ein Kaliber von 155 Millimetern hat. Während die M-777 von den Streitkräften der US-Armee eingesetzt wird, soll sie im Vereinigten Königreich lediglich in der Erprobung sein. Das verwundert, denn die Haubitze stammt aus britischer Produktion, wird dort von der Firma BAE Land Systems hergestellt.

Der Vorteil der M-777 soll vor allem darin bestehen, dass mit ihr GPS-gelenkte Projektile verschossen werden können, die die Treffergenauigkeit ungemein erhöhen. In Tests wurde über eine Distanz 14,5 Kilometern lediglich eine Streuung von 50 Metern festgestellt. Die Schussdistanz liegt zwischen 24 und 40 Kilometern. Seit 2018 wird aber in den USA mit entsprechender Munition an einer Reichweitenverlängerung gearbeitet. Angestrebt sind 70 Kilometer. Bei Testschießen auf dem Yuma Proving Ground sind wohl bereits Distanzen von bis zu 64 Kilometern erreicht worden.

Panzerhaubitze 2000

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Die Panzerhaubitze 2000 ist fast in jedem Gelände einsetzbar.

(Foto: dpa)

Die Panzerhaubitze 2000 soll aus den Niederlanden in die Ukraine geliefert werden. Wie viele, ist nicht bekannt, aber sie sind auf jeden Fall bestätigt. Hergestellt wird sie von den deutschen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. Zudem ist sie das Standardgeschütz der Bundeswehr. Auch hier handelt es sich um ein 155-Millimeter-Rohrwaffensystem, das allerdings mit einem gepanzerten Kettenfahrzeug bewegt wird.

Die Panzerhaubitze 2000 gehört nach Aussagen der Bundeswehr zu den modernsten Artilleriegeschützen weltweit. Ihre Stärke liegt vor allem in der Präzision und der großen Kampfentfernung. Mit der Standardmunition werden Schussentfernungen von 30 Kilometern erreicht. Mit reichweitengesteigerter Munition sind es sogar 40 Kilometer. Dabei können sechs Granaten so abgefeuert werden, dass sie gleichzeitig im Ziel einschlagen. Ebenso ist es möglich, Munition mit sogenannten tempierbaren Zündern, also Geschossen zu verschießen, die erst beim Aufschlag oder über dem Ziel detonieren.

Ein weiterer Vorteil der Panzerhaubitze 2000 ist das sie tragende gepanzerte Fahrzeug, das ein Reichweite von 420 Kilometern hat und auf der Straße eine Spitzengeschwindigkeit von 60 und im Gelände von 45 km/h erreicht, was ungefähr der Beweglichkeit eines Kampfpanzers entspricht. Auch hier kann der Standort nach dem Abschuss schnell gewechselt werden, um sich vor einem möglichen Konterbatteriefeuer zu schützen. Dank des panzerähnlichen Unterbaus kann die Panzerhaubitze 2000 auch in schwerem Gelände eingesetzt werden. Zudem ist sie in der Lage, Gewässer bis zu einer Tiefe von 1,1 Metern ohne Vorbereitung zu durchqueren. Bei eingeschalteter Tauchhydraulik sollen es sogar 1,5 Meter sein.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 27. April 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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