Politik
Im russischen Donezk protokollieren die Behörden Einschläge von Geschossen aus der Ukraine.
Im russischen Donezk protokollieren die Behörden Einschläge von Geschossen aus der Ukraine.(Foto: dpa)
Montag, 14. Juli 2014

"Unsere Geduld hat Grenzen": Russland droht mit Schlägen gegen Ukraine

Der ukrainische Präsident Poroschenko wirft Russland vor, Offiziere der russischen Armee in die Ukraine zu schicken. Russland droht derweil mit Vergeltungsschlägen für einen Beschuss aus der Ukraine am Wochenende.

Die russische Regierung erwägt offenbar eine militärische Reaktion auf den Beschuss von russischem Gebiet am Sonntag. Die russische Zeitung "Kommersant" zitierte eine Quelle aus dem Umfeld des Kreml mit den Worten, die russische Führung wisse genau, woher der Beschuss gekommen sei.

Tausende Menschen fliehen aus Donezk, die meisten von ihnen nach Russland.
Tausende Menschen fliehen aus Donezk, die meisten von ihnen nach Russland.(Foto: AP)

"Unsere Geduld ist nicht grenzenlos", sagte ein namentlich nicht genannter Insider aus der Umgebung des russischen Präsidialamtes dem Blatt. Eine größere Operation werde es jedoch nicht geben. Stattdessen seien zielgerichtete Schläge gegen die Stellungen möglich, von denen das Feuer gekommen sei.

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Föderationsrats, Jewgeni Buschmin, forderte am Sonntag, Russland müsse "zielgenaue Waffen" einsetzten, "so wie Israel und andere dies tun, um jene zu zerstören, die dieses Geschoss abgefeuert haben".

Am Wochenende war nach Behördenangaben in der russischen Kleinstadt Donezk (nicht zu verwechseln mit der namensgleichen ukrainischen Metropole) ein Russe getötet worden, nachdem sein Haus von einem Artilleriegeschoss getroffen war. Es war nicht das erste Mal, dass Geschosse aus der Ukraine russisches Territorium erreichten, aber das erste Mal, dass es dabei einen Toten gab.

Ein weiteres Geschoss schlug in einem nahegelegenen Haus ein und verletzte zwei Frauen. Nach Angaben des russischen Zivilschutzes wurden in der Stadt zudem mehrere Blindgänger gefunden. Sowohl die ukrainische Regierung als auch die prorussischen Milizen in den "Volksrepubliken" der Ostukraine bestritten, für den Beschuss verantwortlich zu sein.

Poroschenko: Russische Offiziere an Kämpfen beteiligt

Unterdessen warf der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Russland eine direkte Beteiligung an den Kämpfen in der Ostukraine vor. Offiziere der russischen Armee kämpften auf Seiten der Separatisten auf ukrainischem Territorium, erklärte Poroschenko auf der Internetseite des ukrainischen Präsidialamts. Außerdem sei in den vergangenen drei Tagen ein neues russisches Raketensystem gegen die ukrainische Armee eingesetzt worden.

Unterdessen durchbrachen die Regierungstruppen nach eigenen Angaben die Blockade des Flughafens von Lugansk. Kampfflugzeuge hätten den Separatisten dabei schwere Verluste zugefügt. Auch ein Konvoi bewaffneter Fahrzeuge sei beschossen worden, der nach Darstellung der Regierung von Russland aus die Grenze überquert hatte. Das ukrainische Präsidialamt erklärte, es werde ausländischen Diplomaten Beweise dafür vorlegen, dass Militärtechnik von Russland aus zu den Separatisten gebracht worden sei.

Die Rebellen sagten der russischen Nachrichtenagentur Interfax, 30 ihrer Kämpfer seien beim Beschuss der Ortschaft Alexandriwka im Osten von Lugansk ums Leben gekommen. Am Wochenende hatte die ukrainische Regierung mitgeteilt, ihre Streitkräfte hätten 1000 Separatisten getötet. In den vergangenen Wochen haben beide Seiten Propagandameldungen lanciert, um den Gegner zu diskreditieren und die eigene Position in einem besseren Licht darzustellen.

Die jüngste Offensive der Regierungstruppen war nach einem Raketenangriff auf Armee-Einheiten gestartet worden, bei dem nach Regierungsangaben 23 Soldaten starben. Poroschenko, der anfangs wegen der Gefahren für die Zivilbevölkerung Luftangriffe ausgeschlossen hatte, befahl sie nach diesem Angriff und kündigte an: "Für das Leben jedes Soldaten werden die Aufständischen mit Dutzenden und Hunderten ihrer Leben bezahlen."

Quelle: n-tv.de