Politik
Sonntag, 15. November 2009

Sozialistische Internationale zufrieden: "SPD wird zu alter Größe zurückfinden"

Nach dem SPD-Parteitag in Dresden sieht die Sozialistische Internationale die Partei gut gerüstet. "Die SPD ist jetzt wieder frei von den Konservativen und wird zu ihrer alten Größe zurückfinden", sagt der Generalsekretär der SI, Luís Ayala, im Gespräch mit n-tv. Dies sei auch für Sozialisten in anderen Ländern sehr wichtig. Schließlich strahle das Beispiel der SPD aus.

n-tv: Herr Generalsekretär, wie beurteilen Sie die Impulse, die von diesem Parteitag für die künftige Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie ausgehen?

Der Chilene Ayala ist Generalsekretär der Sozialistischen internationale (SI). Von 1973 bis 1975 war er schon Vorsitzender der SI-Jugendorganisation.
Der Chilene Ayala ist Generalsekretär der Sozialistischen internationale (SI). Von 1973 bis 1975 war er schon Vorsitzender der SI-Jugendorganisation.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Luís Ayala: Wissen Sie, ich habe damals, als junges Mitglied der Sozialistischen Partei Chiles, ein paar Mal Gelegenheit zu Gesprächen mit Willy Brandt gehabt. So traf ich ihn auch, als 1969 die damalige Große Koalition zu Ende ging. Danach konnte die SPD wieder an Stärke gewinnen und eine sozialliberale Koalition bilden. Die SPD ist jetzt wieder frei von den Konservativen und wird zu ihrer alten Größe zurückfinden. Das ist auch für uns als Sozialistische Internationale sehr wichtig; die SPD ist eine unserer größten Mitgliedsparteien, ihr Beispiel strahlt aus.

Ist die SPD nach der Rede von Sigmar Gabriel dafür richtig aufgestellt?

Ich meine, ja. Wir haben es mit einer globalisierten Welt zu tun, in der es starke gegenseitige Abhängigkeiten gibt. Wir Sozialdemokraten haben eine globale Vision. Wir wollten schon immer nicht nur unser jeweiliges Land verändern, sondern die Welt. So etwas können die Konservativen nicht. Sehen Sie sich die britischen Tories an. Die sind nicht einmal fähig, in europäischen Dimensionen zu denken und zu handeln. Die Sozialdemokraten sind international auf dem Vormarsch. In zwölf Ländern Afrikas sind Mitgliedsparteien  der Sozialistischen Internationale an der Regierung. In vielen Ländern Lateinamerikas sind sozialdemokratische Parteien in der Regierung vertreten.

In Lateinamerika hat sich ein Linksruck vollzogen. Wie stehen Ihre Mitgliedsparteien in Lateinamerika dazu?

Unser Ziel ist mehr soziale Gerechtigkeit. Dafür ist Lateinamerika eigentlich gut gerüstet. Uns hat die internationale Finanzkrise weniger hart getroffen. Auch die Realwirtschaft hat sich seit 2003 gut entwickelt. Wir Sozialdemokraten sind vielfach Protagonisten, wenn es darum geht gerechtere Lebensverhältnisse zu schaffen und die politischen Verhältnisse zu stabilisieren, denn dieser Linksruck ist vielfach mit Demokratiedefiziten verbunden.

Die große Frage: Wie geht es weiter unter Gabriel?
Die große Frage: Wie geht es weiter unter Gabriel?(Foto: dpa)

 

Was bedeutet dies konkret?

Wir müssen in der Praxis immer wieder die Wahrung der Demokratie auf die Agenda setzen. Natürlich sind die Bedingungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich, die politischen Strukturen  sind verschieden. Nehmen Sie die Lage in Venezuela, die völlig anders ist als beispielsweise die in Nicaragua. Aber es ist gut, dass wir darüber diskutieren und diskutieren können. Wir wollen ein demokratisches, politisch und ökonomisch starkes Lateinamerika, das die globalisierte Welt mitgestaltet.

 

 

 

Quelle: n-tv.de