Politik

Mehrheit glaubt an Koalitions-Aus Schwarz-Gelb wackelt weiter

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Merkel muss nach Meinung der Deutschen jetzt aufwachen.

(Foto: APN)

Nach der verkorksten Bundespräsidentenwahl teilt sich die Meinung der Deutschen. Die Mehrheit glaubt an den neuen ersten Bürger Wulff - der schwarz-gelben Koalition hingegen wird keine lange Zukunft mehr bescheinigt. In der Union wird derweil um Merkel und ihre Führungskraft diskutiert.

Die Deutschen sehen die Zukunft der schwarz-gelben Regierungskoalition äußerst kritisch. 68 Prozent sind laut einer ARD-Umfrage der Ansicht, dass es bei der Bundepräsidentenwahl eine "Blamage für Angela Merkel war, dass Wulff so viele Stimmen aus dem eigenen Lager nicht bekommen hat". Drei Viertel (77 Prozent) denken, dass "Angela Merkel ihre Regierungskoalition nicht mehr richtig im Griff hat". 62 Prozent sind der Ansicht, dass "die Koalition aus Union und FDP nicht mehr lange halten wird". Lediglich 31 Prozent sind der Ansicht, dass "jetzt, nachdem der Bundespräsident gewählt ist, der Bundesregierung ein Neustart gelingen wird".

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus warnte unterdessen die schwarz-gelbe Koalition, die Führungskraft von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel infrage zu stellen und löste damit umgehend eine Debatte darüber aus.

Jugend punktet

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Das Vertrauen in den neuen Präsidenten ist da.

(Foto: dpa)

58 Prozent äußerten in der Umfrage die Meinung, dass "am Ende mit Wulff der richtige Kandidat gewählt worden ist". Nur 35 Prozent finden, dass "Joachim Gauck der bessere Präsident gewesen wäre". Mehr als drei Viertel der Befragten (79 Prozent) finden es gut, "dass diesmal ein jüngerer Kandidat in das Amt gewählt wurde".

72 Prozent meinen, dass Christian Wulff ein guter Bundespräsident wird. Nur 13 Prozent verneinen das. 82 Prozent halten ihn für sympathisch, 74 Prozent für glaubwürdig und 66 Prozent für volksnah. 80 Prozent sind der Meinung, dass Wulff Deutschland in der Welt gut vertreten kann. 64 Prozent denken, dass Wulff mit den Problemen der Bürger vertraut ist. 54 Prozent finden, dass Wulff die richtigen Themen anspricht. Dass Wulff über den Parteien stehen wird, glaubt allerdings weniger als die Hälfte der Deutschen (47 Prozent).

SPD legt zu, FDP stagniert

In der Sonntagsfrage gewinnt die Union gegenüber Mitte Juni einen Punkt hinzu und kommt auf 33 Prozent. Die SPD kann ebenfalls um einen Punkt zulegen und erreicht 30 Prozent. Dies ist der beste Wert für die SPD seit Februar 2008. Die FDP liegt unverändert bei fünf Prozent. Die Grünen erreichen wieder 17 Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und kommt auf zehn Prozent.

CDU-Politiker Mappus sagte der "Bild"-Zeitung: "Wenn einer die CDU vollends in die Krise stürzen will, muss er jetzt eine Führungsdebatte um Bundeskanzlerin Merkel führen." Die Koalition dürfe so nicht weitermachen. "Wir brauchen mehr Mannschaftsgeist."

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, allen Beteiligten sei klar, dass die Bürger und auch die Anhänger der Koalitionsparteien ein ruhiges, konzentriertes Regieren erwarteten. Die Regierung sei sich der Verantwortung in einer insgesamt schwierigen Lage für Deutschland und Europa bewusst und werde auch danach handeln. Bundesbildungsministerin und CDU-Vize Annette Schavan sagte im SWR, die Regierung müsse ihre Arbeit überprüfen und die einzelnen Mitglieder müssten besser als bisher zusammenarbeiten. "Die Koalition ist in der Bewährungsprobe."

Sacharbeit "das Gebot der Stunde"

Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach sagte dem MDR, es gebe in der Koalition drei sehr selbstbewusste und selbstständige Parteien mit drei Vorsitzenden. "Wenn die Akteure selber nicht gewillt sind, eng und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, hat es die Kanzlerin schwer. Und wir dürfen ihr die Arbeit nicht noch schwerer machen, als sie ohnehin ist. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, eine Koalition funktioniere so, "dass man gut zusammenarbeitet, dass man gut übereinander redet und dass die Kritik von der Opposition ausgeübt wird."

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) warnte im "Hamburger Abendblatt" die Koalition davor, nach den Abweichlern bei der Bundespräsidenten-Wahl zu suchen. "Die Menschen erwarten, dass die Koalition, der der Wähler den Regierungsauftrag gegeben hat, geschlossen auftritt und die Probleme des Landes löst." Sacharbeit sei "das Gebot der Stunde".

Quelle: ntv.de, dpa

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