Politik

Holocaust-Gedenkstätte als Ziel? Selenskyj: Russland will Ukraine "auslöschen"

Die Schlucht von Babyn Jar führte im Zweiten Weltkrieg zum Tod von mehr als 33.000 ukrainischen Juden. Heute wird die Gedenkstätte beinahe zum Ziel eines russischen Angriffs. Der ukrainische Präsident Selenskyj wirft Russland vor, die ukrainische Geschichte auslöschen zu wollen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland nach einem Luftangriff nahe einer Holocaust-Gedenkstätte in Kiew vorgeworfen, die Ukraine "auslöschen" zu wollen. Der Beschuss zeige, dass "für viele Menschen in Russland unser Kiew völlig fremd ist", sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. "Sie wissen nichts über unsere Hauptstadt. Über unsere Geschichte. Aber sie haben den Befehl, unsere Geschichte auszulöschen. Unser Land auszulöschen. Uns alle auszulöschen."

Selenskyj, der selbst Jude ist, rief Juden in aller Welt auf, ihre Stimme zu erheben. "Seht ihr nicht, was hier geschieht? Deshalb ist es sehr wichtig, dass Millionen Juden auf der ganzen Welt jetzt nicht schweigen", sagte er. "Der Nazismus wird im Schweigen geboren."

"An die Welt: Was nützt es, 80 Jahre lang "nie wieder" zu sagen, wenn die Welt stumm bleibt, wenn eine Bombe auf die Stätte von Babyn Jar fällt?", schrieb Selenskyj auf Twitter. "Erneut ermorden diese Barbaren die Opfer des Holocaust!"

Die russische Armee hatte am Dienstag einen Fernsehturm in Kiew beschossen und dabei fünf Menschen getötet. Der Turm steht in der Nähe der Schlucht von Babyn Jar und der Gedenkstätte zur Erinnerung an ein dort von der Wehrmacht verübtes Massaker an jüdischen Ukrainern im Zweiten Weltkrieg.

Nach Informationen der Museumsleitung ist ein Gebäude in unmittelbarer Nähe der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar beschädigt worden. Das betroffene Gebäude sei zu Zeiten der Sowjetunion als Sportzentrum gebaut worden und sollte jetzt Teil der Gedenkstätte werden, sagte Nathan Scharanski, Leiter des Aufsichtsrats der Gedenkstätte. Es sei nun durch einen Brand beschädigt worden, das genaue Ausmaß sei aber noch unklar. Scharanski ist selbst nicht vor Ort.

In der Schlucht Babyn Jar erschossen SS-Kommandos am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 ukrainische Juden. Bis 1943 wurden in dem Gebiet bis zu 100.000 Menschen getötet - Juden, Roma und sowjetische Kriegsgefangene.

Quelle: ntv.de, cls/AFP/dpa

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