Politik
Nie wieder Seelenfrieden am Patriots' Day in Boston.
Nie wieder Seelenfrieden am Patriots' Day in Boston.(Foto: AP)
Dienstag, 16. April 2013

Bombenanschläge von Boston: Sohn umarmte Vater. Dann starb er.

Die Bombenanschläge von Boston schockieren die Vereinigten Staaten. Drei Menschen sterben bei zwei Explosionen. Darunter ist ein kleiner Junge. Die Geschichte seines Todes zeigt die Perfidie des Anschlags besonders eindringlich.  

Eines der drei Todesopfer bei den Bombenanschlägen von Boston war erst acht Jahre alt. Der kleine Junge starb, weil er zu seinem Vater gelaufen war, als der über die Ziellinie gelaufen war. So erzählt es der amerikanische Journalist Kevin Cullen im "Boston Globe".

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Der Vater des Jungen sei dann weitergelaufen, der Junge zu seiner Mutter und seiner kleinen Schwester zurückgegangen, die auf dem Bürgersteig gewartet hätten. Dann detonierte die Bombe. Der Junge wurde getötet, der Schwester wurde durch die Wucht der Explosion ein Bein weggerissen, die Mutter ist schwer verletzt.  

Aus Cullens Zeilen spricht die Bestürzung und die Trauer der Amerikaner über die Tragödie an diesem bis zum Anschlag so perfekten Tag. Für den Journalisten aus Boston geht die Bedeutung des Attentats weit über den Tag hinaus. Er vergleicht den Tag mit dem 11. September 2001.

"Es wäre falsch und ein Klischee zu sagen, dass wir unsere Unschuld am Montagnachmittag verloren haben … Wir haben unsere Unschuld an einem anderen perfekten Tag, im September vor zwölf Jahren, verloren. Aber am Montag haben wir auch etwas verloren, und das ist der Glaube, dass wir uns in dieser Stadt jemals wieder völlig sicher fühlen können."

"Wir brauchen Antworten"

Besonders schockierend findet Cullen das Datum des Anschlags - ausgerechnet am "Patriots' Day", an dem Menschen aus der ganzen Welt Boston besuchen und die Stadt bunter ist, als an jedem anderen Tag im Jahr. Doch dieses Datum, das an die ersten Schlachten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erinnert, könnte genau deswegen ausgewählt worden sein. Bloß von wem? Ermittler halten sowohl einen islamistischen als auch einen rechtsradikalen Hintergrund für möglich.

Cullen  beschreibt die Ratlosigkeit nach dem Anschlag. "Die Polizisten, mit denen ich sprach, schüttelten den Kopf. Es könnte jeder gewesen sein. Ein Täter aus dem Ausland. Aus dem Inland. Könnte Al-Kaida gewesen sein. Könnten heimische Verrückte gewesen sein." Ein junger Mann aus Saudi-Arabien soll verhaftet worden sein. Er war weggerannt, nachdem die Bomben hochgegangen waren.  Er bestritt, etwas mit den Anschlägen zu tun zu haben - er sei nur wie alle anderen erschrocken gewesen.

Dass Präsident Barack Obama die Bürger aufgerufen hat für Boston zu beten, genügt Cullen nicht. "Wir brauchen Antworten", schreibt er. "Um unseren Seelenfrieden wiederzufinden, den wir nie wieder am Patriots' Day haben werden."

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Quelle: n-tv.de

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