Politik

Enttäuschung über Impfgipfel Spahn warnt vor "harten Wochen der Knappheit"

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Der Impfstoff wird noch ein paar Monate knapp bleiben, sagt Spahn.

(Foto: dpa)

Die Ergebnisse des Impfgipfels sorgen bei Oppositionspolitikern wie Habeck und Lindner für Enttäuschung. Der Gesundheitsminister warnt vor "harten Wochen" und der Biontech-Chef erklärt, warum er nicht mehr Impfstoff liefern kann.

Trotz des angekündigten Nachschubs der Hersteller sieht Gesundheitsminister Jens Spahn keine schnelle Entspannung bei den Corona-Impfstoffen. Beim "Impfstoffgipfel" sei allen Teilnehmern klargeworden, dass es in diesem ersten Quartal bis in den April hinein noch "harte Wochen der Knappheit" geben werde, sagte der CDU-Politiker am Montagabend in der ARD. "Das lässt sich nicht schneller beschleunigen, übrigens auch mit Geld nicht", hätten die Hersteller klargemacht. Geld sei nicht der begrenzende Faktor.

Erst im zweiten Quartal werde es nennenswert mehr Impfstoff geben. Die Hersteller produzierten gerade von der Hand in den Mund. "Die Rohstoffe kommen an, sie werden produziert, es geht direkt in die Auslieferung. Da ist kein Lagerbestand", sagte Spahn. In einer solchen Phase könne jede kleine Pumpe, die ausfalle, gleich zu einer Verzögerung führen, die die Bürger sehr schmerzhaft erlebten, wenn Impftermine nicht angeboten werden könnten. Der Gesundheitsminister sagte, dass jeder, der geimpft werden wolle, im Sommer seine erste Impfung bekommen solle. Spahn erinnerte daran, dass etwa beim Astrazeneca-Impfstoff neun bis zwölf Wochen bis zur zweiten Impfung vergehen sollen.

Der Minister machte deutlich, dass er wenig von einer erzwungenen Zusammenarbeit von Herstellern hält, um Impfstoff-Mengen zu steigern. "Es wird ja viel kooperiert und immer mehr kooperiert." Freiwillige Kooperationen und Technologie-Transfers seien besser als jeder Zwang. "Zwang in aller Regel kann nur so viel erreichen wie gute Kooperation", sagte Spahn weiter.

Sahin: Können gar nicht anders

Biontech-Chef Ugur Sahin sagte in der ARD, die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. "Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern", erklärte er. "Wir haben auch keine vollen Lagerstätten. Alles, was wir produzieren, wird de facto sofort ausgeliefert." Wenn es zu einer Verzögerung komme wegen eines Problems, schlage das sofort durch. "Dementsprechend können wir gar nicht anders, als dass wir kurzfristige Veränderungen auch nur kurzfristig kommunizieren können."

Nach dem Corona-Impfgipfel von Bund und Ländern zeigte sich Grünen-Vorsitzender Robert Habeck enttäuscht von den Ergebnissen. "Das Erwartungsmanagement ist in den Keller gefahren worden", sagte Habeck am frühen Morgen in der ARD. Der Gipfel am Montag hätte eine "Strategie erklären" sollen - es sei aber nur bei der Ankündigung einer Strategie geblieben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bemängelte nach dem Impfgipfel erneut die weiter fehlende Planungssicherheit bei den Corona-Impfungen. "Zurzeit haben wir nur Planungsdaten bis zum 20. Februar - und das reicht nicht, um den Menschen längerfristige Angebote zu machen", sagte Schwesig am Montagabend in Schwerin.

Gros der Dosen kommt erst noch

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte das Ergebnis des Impfgipfels von Bund, Ländern und Pharmakonzernen als "leider enttäuschend". Bislang sei es nicht gelungen, den Rückstand gegenüber anderen Ländern wegen der unzureichenden Bestellungen aufzuholen, sagte Lindner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Aus den langsamen Fortschritten dürfe sich aber kein Dauer-Lockdown bis zum Sommer ergeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor ihre Zusage erneuert, dass bis zum Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden solle. Deutlich höhere Impfstoff-Lieferungen nach Deutschland stellte sie nach dem Impfgipfel allerdings erst für die kommenden Quartale in Aussicht. Für das laufende Quartal rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit rund 18,3 Millionen Dosen der Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Für das zweite Quartal werden 77,1 Millionen Dosen vorausgesagt, für das dritte 126,6 Millionen und für das vierte Quartal 100,2 Millionen Dosen.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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