Der Fall Christina NytschSpeichelprobe 3889 führt zum Mörder
Der Sexualmord an Christina Nytsch im März 1998 löste den größten Gentest in der deutschen Kriminalgeschichte aus. Per Speicheltest wurde der Mörder der damals Elfjährigen zweieinhalb Monate nach der Tat überführt. Ronny Rieken, der für seine Tat zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, konnte per DNA-Analyse die Vergewaltigung und der Mord an einem weiteren Mädchen nachgewiesen werden.
Allerdings stand der Gentest am Ende einer Täterprofilerstellung. Nur durch die Eingrenzung des möglichen Wohnortes und Alters ging es es überhaupt, eine DNA-Reihenuntersuchung ins Auge zu fassen. Und die Vorgehensweise gab den Ermittlern recht. Christinas Mörder stammte aus dem Nachbarort und war bereits wegen einer Vergewaltigung vorbestraft.
Etwa vier Wochen nach der Tat hatte die Polizei alle Männer zwischen 18 und 30 Jahren aus den über das "Profiling" ausgewählten zwölf Gemeinden in Niedersachsen zu einem Speicheltest aufgefordert. Rund 18.000 Männer folgten dem Aufruf. Laut Polizei war der Fahndungsdruck so groß, dass sich auch der Täter nicht entziehen konnte.
Beim Speicheltest wird ein Abstrich von der Mundschleimhaut genommen. Die Auswertung der Proben dauerte zwei Monate. Das LKA-Labor in Berlin übernahm einen Teil der Arbeit und wurde fündig. Probe 3889 war die des Mörders. Ein zweiter Gentest beim LKA in Hannover stützte das Ergebnis.
Zudem konnten die Ermittler dem Beschuldigten Ronny Rieken eine zweite Tat nachweisenm. Seine Probe stimmte auch mit der des Mörders der 1996 getöteten elfjährigen Ulrike Everts überein. Rieken führte die Ermittler selbst noch zu den Überresten der Leiche des Mädchens.
Der dreifache Familienvater wurde am 27. November 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt