Politik

Westerwelle scheitert in Bonn "Stimmenkönig" Guttenberg

Während Wirtschaftsminister zu Guttenberg seinen Wahlkreis mit einem rekordverdächtigen Stimmanteil gewinnt, muss Strahlemann Guido Westerwelle zumindest in seiner Heimat der SPD den Vortritt lassen. Auch andere Polit-Stars standen zur Wahl - mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

Germany__Elections_CDU144.jpg7034909288362736516.jpgBundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Heimatwahlkreis bei der Bundestagswahl nicht nur souverän verteidigt, sondern auch Stimmenzuwächse erzielt. Ersten Hochrechnungen zufolge erreichte die CDU-Chefin im Wahlkreis 15 (Stralsund-Nordvorpommern-Rügen) 49,1 Prozent der Erststimmen und damit rund acht Prozentpunkte mehr als 2005.

Merkel trat 1990 erstmals in dem Ostsee-Wahlkreis an und erreichte damals 48,5 Prozent der Stimmen.

Guttenberg siegt haushoch

2mn94212.jpg4162859193519858139.jpgBundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewann seinen Bundestagswahlkreis haushoch. Im oberfränkischen Wahlkreis Kulmbach kam der 37-jährige CSU-Politiker auf 68,1 Prozent Zustimmung. Damit holte er bei seiner dritten Kandidatur für den Bundestag sein bisher bestes Ergebnis.

Ob Guttenberg womöglich auch deutschlandweit "Stimmenkönig" geworden ist, steht noch nicht fest, da noch nicht alle Wahlkreise ausgezählt waren. Bei der Bundestagswahl 2005 hatte der CSU-Mann Ernst Hinsken im niederbayerischen Straubing mit 65,0 Prozent den bundesweit besten Prozentwert geholt. Hinsken kam diesmal nur auf 55,4 Prozent Zustimmung.

Von der Leyen geschlagen

2mn33853.jpg7078743935851187252.jpgBundesfamilienministerin Ursula von der Leyen verpasste dagegen ein Direktmandat. Die CDU-Politikerin musste sich in ihrem Wahlkreis Hannover II der früheren Bundesministerin Edelgard Bulmahn von der SPD geschlagen geben.

Bulmahn lag nach der Auszählung von 469 von 478 Bezirken mit 39,7 Prozent der Stimmen klar vorne. Von der Leyen kam auf 31,9 Prozent der Stimmen. Sie zieht aber als Nummer eins der CDU-Landesliste in den Bundestag ein. Von der Leyen hatte sich zum ersten Mal um ein Direktmandat beworben.

Wermutstropfen für Westerwelle

2mna1135.jpg2250152524483915814.jpgDieses Ziel verfehlte FDP-Chef Guido Westerwelle: In seinem Heimatwahlkreis in Bonn erhielt er "nur" 19,1 Prozent der Erststimmen und damit kein Direktmandat. Gegenüber 2005 konnte er allerdings ein deutliches Plus von über 10 Prozentpunkten verbuchen.

Bei den Zweitstimmen gab es allen Grund zur Freude: Trotz bisher zweitniedrigster Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl in Bonn verbesserten sich Westerwelles Liberale auf 19,1 Prozent und lagen damit deutlich vor Grünen und Linken. Das Bonner Direktmandat holte sich erneut der SPD-Abgeordnete Ulrich Kelber mit 33,4 Prozent.

Jung nimmt SPD-Kandidaten Mandat ab

jung.jpgBundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat seinen Wahlkreis im hessischen Groß-Gerau knapp gewonnen. Jung erhielt 36,3 Prozent der Stimmen und lag damit knapp vor dem SPD-Kandidaten Gerold Reichenbach, auf den 36,0 Prozent der Stimmen entfielen.

Jungs Vorsprung betrug damit 435 Stimmen. Bei der vergangenen Bundestagwahl im Jahr 2005 hatte Reichenbach den Wahlkreis noch mit einem deutlichen Vorsprung und 47,1 Prozent der Stimmen gewonnen.

Enge Entscheidung für Steinmeier

APTOPIX_Germany_Elections_CBE209.jpg3370604087146508180.jpgSPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat seinen Wahlkreis knapp gewonnen. Steinmeier kam auf 32,6 Prozent der Erststimmen und lag in seinem brandenburgischen Wahlkreis vor der Linken-Kandidatin Diana Golze, die 29,4 Prozent der Stimmen erhielt, wie der brandenburgische Landeswahlleiter mitteilte.

Steinmeier hatte bisher dem Bundestag nicht angehört. Der SPD-Kanzlerkandidat schnitt aber deutlich schlechter ab als seine Vorgänger-Kandidatin Margrit Spielmann bei der Bundestagswahl 2005. Die SPD-Politikerin hatte über 40 Prozent der Stimmen erhalten und den Wahlkreis westlich von Berlin mit großem Vorsprung gewonnen.

Gabriel verliert sieben Prozentpunkte

2ml62537.jpg62481809571582382.jpgBundesumweltminister Sigmar Gabriel gewann seinen Wahlkreis. Der SPD-Politiker holte im Wahlkreis Salzgitter/Wolfenbüttel nach der Auszählung von 337 der 347 Bezirke 45,1 Prozent der Stimmen. Er verlor damit im Vergleich zur Wahl 2005 aber mehr als sieben Prozentpunkte. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident war nicht über die Landesliste abgesichert, weil er nur einen hinteren Listenplatz eingenommen hatte.

Schmidt unterliegt Klinikärzte-Chef

Schmidt.jpgDuell der Gesundheitsexperten: Die bisherige SPD- Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ihr Direktmandat in Aachen ausgerechnet gegen Klinikärzte-Präsident Rudolf Henke (CDU) verloren. Schmidt unterlag nach Angaben der Stadt mit knapp 30 Prozent der Stimmen klar gegen den Vorsitzenden des Marburger Bundes, der auf 39,5 Prozent kam.

Abgesichert auf Platz vier der NRW- Landesliste, muss Schmidt aber wohl nicht um den Einzug in den Bundestag fürchten. Für den NRW-Landtagsabgeordneten Henke war der Kampf um das Direktmandat in Aachen die einzige Chance auf ein Bundestagsmandat. Schmidt verlor im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 mehr als zehn Prozentpunkte.

Steinbrück geschlagen

2mna3306.jpg384858984168404737.jpgSein Amt als Bundesfinanzminister wird Peer Steinbrück abgeben müssen. Und auch beim Kampf um ein Direktmandat war dem SPD-Politikerkein Glück beschieden. Im Wahlkreis Mettmann-Süd unterlag Steinbrück nach Angaben der Stadt klar mit 33,8 Prozent gegen die CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll. Die Rechtsanwältin kam auf 44,4 Prozent.

Steinbrück war erst vor zwei Jahren als Kandidat für den Wahlkreis aufgestellt worden. Auf der NRW-Landesliste ist er aber mit Platz drei abgesichert und wird wohl in den Bundestag einziehen.

Schreiner nach 19 Jahren abgewählt

2mkh4129.jpg9032584802267017831.jpgDie SPD-Linken Ottmar Schreiner und Andrea Nahles ihre Direktmandate verpasst. Schreiner verlor nach 19 Jahren seinen Wahlkreis Saarlouis. Er kam auf 32,9 Prozent der Erststimmen und musste sich damit dem Spitzenkandidaten der Saar-CDU, Peter Altmaier, geschlagen geben.

Im Wahlkreis Ahrweiler erreichte Nahles als Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen SPD 24,9 Prozent, wie der Landeswahlleiter in Bad Ems mitteilte. Dort gewann CDU-Kandidatin Mechthild Heil. Nahles hatte auch bei der Bundestagswahl 2005 den Kampf um das Direktmandat in ihrem Wahlkreis verloren.

Vier Linke-Direktmandate in Berlin

Germany_Elections_TKI102.jpg7745066130733133192.jpgDie Linke konnte unterdessen in Berlin vier Direktmandate erringen. Der Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi (Treptow-Köpenick) sowie Petra Pau (Marzahn-Hellersdorf) und Gesine Lötzsch (Lichtenberg) verteidigten in ihren Wahlkreisen im Osten der Hauptstadt erneut die Mehrheit, sagte Berlins stellvertretende Landeswahlleiterin, Ulrike Rockmann. Stefan Liebich konnte sich in Pankow gegen den favorisierten SPD-Politiker Wolfgang Thierse durchsetzen.

Die Linke war in Berlin nach einer ersten Hochrechnung mit einem Zweitstimmenresultat von 21,6 Prozent zweitstärkste Kraft nach der CDU geworden. Bundesweit erzielte sie nach einer ARD-Hochrechnung 12,5 Prozent.

Ströbele gewinnt, Özdemir nicht drin

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele zieht zum dritten Mal in Folge per Direktmandat in den Bundestag. Nach Auszählung von rund 73 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Friedrichshain/Kreuzberg/Prenzlauer Berg-Ost lag Ströbele mit 47 Prozent uneinholbar vorn. Stärkste Konkurrentin war die Kandidatin der Linken, Halina Wawzyniak. Auf sie entfielen 17,9 Prozent der Stimmen. Bei der Bundestagswahl 2005 hatte Ströbele das einzige Direktmandat für die Grünen errungen.

2mn23204.jpg8570872405546625753.jpgDer Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir verpasste dagegen den Sprung in den Bundestag. Im Wahlkreis Stuttgart I holte er 29,9 Prozent der Erststimmen. Damit lag er 4,5 Prozentpunkte hinter dem Christdemokraten Stefan Kaufmann. Der Wirtschaftsanwalt errang mit 34,4 der Stimmen das Direktmandat. SPD-Landeschefin Ute Vogt landete mit 18,0 Prozent auf Platz drei. Während Vogt über die Landesliste in den Bundestag kommt, ist Özdemir nicht abgesichert. Mit seiner Bewerbung um einen Listenplatz war er im vergangenen Herbst gescheitert. "Ich will 2013 nochmal antreten", kündigte er nun an.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema