Politik

Tote am Nakba-Tag Sturm auf Israels Grenzen

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Der Grenzdurchbruch ist der erste massive Zwischenfall seit 1973.

(Foto: AP)

Von Syrien, dem Libanon und dem Gazastreifen aus überrennen Palästinenser am sogenannten Nakba-Tag die Grenzen zu Israel. Mehr als 20 Palästinenser kommen dabei ums Leben. Am überraschendsten ist der Ansturm auf den Golanhöhen zwischen Syrien und Israel. Eine spontane Grenzüberquerung ist hier kaum möglich.

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Demonstranten rücken von Syrien aus auf Madschdal Schams vor. Im Vordergrund israelische Grenzsoldaten.

(Foto: AP)

Beim Sturm auf Israels Grenzen sind am sogenannten Nakba-Tag mehr als 20 Palästinenser getötet und Dutzende verletzt worden. Erstmals seit Jahrzehnten durchbrachen tausende Zivilisten von Syrien aus die streng bewachte Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Dabei kamen nach unbestätigten Angaben des israelischen Rundfunks mindestens zehn Menschen ums Leben.

Im südlichen Libanon wurden ebenfalls zehn Palästinenser von israelischen Soldaten getötet, 70 weitere verletzt. Auch im Gazastreifen gab es unter Demonstranten einen Toten und Dutzende Verletzte. An Militärsperren im Westjordanland und in Ost-Jerusalem kam es zu heftigen Krawallen.

Die Palästinenser gedenken am Tag der Nakba (Katastrophe) der Flucht und Vertreibung hunderttausender Araber aus dem historischen Palästina nach der israelischen Staatsgründung von 1948. Die neue Welle der Gewalt begann am Sonntagmorgen, als ein arabischer Lastwagenfahrer in Tel Aviv einen Israeli tötete und 17 weitere verletzte. Die Polizei geht der Frage nach, ob der 22-Jährige sein Fahrzeug in einem Wohnviertel im Süden der Stadt gezielt auf Passanten und Autos gelenkt hatte.

Ansturm auf den Golan-Höhen

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Ansturm auf den Kontrollpunkt Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen.

(Foto: REUTERS)

Erstmals seit dem Nahostkrieg von 1973 kam es dann am frühen Nachmittag zu einer massiven Verletzung der hochgesicherten Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Tausende Palästinenser stürmten die Grenze und Dutzenden von ihnen gelang es sogar, bis in die nahe gelegene drusische Ortschaft Madschd al-Schams vorzudringen. Mehrere Dutzend Palästinenser wurden nach Angaben der Armee bei den Auseinandersetzungen verletzt und in israelischen Krankenhäusern behandelt. Bis zum Abend kehrten die meisten Demonstranten zurück nach Syrien.

Beobachtern zufolge wäre ein Sturm auf diese Grenze ohne Duldung der syrischen Behörden kaum möglich gewesen. Israelische Experten vermuten, dass Syriens Präsident Baschar al-Assad von seinen internen Problemen ablenken will, indem er die Grenze zu Israel "aufheizt". Gleichzeitig gilt es als unwahrscheinlich, dass er einen Krieg mit Israel riskiert. In Syrien protestieren derzeit Zehntausende gegen das Regime, das die Proteste bislang brutal unterdrückt.

Auch im südlichen Libanon überrannte eine Menge von Palästinensern Absperrungen der libanesischen Armee und warf Steine gegen israelische Soldaten. Die Israelis feuerten Tränengasgranaten und scharfe Munition auf die Demonstranten ab. Zehn von ihnen wurden getötet und 70 weitere verletzt, berichteten libanesische Quellen am Sonntag. Die Organisatoren brachen daraufhin die Kundgebung ab.

Tausende Palästinenser aus libanesischen Flüchtlingslagern waren an die israelische Grenze bei Marun al-Ras im Südlibanon geströmt. Sie forderten ein Ende der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel und das Rückkehrrecht für geflohene und vertriebene Palästinenser und ihre Nachfahren.

Ein Toter am Kontrollpunkt Eres

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Zusammenstöße zwischen Steinewerfern und Soldaten gab es auch bei Ramallah im Westjordanland.

(Foto: REUTERS)

Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten am Sonntag Absperrungen der dort herrschenden Hamas und drangen bis zu dem israelischen Eres-Kontrollpunkt vor. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten wurden nach Angaben von Sanitätern ein Mensch getötet und knapp 70 verletzt. Die meisten von ihnen hätten Schusswunden erlitten, hieß es. Etwa 15 seien von Granatsplittern getroffen worden.

Auch an einigen Militärsperren im Westjordanland und in Ost-Jerusalem kam es zu Krawallen. Am Kalandia-Grenzübergang bei Ramallah warfen palästinensische Demonstranten Steine auf Soldaten, diese setzten Tränengas gegen die Menge ein. An Ägyptens Grenze zum Gazastreifen blieb es am Sonntag hingegen ruhig. Die Behörden hatten bereits im Vorfeld Kundgebungen am Grenzübergang Rafah oder dessen Überquerung untersagt.

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas zum Nakba-Tag begann am Mittag in Ramallah. Tausende Menschen marschierten von dem Präsidentenamt zum zentralen Manara-Platz. Die Sirenen heulten im Gedenken an die palästinensischen Flüchtlinge, die vor 63 Jahren ihre Heimat verloren. Teilnehmer der Kundgebung trugen palästinensische und schwarze Flaggen. "Es gibt keine Alternative zur Rückkehr in die Heimat", hieß es in Schriftzügen. Einige Demonstranten trugen einen großen hölzernen Schlüssel als Symbol für den Wunsch nach Rückkehr in die verlorenen Häuser.

Hamas will Israel nicht anerkennen

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Aufmarsch in Nablus im Westjordanland.

(Foto: dpa)

Ismail Hanija, Führer der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, erklärte, er hoffe auf ein "Ende des zionistischen Projekts in Palästina". Hanija bekräftigte während einer Ansprache, seine Organisation werde den Staat Israel weiterhin nicht anerkennen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung: "Ich bedaure, dass es unter den israelischen Arabern und unseren Nachbarn Radikale gibt, die den israelischen Unabhängigkeitstag in einen Tag der Kriegshetze und des Zorns verwandeln." Am Abend erklärte er, Israel werde alles tun, um seine Souveränität zu verteidigen. "Wir hoffen, dass bald wieder Ruhe herrscht", sagte der Regierungschef.

Quelle: ntv.de, dpa

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