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Nordkorea macht Kaesong dicht Südkoreaner sollen nach Hause

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Die Transitstrecke zwischen Nord- und Südkorea ist in Richtung Norden gesperrt.

(Foto: REUTERS)

China reagiert zunehmend entnervt auf die Provokationen aus Nordkorea. Der letzte Verbündete kritisiert die Schließung eines Industriekomplexes in der nordkoreanischen Sonderwirtschaftszone Kaesong. Dort haben über 100 südkoreanische Firmen ihren Sitz und zehntausende Nordkoreaner einen Arbeitsplatz. Die Südkoreaner sollen jetzt nach Hause fahren und ihre Firmen zurücklassen.

Nordkorea hat die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong abgeriegelt und damit eine weitere Eskalationsstufe eingeläutet. Südkoreanern wurde der Zugang zu dem Industriekomplex auf nordkoreanischem Gebiet verwehrt. Die dort verbliebenen Arbeiter aus dem Süden sollten offiziellen Angaben zufolge ausreisen dürfen. Das einzige wirtschaftliche Kooperationsprojekt mit dem Süden ist für Nordkorea ein wichtiger Devisenbringer: Es spült dem kommunistischen Land jährlich rund zwei Milliarden Dollar in die Kassen.

China reagierte alarmiert: Der letzte verbliebene Verbündete Nordkoreas forderte ein Ende aller provokativen Schritte auf der Halbinsel. Die USA verschärften ihren Ton gegenüber der Führung in Pjöngjang und entsandten einen zweiten Zerstörer in die Region.

In den 123 Fabriken in Kaesong wurde trotz der Blockade offenbar weitergearbeitet. In den südkoreanischen Unternehmen sind rund 50.000 Arbeiter aus dem Norden beschäftigt. Dazu kommen mehrere Hundert Südkoreaner - zumeist Vorarbeiter und Manager. Nach Angaben der Regierung in Seoul befanden sich in der Nacht noch 800 Südkoreaner in dem Gewerbegebiet in unmittelbarer Nähe der weltweit am stärksten gesicherten Grenze. Nordkorea erlaubte ihnen die Ausreise, lediglich 36 von ihnen kehrten aber bislang in den Süden zurück. Südkorea hatte sich zunächst besorgt gezeigt, seine Staatsbürger könnten als Geiseln genommen werden.

Niemand lacht mehr

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Stattdessen warteten in der südkoreanischen Grenzstadt Paju Hunderte Arbeiter und Manager ungeduldig, nach Kaesong einreisen zu dürfen. "Das Vertrauen zwischen dem Norden und dem Süden bröckelt - auch bei den Kunden sinkt das Vertrauen", sagte Lee Eung Haeng, der eine Kleiderfabrik in Kaesong betreibt. In Lees Firma arbeiten 600 Nordkoreaner, die im Monat durchschnittlich 130 Dollar verdienen. Die nordkoreanischen Arbeiter hätten vermutlich schon geahnt, dass etwas im Argen liege, sagte der Südkoreaner Jang Sun Woo. "Sonst haben sie immer über meine Witze gelacht - diese Woche waren sie aber irgendwie anders."

Die Wirtschaftszone in Kaesong ist für beide koreanische Staaten von großer Bedeutung - für den Süden eher symbolisch, für den Norden auch wirtschaftlich. Dem verarmten Nordkorea mit seiner bisweilen hungernden Bevölkerung, seiner riesigen Armee und seinen Atomambitionen bringt der Industriekomplex dringend benötigte Devisen ein. Die Anlage wurde im August 2000 eröffnet als Musterbeispiel für die Kooperation zwischen den beiden koreanischen Staaten. Angesichts der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Nordens von dem Industriekomplex vermuteten einige Experten, dass die Abriegelung nicht von Dauer sein würde. Die Börse in Seoul reagierte mit Verlusten auf die Entwicklungen.

USA erkennen Nordkorea nicht als Atommacht an

Chinas Außenministerium reagierte mit Besorgnis auf die Blockade. Nordkoreas Ankündigung am Dienstag, die stillgelegte Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen, war von der Regierung in Peking ebenfalls mit Unverständnis quittiert worden. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich zuletzt massiv verschärft. So drohte Nordkorea dem Süden mit Angriffen und den USA mit einem atomaren Erstschlag.

US-Außenminister John Kerry erklärte bei einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Washington, die USA würden nicht akzeptieren, dass Nordkorea zur Atommacht werde. Die Haltung von Machthaber Kim Jong Un sei "provokativ, gefährlich und waghalsig". Die Entsendung von amerikanischen Tarnkappenbombern und Kriegsschiffen in die Region sei ein Signal, dass die USA hinter ihrem Verbündeten Südkorea stünden. Kerry wird in der kommenden Woche in Seoul erwartet.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP/dpa

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