Politik

Neue Kämpfe im jungen Staat Südsudan schlittert zurück in Bürgerkrieg

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Rauschsäulen steigen über Hauptstadt Juba auf.

AP

Fünf Jahre nach seiner Unabhängigkeit erfasst eine neue Welle der Gewalt den Südsudan. Die rivalisierenden Parteien um Präsident Kiir und seinem Vize Machar feuern seit vier Tagen wieder aufeinander. Appelle der Staatengemeinschaft verpuffen.

Der Südsudan droht auf einen neuen Bürgerkrieg zuzusteuern: Anhänger von Präsident Salva Kiir und dessen Stellvertreter Riek Machar lieferten sich in der Hauptstadt Juba erneut heftige Gefechte. Der UN-Sicherheitsrat rief die Konfliktparteien zum Stopp der Gewalt auf und forderte, das Friedensabkommen vom vergangenen Jahr einzuhalten. Die Gewalt trieb tausende Menschen in die Flucht.

Die Kämpfe zwischen den präsidententreuen Soldaten und den Ex-Rebellen um Machar hatten am Freitagabend begonnen. Auslöser war eine tödliche Auseinandersetzung an einem Kontrollposten am Tag zuvor gewesen. Am Freitagabend lieferten sich die verfeindeten Kämpfer Schusswechsel am Präsidentenpalast, als dort Kiir und der frühere Rebellenführer Machar zu einer Pressekonferenz zusammenkamen. Die Gewalt griff dann auf andere Viertel der Hauptstadt über.

Mehrere Hundert Menschen getötet

Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf das Gesundheitsministerium, allein am Freitag seien mindestens 270 Menschen getötet worden. Wie viele Tote seitdem hinzukamen, wurde zunächst nicht bekannt. Am Samstag, dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des Südsudan, hatten die Waffen geschwiegen, doch am Sonntag gab es erneut schwere Gefechte.

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Tausende Menschen sind auf der Flucht vor Gewalt.

(Foto: AP)

Nach einer nächtlichen Pause waren am Morgen in verschiedenen Stadtvierteln von Juba wieder Gefechtslärm und Explosionen zu hören. Augenzeugen sprachen von "sehr, sehr schweren Kämpfen". Auch Kampfhubschrauber und Panzer waren im Einsatz. Mindestens ein Hubschrauber feuerte eine Rakete ab. Unter anderem wurde in der Nähe des Flughafens gekämpft. Die USA kündigten an, ihr Botschaftspersonal weitgehend aus Juba abzuziehen. Das Auswärtige Amt riet Bundesbürgern zur Ausreise.

Viele Menschen auf der Flucht

In der ganzen Stadt verschanzten sich Bewohner in ihren Häusern. Andere flohen in ein UN-Camp, in dem bereits 28.000 Vertriebene untergebracht sind, oder in Kirchen. Die Hilfsorganisation World Vision teilte mit, tausende Menschen seien auch in Nachbarländer geflohen. Es gebe hunderte Tote. Offenbar habe es auch in anderen Städten des Landes Kämpfe gegeben. World Vision musste nach eigenen Angaben die Verteilung von Lebensmitteln in Juba aussetzen.

Der Südsudan hatte sich am 9. Juli 2011 nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg vom Sudan gelöst. Doch ein erbitterter Machtkampf zwischen Kiir und seinem Vize Machar mündete im Dezember 2013 in einen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf zehntausende Menschen getötet und fast drei Millionen vertrieben wurden. Rund fünf Millionen Menschen sind inzwischen im Südsudan auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

UN will Blauhelme verstärken

Auf Grundlage des Friedensabkommens vom August vergangenen Jahres stehen die einstigen Rivalen seit dem Frühjahr wieder gemeinsam an der Spitze des jungen Staates. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte in einer gestern verabschiedeten Erklärung die neuerlichen Kämpfe "auf das Schärfste" und mahnte zur Einhaltung des Friedensabkommens. Er forderte die "Länder in der Region" sowie die Afrikanische Union (AU) auf, sich bei den Rivalen für ein Ende der Krise einzusetzen. Heute Nachmittag wollen die Außenminister der Region in Nairobi über den Konflikt beraten.

Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich bereit, die Blauhelmmission Unmiss im Südsudan weiter aufzustocken. Das Gremium rief die Länder in der Region auf, wenn nötig weitere Soldaten für die Mission zur Verfügung zu stellen.

Nach UN-Angaben wurde bei den Gefechten in Juba ein chinesischer Blauhelmsoldat getötet, zwölf weitere UN-Soldaten seien verletzt worden. Wo sich Vizepräsident Machar aufhält, war unklar. Frankreichs Botschafter im Südsudan, Jean-Yves Roux, wies Gerüchte zurück, wonach er sich angeblich in der französischen Vertretung aufhielt.

Quelle: n-tv.de, shu/AFP

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