Politik

Anonymous knackt syrischen Mail-Verkehr Tipps für den Präsidenten

Die "amerikanische Psyche" könne leicht manipuliert werden, schreibt eine syrische Diplomatin ihrem Präsidenten zur Vorbereitung auf ein Interview mit einem US-Sender. Dieses Schreiben gehört zu hunderten E-Mails der syrischen Regierung, die Anonymous geknackt hat. Der Tipp nutzte Assad nichts: Mit dem Interview machte er sich lächerlich.

assad.PNG

Assad im Gespräch mit der US-Journalistin Barbara Walters.

(Foto: Screenshot)

Hunderte E-Mails aus dem Umfeld des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sind von der Hacker-Gruppe "Anonymous" geknackt worden. Das berichtet die israelische Zeitung "Haaretz", der die Mails nach eigenen Angaben vorliegen.

Das Blatt zitiert aus E-Mails zwischen Assads Medienberaterin Bouthaina Shaaban und einem weiblichen Presseattaché bei der syrischen UN-Vertretung, Sheherazad Jaafari. In dem Schriftwechsel ging es um die Vorbereitung eines Assad-Interviews mit der ABC-Moderatorin Barbara Walters, das im Dezember 2011 in Damaskus geführt wurde.

Unter anderem schrieb Jaafari an Shaaban: "Es ist von großer Bedeutung und sollte (in dem Interview) erwähnt werden, dass zu Beginn der Krise 'Fehler' gemacht wurden. Die amerikanische Psyche kann leicht manipuliert werden, wenn sie hören, dass 'Fehler' gemacht werden und dass wir jetzt dabei sind, das 'in Ordnung' zu bringen." (Im Original: "now we are 'fixing it'.")

"Fehler" nur Ausnahmen

Tatsächlich räumte Assad in dem Interview mehrfach "Fehler" ein. Dies seien jedoch "persönliche Fehler" gewesen, keine "Politik". So hätten Mitglieder der Sicherheitskräfte "in einigen Fällen" Maschinengewehre benutzt. Die Schuldigen seien bestraft worden. (Hier das vollständige Interview.)

Insgesamt bestritt Assad, dass seine Sicherheitskräfte Demonstranten töten würden: "Wir töten unser Volk nicht", sagte er, "keine Regierung auf der Welt tötet ihr eigenes Volk, es sei denn, sie wird von einem Verrückten angeführt." Auf den Hinweis der Journalistin, sie habe Bilder gesehen, die zeigten, dass Kinder festgenommen worden seien, entgegnete Assad: "Um ehrlich zu sein, Barbara, ich glaube Ihnen nicht."

"Im Gegensatz zu den USA"

Mit Blick auf damals aktuelle Aktionen der Occupy-Bewegung schrieb Presseattaché Jaafari, es sei auch sinnvoll, darauf hinzuweisen, was derzeit an der Wall Street passiere, "und die Art, wie die Demonstrationen von Polizisten, Polizeihunden und Prügel unterdrückt werden".

Jaafari empfahl weiterhin, dass Assad darauf hinweise, dass Syrien "im Gegensatz zu den USA" keine Folter anwende. Der Präsident könne auch das berüchtigte Gefängnis Abu Ghraib im Irak oder Hinrichtungen mit elektrischen Stühlen erwähnen.

Die amerikanische Psyche reagierte allerdings ganz anders als erhofft. Ein Kommentator der "Huffington Post" nannte den Assad-Auftritt "lächerlich", bei CNN wurde Assad als "verrückt" bezeichnet.

Passwort "12345"

Laut "Haaretz" wurden insgesamt 78 E-Mail-Konten von Assad-Mitarbeitern und Beratern geknackt. Einige davon hätten das Passwort "12345" gehabt. Auch E-Mails des Ministers für Angelegenheiten des Präsidenten, Mansour Fadlallah Azzam, seien geknackt worden.

"Haaretz" veröffentlichte auch E-Mails des linksgerichteten ehemaligen britischen Unterhausabgeordneten George Galloway an Assads Medienberaterin Shaaban. Darin bat er die Syrer um Unterstützung bei dem Versuch, die israelische Blockade des Gazastreifens mit Schiffen zu brechen. In einer dieser Mails vom 11. August 2011 - also lange nach Beginn des arabischen Frühlings - nannte Galloway Syrien "die letzte Burg der arabischen Würde".

Hacker offenbar aus Saudi-Arabien

"Haaretz" veröffentlichte bislang zwei Artikel über die Assad-Mails (hier Artikel eins und zwei). Bereits am 31. Januar hatte die Deutsche Presse-Agentur gemeldet, einem Hacker aus Saudi-Arabien sei es gelungen, Mails von Assad herunterzuladen. Die Nachrichtenagentur bezog sich auf einen Bericht der saudischen Zeitung "Al-Madina".

Demnach habe der Hacker namens Osama Salman al-Ansi Daten im Umfang von vier Gigabyte gestohlen, darunter Material, das zur Enthüllung etlicher "Skandale" beitragen könnte. Unter anderem gehe es dabei um die Rolle des Iran bei der Niederschlagung des Aufstandes in Syrien. Der Hacker habe dem Präsidenten eine Botschaft übermittelt, in der er ihm gedroht habe, die Informationen zu veröffentlichen, falls er die Gewalt gegen die Protestbewegung nicht einstellen sollte.

Quelle: n-tv.de, hvo/uws

Mehr zum Thema