Politik

Politische Klärung ist nötig Triage zwischen Geimpften und Ungeimpften?

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Auf den Intensivstationen landen derzeit vor allem Umgeimpfte.

(Foto: dpa)

Patient geimpft oder nicht - soll das bei überlasteten Intensivstationen eine Rolle spielen? Medizinethiker haben dazu durchaus verschiedene Auffassungen. Die Forderung nach einer politischen Klärung kommt von einer Medizinethikerin.

Im letzten Winter waren verschiedene Kliniken gezwungen, zu triagieren, also aufgrund von knappen Ressourcen zu entscheiden, welchem Corona-Patienten sie zuerst helfen. Inzwischen mussten einzelne Krankenhäuser wieder dazu übergehen. Angesichts der zunehmenden Überlastung von Intensivstationen durch Corona-Patienten hat die Bonner Medizinethikerin Annette Duffner deshalb eine politische Klärung der Frage angeregt, ob bei der Triage geimpfte Patienten ungeimpften vorgezogen werden sollen. "Unter dem Strich glaube ich, dass sich die Beachtung des Impfstatus in einer überfüllten Intensivstation durchaus argumentieren ließe", sagte die Bonner Professorin der "Rheinischen Post".

Die Auswahl der Patienten hänge zum einen davon ab, wie breit das Solidaritätsprinzip zu verstehen sei. Zum anderen gehe es darum, wie die Motivation der Menschen zu bewerten sei, die sich nicht impfen lassen. Alkoholikern werde man eine Transplantationsleber wegen des Suchtcharakters nicht vorenthalten. Es sei jedoch zu fragen, ob die Angst vor Impfschäden einen ähnlichen Charakter habe oder nicht. "Ultimativ sollten derartige Entscheidungen auf politischem Weg gefällt werden", erklärte die Medizinethikerin.

Der Bochumer Medizinethiker Jochen Vollmann vertrat die Ansicht, dass der Impfstatus "kein Entscheidungskriterium bei der Zuteilung begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen" sei. Bei gleicher Dringlichkeit sei aus medizinethischer Sicht entscheidend, welchem Patienten in der akuten Notsituation eine intensivmedizinische Behandlung am meisten helfen würde. "Ein ethisches Dilemma wird eine solche Situation immer bleiben", erläuterte der Bochumer Professor.

Hospitalisierungsrate steigt

Am Freitag wurde die Zahl der Corona-Intensivpatienten von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) mit 2851 angegeben, die der noch verfügbaren Intensivbetten sank auf 2478. Das Robert Koch Institut nannte am Freitag eine erneut gestiegene Hospitalisierungsrate von 4,70. Der Wert gibt an, wie viele Corona-Patienten innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner mit schweren Erkrankungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. In Thüringen und Sachsen liegt der Wert deutlich darüber und nähert sich den bundesweiten Höchstwerten von Ende Dezember 2020 mit damals fast 16.

Am Donnerstag hatten Münchner Ärzte vor einem Kollaps der Krankenhäuser in der bayerischen Landeshauptstadt gewarnt. Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik Schwabing, sprach von einer "Notlage" der Kliniken wegen der kritischen Corona-Situation. Man sei derzeit Herr des Pandemiegeschehens, sagte Fischer in München - aber nur "weil schon 50 Prozent unserer planbaren Operationen und Eingriffe heruntergefahren sind". Der Punkt einer Triage, also das Priorisieren von medizinischen Notfällen aufgrund von Mangel an Ressourcen, könne "innerhalb weniger Wochen" erreicht sein, "wenn jetzt nicht gegengesteuert wird". Als Gründe hierfür nannte der Mediziner das aggressivere Verhalten der Delta-Variante, einen Nachlass der Immunisierung "insbesondere" bei den zu Jahresbeginn geimpften Personen und eine zu niedrige Impfquote in der Gesamtbevölkerung.

Quelle: ntv.de, sba

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