Politik

"Er kennt uns gar nicht" Trump bei Wählerinnen immer unbeliebter

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Trump mit seiner Tochter Ivanka bei der Unterzeichnung einer globalen Initiative für den Wohlstand von Frauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

US-Präsident Trump verliert in der Endphase des Wahlkampfes zunehmend die Sympathie der Frauen in den Vorstädten. Besonders sein rassistisches Weltbild kommt schlecht an. Außerdem macht er den Fehler, die Wählerinnen als "Hausfrauen" anzusprechen. Tausende gehen nun auf die Straße.

Tausende Menschen haben sich in den USA an Protesten gegen US-Präsident Donald Trump und für Frauenrechte beteiligt. In Washington und anderen Städten versammelten sich vor allem Frauen, um gegen eine mögliche Wiederwahl Trumps und seine Kandidatin für den Obersten Gerichtshof, Amy Coney Barrett, zu protestieren. In der US-Hauptstadt starteten die Teilnehmer ihren Protestmarsch nahe dem Weißen Haus. Weitere Märsche gab es den Organisatoren zufolge in allen Bundesstaaten. Die Proteste waren inspiriert von dem erstem Women's March nach Trumps Amtseinführung 2017. Damals hatten mehr als drei Millionen Menschen teilgenommen. Diesmal kamen wegen der Corona-Pandemie aber deutlich weniger Menschen.

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Die Pussy-Kappe: Symbol der Frauen-Märsche gegen Trump.

(Foto: REUTERS)

Viele Teilnehmerinnen trugen wieder das Symbol der Protestaktion Women's March, den sogenannten Pussy Hat, in Anspielung auf Trumps Äußerung, dank seiner Berühmtheit könne er Frauen jederzeit in den Schritt fassen. Viele trugen auch wie ihr Vorbild, die verstorbene linksliberale Oberste Richterin Ruth Bader Ginsburg, einen weißen Kragen. Trump will Ginsburg noch vor der Präsidentenwahl am 3. November am Supreme Court durch die erzkonservative Barrett ersetzen.

Vorstadt-Frauen gegen Trump

"Vorstadt-Frauen, würdet ihr mich bitte mögen?", rief US-Präsident Donald Trump seinen Anhängern kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung zu. "Ich habe eure verdammte Nachbarschaft gerettet, okay?" Vor der Präsidentschaftswahl am 3. November wirbt der Amtsinhaber massiv um die Stimmen weißer Frauen aus den Vorstädten. Doch in der wichtigen Wählergruppe stößt der Republikaner auf wachsende Ablehnung.

Im Bundesstaat Connecticut haben sich Vorstadt-Bewohnerinnen gar zu einer Anti-Trump-Gruppe mit dem martialischen Namen The SWAT Team zusammengeschlossen - so wie die Spezialeinsatzkommandos der US-Polizei. Das SWAT steht hier aber für Suburban Women Against Trump - Vorstadt-Frauen gegen Trump.

Sie widersetzen sich einer Angstkampagne des Präsidenten gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden. Trump behauptet regelmäßig, sein Rivale wolle die Vorstädte mit neuen Sozialwohnungen "zerstören" und den "amerikanischen Traum" der Bewohner gleich mit. Der Rechtspopulist suggeriert damit, dass einkommensschwächere Familien etwa von Afroamerikanern und Latinos mehr Kriminalität in die Vorstädte bringen würden.

"Keine Angst um unsere perfekten Vorgärten"

"Ich war einfach entsetzt, wie er versucht hat, ein Bild von Vorstadt-Frauen zu malen, die so rassistisch seien wie er", sagt Swat-Mitbegründerin Brook Manewal über den Präsidenten. "Er stellt uns so dar, als hätten wir Angst, unsere weißen Zäune, unsere perfekten kleinen Häuser und perfekten Gärten zu verlieren. So sind die Leute, denen ich begegnet bin, überhaupt nicht."

Die 43-jährige Anwältin, die in Stamford in Connecticut lebt, schloss sich deswegen mit einer Freundin zusammen und gründete The Swat Team. Die Facebook-Gruppe hat inzwischen 9000 Mitglieder in 35 Bundesstaaten, berichtet Manewal. Die Aktivisten rufen täglich potenzielle Wähler an, verschicken Postkarten mit Wahlaufrufen und sammeln Wahlkampfspenden für Biden. Sie schicken auch 10.000 Briefe an das Weiße Haus mit einer klaren Botschaft an Trump: "Sie kennen uns nicht, Sie sprechen nicht in unserem Namen, und Sie stehen nicht für den Typ Anführer, den wir respektieren."

Bei den weiblichen Wählern fällt Trump zurück

Vor der Wahl am 3. November steht Trump unter gewaltigem Druck, in Umfragen liegt er teils deutlich hinter Biden. Das liegt auch daran, dass viele weiße Frauen sich von dem Rechtspopulisten im Weißen Haus abgewendet haben. 2016 hatten 47 Prozent der weißen Wählerinnen für Trump gestimmt und nur 45 Prozent für dessen demokratische Rivalin Hillary Clinton. Das verhalf dem Republikaner in einem Rennen, das in einigen Bundesstaaten extrem eng war, mit zum Wahlsieg.

Doch vor der Wahl am 3. November hat Biden bei Wählerinnen einen großen Vorsprung vor Trump. Laut einer Umfrage sind es bei den Bewohnerinnen von Vorstädten sogar 13 Prozentpunkte. Trumps Versuche, Wählerinnen für sich zu gewinnen, seien ein "zunehmend zentrales" Element im Wahlkampf des Präsidenten, sagt der Politikprofessor Christopher Borick. "Es gibt bislang aber nur sehr wenige Hinweise, dass das Früchte trägt."

Wenig hilfreich dürfte sein, dass Trump gerne von den "Hausfrauen" in den Vorstädten spricht, für viele ein weiterer Beweis für das rückwärtsgewandte Weltbild des Präsidenten. Das stößt unter anderem Katie Paris bitter auf, die mit ihrer Organisation Red, Wine and Blue im Bundesstaat Ohio Wählerinnen für Biden mobilisieren will. "Er hat keine Ahnung von unserem Leben", sagt Paris über den Präsidenten. "Wir sind keine 'Hausfrauen', und wir leben nicht mehr in den 1950ern."

Quelle: ntv.de, mau/AFP