Politik

Tausende falsche Behauptungen Trump lügt derzeit etwas weniger

ff4464aeca9d2d459f67404d99944caa.jpg

Protest vor dem Weißen Haus am vergangenen Freitag. "Lügner" steht in weihnachtlich leuchtender Schrift auf dem Schild.

(Foto: REUTERS)

Im Oktober hat Donald Trump im Schnitt 39 Mal am Tag die Unwahrheit gesagt. Das war selbst für ihn ein Rekord. Seit den Kongresswahlen zählen die Faktenchecker in den USA bei ihm weniger Falschbehauptungen.

In seinen rund 700 Tagen im Amt hat US-Präsident Donald Trump 7546 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt. Das ergibt eine Aufstellung der "Washington Post". Die Liste zeigt auch, dass Trump seit den Kongresswahlen am 6. November weniger häufig die Unwahrheit sagt.

Ob eine Aussage als falsch oder irreführend, als stark übertrieben oder halb wahr bewertet wird, ist häufig eine Frage der Interpretation. Die kanadische Zeitung "Toronto Star" etwa kommt in ihrer Zählung auf 3924 falsche Behauptungen. Die Liste des "Toronto Star" endet derzeit am 5. Dezember; einen Tag später hat der zuständige Redakteur seine Weihnachtsferien begonnen.

Dennoch zeigt die vorläufig letzte Statistik der Zeitung einen ähnlichen Verlauf wie die Darstellung der "Washington Post". In beiden Grafiken liegt der Höhepunkt der falschen Behauptungen vor den Kongresswahlen. Laut "Washington Post" hat Trump im Oktober im Durchschnitt 39 Mal am Tag die Unwahrheit gesagt. Einsamer Höhepunkt ist der 5. November, der Tag vor den Kongresswahlen, mit 139 falschen oder irreführenden Behauptungen. Danach fällt die Grafik sowohl bei der "Post" als auch beim "Toronto Star" deutlich ab.

Die Zunahme falscher Behauptungen begann beiden Zeitungen zufolge im Juni. Bis dahin ist in der Darstellung der "Washington Post" nur ein leichter Anstieg der Unwahrheiten zu erkennen. Seit dem 27. November hat Trump die Zahl seiner Falschaussagen noch einmal deutlich gedrosselt. Beide Zeitungen vermeiden den Begriff "Lügen", da er Absicht unterstellt.

Über Stormy Daniels hat Trump offensichtlich bewusst gelogen

Faktenchecks sind in den USA recht verbreitet. Normalerweise geht es dabei nicht nur um Trump. Allerdings ist er eine ungewöhnlich ergiebige Quelle von Unwahrheiten. In der Übersicht von FactCheck.org über "die Klopper des Jahres 2018" stammen zehn der insgesamt sechzehn aufgeführten "Whoppers" von Trump.

An der Spitze dieser Liste steht die Behauptung des Präsidenten, er habe nichts von den Zahlungen an Stormy Daniels gewusst. Die ehemalige Pornodarstellerin mit dem bürgerlichen Namen Stephanie Clifford hatte nach eigener Aussage im Juli 2006 Sex mit Trump, was dieser bestreitet. In der von FactCheck.org monierten Falschbehauptung geht es jedoch nicht um einen Seitensprung, sondern um 130.000 Dollar, die Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen an Daniels überwiesen hat. Das Weiße Haus und Trump persönlich haben mehrfach abgestritten, dass es diese Zahlung gab. Im Mai räumten der Präsident und sein Anwalt Rudy Giuliani sie schließlich ein. Nach Ansicht des Faktencheckers Glenn Kessler von der "Washington Post" ist damit klar, dass es sich bei dieser Aussage nicht um ein irreführendes oder falsches Statement handelte, sondern um eine glatte Lüge. Auf Platz zwei bei FactCheck.org steht Trumps Behauptung, die offizielle Zahl von 2975 Toten durch Hurrikan "Maria" auf dem US-Außengebiet Puerto Rico sei falsch.

Auch die Webseite Politifact sammelt unwahre Aussagen. Von Trump wurden dort bisher 636 Behauptungen überprüft. 16 Prozent davon wurden als "wahr" oder "überwiegend wahr" eingestuft, weitere 15 Prozent als "halb wahr", die übrigen als "überwiegend falsch" (21 Prozent) oder "falsch" (34 Prozent). 15 Prozent der geprüften Aussagen erhielten das Etikett "Pants on Fire". Soll heißen: Diese Behauptungen sind so absurd, dass die Hosen des Lügners brennen (im Englischen gibt es einen Kinderreim: "Liar, liar, pants on fire"). Die zuletzt geprüfte Aussage ist sein Tweet, Russland, der Iran und Syrien seien "nicht glücklich" über den Abzug der US-Truppen aus Syrien. Dies ist offenkundig falsch.

Die "Washington Post" vergibt "Pinocchios", um den Grad einer Unwahrheit zu beschreiben: ein Pinocchio steht für "überwiegend wahr", vier Pinocchios bedeuten, dass eine Aussage komplett unwahr ist. Über Jahre hat das funktioniert, jetzt nicht mehr: "Trumps Bereitschaft, falsche Behauptungen permanent zu wiederholen, stellt eine einzigartige Herausforderung für Faktenchecker dar", schreibt Kessler. Die meisten Politiker würden "eine Vier-Pinocchio-Behauptung" nicht wiederholen. Trump jedoch sei anders. Daher führten die Faktenchecker der "Post" kürzlich eine neue Kategorie ein: den "bodenlosen Pinocchio". Um ihn zu erhalten, muss man eine Falschbehauptung mindestens zwanzig Mal wiederholen.

Auf diese Liste haben es bisher 15 Aussagen des Präsidenten geschafft. Spitzenreiter ist Trumps Behauptung, seine Steuersenkungen von 2017 seien die größten in der Geschichte der USA. 124 Mal hat er das bislang wiederholt, zuletzt am 18. November.

Derzeit streitet Trump mit den Demokraten über den Shutdown und über die von ihm geforderten Milliarden für den Bau einer Mauer entlang der Grenze zu Mexiko. Allein in diesem Streit hat er sowohl behauptet, die Grenze sei dicht und sie müsse endlich mit einer Mauer abgesichert werden. Er hat die Verantwortung für den Shutdown erst übernommen und dann den Demokraten zugeschoben. Dass Trump im Dezember weniger häufig die Unwahrheit gesagt hat, dürfte ein kurzzeitiges Phänomen sein.

Quelle: n-tv.de, hvo

Mehr zum Thema