Politik

Siegesrede in New York Trump will Präsident aller Amerikaner sein

In seiner Siegesrede reicht Donald Trump Hillary Clinton, die er im Wahlkampf so übel beschimpft hatte, die Hand. "Wir schulden ihr große Dankbarkeit für ihren Dienst an diesem Land." Jetzt will er "die dringende Aufgabe angehen, unser Land wiederaufzubauen".

Gegen zehn vor drei Uhr morgens Ortszeit tritt Donald Trump im Hilton in New York vor seine Anhänger. "Tut mir leid, dass ihr warten musstet – eine komplizierte Angelegenheit", sagt er. Kurz zuvor war der Milliardär, wie es in den USA üblich ist, von den Nachrichtensendern zum 45. Präsidenten ausgerufen worden.

Er habe gerade einen Anruf von Hillary Clinton bekommen, sagt er. Sie habe ihm zu dem Sieg gratuliert, er habe ihr zu ihrem hart geführten Wahlkampf gratuliert. "Wir schulden ihr große Dankbarkeit für ihren Dienst an diesem Land." Bevor er im Hilton eingetroffen war, hatten seine Anhänger noch "Sperrt sie ein!" skandiert.

Genau dies wird von Wahlsiegern erwartet. Sie sollen "gracious" sein, was eine Mischung aus freundlich und gnädig ist. Es klingt noch sehr, sehr ungewohnt. Immerhin war dieser Wahlkampf vor allem auf seiner Seite geprägt von wüsten Beschimpfungen und kaum zu überbietenden Hetzreden. Doch Trump entspricht der Konvention vollständig. Jetzt sei die Zeit, die Wunden zu verbinden und zusammenzukommen, sagt er, "als ein vereinigtes Volk". Ob das gelingt, steht auf einem anderen Blatt.

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Trump-Anhänger zeigen vor dem Hilton die Kernbotschaft seines Wahlkampfes: Sperrt sie ein - gemeint ist natürlich Clinton.

(Foto: dpa)

Er wolle Präsident für alle Amerikaner sein, sagt Trump, "das ist so wichtig für mich". Er bitte auch jene um Hilfe und Unterstützung, die ihn nicht unterstützt haben.

Dann lobt er seine Anhänger. Dies sei kein Wahlkampf gewesen, sondern eine Bewegung. Vielleicht macht er sich zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass er der erste Präsident in der Geschichte der USA sein wird, der noch nie ein politisches oder militärisches Amt innehatte.

"Zusammen werden wir die dringende Aufgabe angehen, unser Land wiederaufzubauen." Trump zählt auf, was er verwirklichen will: "Die vergessenen Männer und Frauen unseres Landes werden nicht länger vergessen sein." Die Infrastruktur werde wiederhergestellt, Millionen Amerikaner würden dadurch Arbeitsplätze bekommen, er werde sich um die Veteranen kümmern, er werde das Wachstum verdoppeln – wobei er nicht "ich" sagt, sondern "wir".

Den Rest seiner Rede dankt Trump allen möglichen Menschen – seinen längst verstorbenen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Kindern, seiner Frau, seinen Mitarbeitern, den Sicherheitskräften. "Ich freue mich darauf, euer Präsident zu sein", sagte er noch. Nach zwei oder vier, vielleicht auch nach acht Jahren – an dieser Stelle jubelt das Publikum noch einmal – würden seine Anhänger hoffentlich sagen, dass die Arbeit sich gelohnt habe. "Wir werden uns sofort an die Arbeit machen."

Und dann passiert es schon wieder. Wie bei seinen Wahlkampfveranstaltungen spielt die Saalregie "You Can't Always Get What You Want" von den Rolling Stones. Was immer das bedeuten soll.

Quelle: n-tv.de, hvo

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