Politik
Tunesische Soldaten bei der Beerdigung eines Kameraden.
Tunesische Soldaten bei der Beerdigung eines Kameraden.(Foto: dpa)
Sonntag, 22. Mai 2011

Vergewaltigungen in Haft?: Tunesier beklagen Folter

Tunesien hat zwar seinen seinen autoritären Präsidenten vertrieben. Doch das System der Folter und Misshandlung Festgenommer scheint Ben Ali überdauert zu haben. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten werden noch immer Gefangene gefoltert und vergewaltigt.

In Tunesien halten Folter und Misshandlung Festgenommener nach Angaben einer Menschenrechtsaktivistin auch nach dem Sturz des autoritär regierenden Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali an. "Wir haben Augenzeugenberichte von Gefangenen bekommen, die nach der Revolution gefoltert wurden", sagte Radhia Nasraoui. Einige seien auch vergewaltigt worden.

Angehörige trauern um Mohamed Taher Ayari, der bei einer Schießerei mit Islamisten getötet wurde.
Angehörige trauern um Mohamed Taher Ayari, der bei einer Schießerei mit Islamisten getötet wurde.(Foto: dpa)

Auch 14- und 15-Jährige, die an den Demonstrationen gegen die Staatsführung teilgenommen hätten, seien misshandelt worden, sagte Nasraoui. Sie vermute, dass der Polizei "grünes Licht für Folter" gegeben worden sei.

Nach Angaben der UNO, die sich auf Zahlen der Regierung berief, wurden im Zuge der Revolte im Dezember und Januar rund 300 Menschen getötet und 700 weitere verletzt. Die tunesischen Behörden hatten die Zahl der Toten bislang mit 234 angegeben und sich zu Verletzten nicht geäußert. Der Berichterstatter für Folter, Juan Méndez forderte in Tunis "umfangreiche Ermittlungen" zur Aufklärung der Gewalt und Reformen, um Folter in Tunesien zu verhindern.

Der Aufstand in Tunesien hatte am 17. Dezember mit der Selbstanzündung eines Arbeitslosen begonnen und sich daraufhin verschärft. Ben Ali wird angeklagt floh Mitte Januar unter dem Druck der Massen aus dem Land. Die Welle des Protestes war von Tunesien aus auf zahlreiche andere arabische Länder übergeschwappt.

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Quelle: n-tv.de