Politik

Snowdens E-Mail-Dienst Lavabit muss dichtmachen

Wer ein besonders sicheres Webmail-Konto sucht, der landet möglicherweise bei Lavabit. Auch Edward Snowden soll seine Korrespondenz in den letzten Wochen über den US-Dienst abgewickelt haben. US-Behörden setzen den Betreiber unter Druck: Nun gibt er auf und sagt, andernfalls werde er zum Komplizen "von Verbrechen gegen das amerikanische Volk".

lavabit.JPG

Lavabit muss schließen - darf aber nicht sagen, warum.

Ein verschlüsselter E-Mail-Dienst, den der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zur Kommunikation genutzt haben soll, ist offenbar auf Druck der US-Behörden zur Schließung gezwungen worden. Der Besitzer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levison, erklärte auf seiner Webseite, er habe sich nach langer Überlegung zur Einstellung seines Dienstes entschieden. Entweder er kehre "fast zehn Jahren harter Arbeit" den Rücken oder er werde zum Komplizen "von Verbrechen gegen das amerikanische Volk", schrieb Levison.

Lavabit war in die Schlagzeilen geraten, nachdem berichtet worden war, dass Snowden den Dienst während der Zeit, die er auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo feststeckte, zur Kommunikation nutzte. Snowden hatte mit Enthüllungen zur flächendeckenden Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation durch den US-Geheimdienst NSA den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen. Am 1. August gewährte ihm Russland vorläufiges Asyl. Derzeit hält er sich an einem unbekannten Ort in Russland auf.

Antwort auf Google Mail

Levison beklagt in seiner Mitteilung, er könne keine Details zu den Ursachen der Einstellung von Lavabit mitteilen. "Wie die Dinge derzeit liegen, kann ich meine Erfahrung der letzten sechs Wochen nicht teilen, obwohl ich zwei Mal die nötigen Anträge gestellt habe", schrieb Levison. Das US-Recht erlaubt es den Sicherheitsdiensten, Firmen zu verpflichten, dass sie die ihnen erteilten Anweisungen nicht öffentlich machen. Lavabit war vor zehn Jahren in Texas als Dienst gestartet, der die sichere Kommunikation per E-Mail ermöglicht.

Lavabit war 2004 auch als Reaktion auf Googles Gmail gegründet worden und sollte größtmöglichen Datenschutz gewährleisten. Ausschließlich mit dem jeweiligen Passwort sollte ein Zugriff auf die Konten möglich sein. Was nun aus den rund 350.000 Lavabit-Accounts wird, ist noch unklar.

Quelle: n-tv.de, AFP

Mehr zum Thema