Politik

Angriff auf zweiten OnlineriesenUkraine setzt vier Standorte von Wildberries-Konkurrent Ozon in Brand

24.08.2026, 10:12 Uhr
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Nach einem ukrainischen Drohnenangriff steigt am Wochenende Rauch aus einem Ozon-Lagerhaus in der russischen Region Samara auf. (Foto: via REUTERS)

Wochenlang nimmt die Ukraine bei ihren Drohnenangriffen auf Russland Standorte des Shoppingriesen Wildberries ins Visier. Dieser erhält offenbar eine Verschnaufpause - Kiew kündigt am Wochenende Attacken auf die Nummer zwei im Onlinehandel an. Ozon meldet nun gleich vier Angriffe in einer Nacht.

Die Ukraine hat die dritte Nacht in Folge mehrere Standorte des zweitgrößten russischen Onlinehändlers Ozon mit Drohnen angegriffen. Wie ukrainische und russische Medien übereinstimmend berichten, sind Warenhäuser in den südrussischen Städten Newinnomyssk in der Region Stawropol und Krasnodar betroffen. Außerdem wurden demzufolge große Logistikzentren in Adygeisk in der Region Adygeja und in Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan attackiert. Ein russischer Gouverneur berichtet von toten Kindern, Ozon selbst von mehreren verletzten Mitarbeitern.

Am Samstag wurden bereits Warenhäuser von Ozon im russischen Gebiet Samara angegriffen, in Nacht zum Sonntag in der Stadt Orenburg bei St. Petersburg. In Orenburg brach Rettungsdiensten zufolge auf einer Fläche von 82.000 Quadratmetern ein Feuer aus.

In der vergangenen Nacht hatte Ozon zunächst den Angriff auf das Lagerhaus in Krasnodar gemeldet. Nach einem Drohnenangriff sei ein Großbrand ausgebrochen, schreibt das Unternehmen auf Telegram. Der Betrieb sei eingestellt und das Gebäude geräumt worden. Nach vorläufigen Erkenntnissen gebe es keine Opfer.

Weniamin Kondratjew, der Gouverneur der Region, schreibt bei Telegram, in Krasnodar seien zwei Kinder ums Leben gekommen, als nachts Drohnentrümmer auf eine private Kindertagesstätte gestürzt seien. Neun weitere Menschen, darunter sieben weitere Kinder, seien verletzt worden, als die Trümmerteile in der Nacht eine private Kindertagesstätte trafen.

Daneben wurden Ozon zufolge ein Logistikzentrum in Adygeisk unweit von Krasnodar sowie ein Warenhaus in Newinnomyssk "wegen der Bedrohung durch Drohnenangriffe evakuiert". Dem Onlinehändler zufolge gibt es in diesen Fällen keine Verletzten und auch keine Schäden an den Einrichtungen. Sie blieben vorübergehend geschlossen, schreibt das Unternehmen auf Telegram.

Der ukrainische Telegram-Kanal Exilenova hat allerdings Videoaufnahmen veröffentlicht, die das brennende Warenhaus von Ozon in Newinnomyssk zeigen sollen. Laut dem Gouverneur der Region Adygeja, Murat Kumpilow, brach anders als von Ozon dargestellt auch in dem Logistikzentrum in Adygeisk ein Feuer aus. "Einsatzkräfte des Katastrophenschutzministeriums und Rettungskräfte sind mit den Löscharbeiten beschäftigt", schreibt er auf Telegram.

Wie Exilenova meldet, handelt es sich bei dem Logistikzentrum in Adygeisk um einen wichtigen Knotenpunkt der Region. Dort werden demzufolge Waren von Ozon zwischengelagert, bevor sie an Abholstellen und Warenhäuser in südrussischen Regionen wie Krasnodar oder des Nordkaukasus weitergeleitet werden.

Bereits bestätigt sind schwere Schäden des Logistikzentrums in Machatschkala. Die Einrichtung wurde gegen 5 Uhr morgens angegriffen, schreibt Ozon auf Telegram. Es sei ein Feuer ausgebrochen. "Nach vorläufigen Informationen gibt es mehrere Verletzte", teilt das Unternehmen weiter mit. Deren Leben sei nicht in Gefahr.

Die Einrichtung in der Dagestan soll Berichten zufolge eine Lagerfläche von etwa 130.000 Quadratmeter haben. Laut dem ukrainischen Online-Medium Ukrajinska Prawda ist die Anlage von strategischer Bedeutung für das Logistiknetzwerk von Ozon im Nordkaukasus. Sie spielt demnach eine wichtige Rolle beim Versand von Waren nach Aserbaidschan und auch in den Iran.

Wildberries ist der größte und Ozon der zweitgrößte russische Onlineshop. Beide Unternehmen werden wegen ihrer dominierenden Stellung im schnell wachsenden russischen Onlinehandel häufig mit dem US-Konzern Amazon verglichen. Am Samstag hatte das ukrainische Verteidigungsministerium angekündigt, fortan Angriffe gegen Ozon zu fliegen. "Nachdem ukrainische Einheiten die 15 größten Logistikzentren von Wildberries getroffen haben, ist nun Ozon an der Reihe", erklärte das Ministerium.

Die Ukraine greift die Warenhäuser und Logistikzentren seit Wochen mit Drohnen an. Kiew begründet die Attacken damit, dass die Unternehmen Komponenten an das russische Militär liefern und Soldaten dort Ausrüstung für den Angriff auf die Ukraine bestellen können. Außerdem sind Wildberries und Ozon wichtige Säulen der russischen Wirtschaft.

Bereits seit Mitte Juli waren zahlreiche Standorte in verschiedenen Teilen Russlands und auf der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim getroffen worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Wildberries am Mittwoch Unterstützung zugesagt und Hilfen für den Wiederaufbau zerstörter Logistikzentren angekündigt. Moskau kritisiert die ukrainischen Angriffe auf nach russischer Darstellung "zivile Infrastruktur".

Quelle: ntv.de, chr/AFP

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