Politik
Die ganz große deutsche Papst-Euphorie ist wohl vorbei.
Die ganz große deutsche Papst-Euphorie ist wohl vorbei.(Foto: dpa)
Freitag, 16. September 2011

Zoff um Bundestagsrede: Vatikan: Papst wurde eingeladen

Wenn jemand eingeladen wird, sollte er auch freundlich empfangen werden: Das jedenfalls ist die Meinung des Vatikans. In einer Stellungnahme zu der Debatte über die Papst-Rede im Bundestag heißt es weiter, die Zuhörer müssten ja nicht allem zustimmen, was der Heilige Vater sagt.

Der Vatikan hat angesichts des von vielen Abgeordneten geplanten Boykotts der im Bundestag geplanten Rede von Papst Benedikt XVI. daran erinnert, dass der Heilige Vater von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zu dieser Rede eingeladen wurde. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte außerdem, bei einer Rede zuzuhören bedeute nicht, allem Gesagten zuzustimmen. Diejenigen, die anderer Meinung als der Papst seien, könnten diese Meinung im Anschluss immer noch kundtun.

Lombardi stellte das Programm des dritten Deutschlandbesuchs von Benedikt vor, der diesen kommende Woche nach Berlin, Erfurt und Freiburg führen wird. Der Sprecher des Vatikans schloss nicht aus, dass der Papst nach dem vergangenen Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester treffen wird. Im offiziellen Programm ist dies nicht vorgesehen, allerdings traf sich der Papst auch bei anderen Reisen jenseits des offiziellen Programms mit Missbrauchsopfern.

Die CDU betonte ihr Unverständnis über das angekündigte Fernbleiben von Oppositionspolitikern. Für die Union unterstreiche die Rede des Papstes im Parlament seines Heimatlandes auch "die christliche Prägung unseres Gemeinwesens", teilte die CDU mit.

Papst Benedikt XVI. will sich laut Lombardi bei seinem Deutschlandbesuch zu grundsätzlichen Fragen des Glaubens äußern, nicht aber isolierte Einzelfragen in den Mittelpunkt stellen. Der Heilige Vater wolle sich bei seinen Predigten und Reden ganz dem Motto der Reise, "Wo Gott ist, da ist Zukunft" zuwenden. Die Zukunft der Kirche hänge nicht vom Zölibat oder von Priestern ab, auch wenn dies wichtige Themen seien. Die Zukunft hänge vom Glauben in Gott ab.

Quelle: n-tv.de