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Der neue Mode-Knigge der Bundeswehr Versteck dein Tattoo, Kamerad!

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Tattoos fallen unter den Begriff der nicht abnehmbaren Modifikationen. Sie sind daher vom Soldaten möglichst dezent abzudecken.

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Haare, Bärte, Ringe - im Hinblick auf das Äußere ihrer Soldaten lässt die Bundeswehr eigentlich kaum eine Vorschrift aus. Nun wurden auch die letzten Lücken geschlossen. Unter anderem müssen die Kameraden nicht mehr im Regen stehen.

Bei der Armee geht's traditionell streng zu. Wer nicht korrekt grüßt, in die richtige Richtung schaut oder ordentlich die Hacken zusammenschlägt, der bekommt Ärger. Regeln spielen im Alltag deutscher Soldaten seit jeher eine große Rolle. Umso verblüffender ist es, dass die Bundeswehr ihre Streitkräfte in mancherlei Hinsicht jahrelang einfach gewähren ließ. Während Dinge wie Haar- und Bartlänge, Fingernagelform und Kosmetik seit langem akribisch festgeschrieben sind, wurde die Existenz von Piercings und Tätowierungen bisher geleugnet. Es gab schlicht keine Vorschriften zu dieser Art von Körperschmuck.

Das soll sich jetzt ändern. Die Bundeswehr macht zumindest modisch einen Schritt in die Moderne. Denn zum 1. Februar tritt die von Generalinspekteur Volker Wieker verordnete neue Zentrale Dienstvorschrift A-2630/1 in Kraft. "Das äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr" löst dann den bisher gültigen Erlass "Die Haar- und Barttracht der Soldaten" ab. Das neue Pamphlet, das der Blog Augengeradeaus.net vorab veröffentlicht hat, erweitert den Soldaten-Knigge um die jüngeren modischen Trends.

Bärte müssen gepflegt und gestutzt sein, die Haare kurz, sie dürfen Ohren und Augen nicht bedecken. Außerdem sollen sie bei aufrechter Kopfhaltung nicht Uniform- oder Hemdkragen berühren. Daran ändert sich unter deutschen Helmen auch in Zukunft nichts. Mit viel Aufmerksamkeit dürfte auf den Stuben in diesen Tagen allerdings ein neues Kapitel studiert werden: "Körpermodifikationen und Körperbemalungen".

Immer taktvoll und zurückhaltend

Unter diese Rubrik fallen "zu dekorativen Zwecken ohne Notwendigkeit durchgeführte Eingriffe in die Substanz des menschlichen Körpers". Gemeint sind zum Beispiel Tätowierungen, Piercings, Implantate und Brandings. Diese Accessoires sind so lange erlaubt, wie sie "keine diskriminierenden oder pornografischen Motive aufweisen" sowie "die körperliche Leistungsfähigkeit nicht einschränken".

"Abnehmbare Modifikationen" müssen Soldaten künftig ablegen, sobald sie beim Tragen der Uniform sichtbar sind. Tattoos am Hals, an den Händen oder im Gesicht, die "aufgrund ihrer Verbindung zum Körper" nicht zu entfernen sind, seien - wie genau ist nicht näher erklärt - "in geeigneter und dezenter Weise" abzudecken. Offenbar traut das Bundesministerium für Verteidigung den Soldaten nicht allzu viel zu. In einer Fußnote umschreiben sie das Wort "dezent" vorsichtshalber mit "unaufdringlich, taktvoll und vornehm-zurückhaltend".

Einen solchen Umgang raten die Verantwortlichen auch im Zusammenhang mit dem so genannten "Tunnel". Die geweiteten Piercings im Ohrläppchen seien "durch eine hautfarbene Abdeckung" bis zum Durchmesser eines Ein-Cent-Stücks zu verdecken. Und wenn der Tunnel größer ist als die Münze? Darauf gibt es keine Antwort.

Bloß nicht auffallen!

Wer glaubt, damit habe der Generalinspekteur den Leitfaden ausreichend überholt, der irrt. Tatsächlich gibt es noch eine bemerkenswerte Neuerung. Anders als bisher ist den Kameraden zu ihrer Uniform nämlich von nun an auch das Tragen eines Regenschirms gestattet. Natürlich nur unter bestimmten Bedingungen. Der Schirm muss einfarbig, schwarz und unbedruckt sein. Auch hier gilt also: Bloß nicht auffallen!

Widerstand gegen die Vorschriften ist übrigens zwecklos. Das musste im Dezember ein Soldat erleben, der sich während seines Grundwehrdienstes gegen das Kürzen seiner 40 Zentimeter langen Haare geweigert hatte. Er sah sich in seinem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verletzt und forderte die Gleichbehandlung mit Soldatinnen, denen das Tragen längerer Haare zum Beispiel in einem Haarnetz gestattet ist. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde jedoch mit dem Verweis auf den gültigen Haar- und Barterlass zurück. Die unterschiedliche Behandlung der Geschlechter sei legitim und diene unter anderem dem Zweck, Frauen in der Bundeswehr besonders zu fördern.

Quelle: n-tv.de

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