Politik
Ursula von der Leyen (l.) und ihre neue Minister-Kollegin Kristina Köhler.
Ursula von der Leyen (l.) und ihre neue Minister-Kollegin Kristina Köhler.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 27. November 2009

Merkel baut um: Von der Leyen wechselt

Nach dem Rücktritt von Arbeitsminister Franz Josef Jung übernimmt Familienministerin Ursula von der Leyen seinen Posten. Dies bestätigte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Neue Familienministerin wird die hessische CDU-Abgeordnete Kristina Köhler (32).

Der Start der neuen Regierung ist holperig.
Der Start der neuen Regierung ist holperig.(Foto: dpa)

Damit musste die neue schwarz-gelbe Koalition nach nur einem Monat zum ersten Mal das Kabinett umbilden. Jung hatte knapp drei Monate nach dem verheerenden Luftangriff mit bis zu 132 Toten und Verletzten in Afghanistan sein Amt niedergelegt. Der 60-Jährige übernahm damit die Verantwortung für unzureichende Informationen während seiner Zeit als Verteidigungsminister.

Merkel lobte Jung als "geradlinigen Kollegen" und "feinen Kerl". Zur neuen Familienministerin sagte sie: "Sie wird als ausgebildete Soziologin eine sehr gute Arbeit leisten." Köhler hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags einen Namen gemacht.

Nachwuchstalent im Kabinett

Die gebürtige Wiesbadenerin trat schon als Schülerin mit 14 Jahren in die Junge Union und drei Jahre später auch in die CDU ein und stieg schnell in Führungsposition auf Kreisebene auf. Sie zog 2002 und 2005 über die Landesliste in den Bundestag ein. 2009 eroberte sie gegen die amtierende Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im Wahlkreis Wiesbaden das Direktmandat. Für Diskussionen sorgten im vorigen Jahr ihre Äußerungen, unter Ausländern gebe es eine wachsende "Deutschfeindlichkeit" und Gewaltbereitschaft gegen Deutsche unter Ausländern.

Köhler studierte in Mainz Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte. Seit 2002 vertritt sie Wiesbaden im Bundestag. Erst im vergangenen Februar promovierte sie bei dem Politologen Jürgen Falter. Köhler gilt in der CDU als ausgesprochen couragiert. Beim Kampf gegen Extremismus kenne die zierliche Frau kein Pardon, heißt es.

Klarer Plan

Aus ihrer Zielstrebigkeit machte Köhler schon früh keinen Hehl. Nach ihrem Abitur in Wiesbaden 1997 beschrieb Köhler in der Abi-Zeitung ihre Zukunftspläne. Längerfristig wolle sie die erste Frau sein, "die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden".

Köhlerwurde schon seit einiger Zeit als Nachwuchstalent gehandelt.
Köhlerwurde schon seit einiger Zeit als Nachwuchstalent gehandelt.(Foto: AP)

Noch allerdings ist Köhler ledig. Sie gehört der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche an, die als konservativ geprägt gilt.

Die neue Bundesfamilienministerin will an die Arbeit ihrer Vorgängerin anknüpfen. "Ich will ihre erfolgreiche Familienpolitik fortsetzen", kündigte sie im ZDF an. Von der Leyen sei eine "ganz tolle Familienministerin" gewesen. "Das sind wirklich sehr große Fußstapfen, in die ich da trete." Die von ihrer Vorgängerin angestoßene Kinderbetreuung müsse in den kommenden Jahren vollends in die Tat umgesetzt werden.

Köhler skizzierte zugleich neue Themen, denen sie künftig vermehrt Aufmerksamkeit schenken will. Sie nannte die gezielte Förderung von Jungen im Kindergarten und in der Grundschule, die dort oft weniger Fortschritte machten als Mädchen. Zudem wolle sie sich um das Thema "junge Väter" kümmern. "Man darf nicht glauben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur ein Thema von jungen Müttern ist. Auch junge Männer haben da ein Problem, oft sogar ein größeres."

Quelle: n-tv.de